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Gedenkstunde im BundestagBiermann nennt Linke den "elenden Rest"

Der Liedermacher Wolf Biermann singt am 7.11.2014 im Bundestag anlässlich einer Gedenkstunde an den Fall der Berliner Mauer. (afp/Schwarz)
Wolf Biermann lässt sich den Mund weiterhin nicht verbieten. (afp/Schwarz)

Mit einer Gedenkstunde erinnert der Bundestag an den Fall der Berliner Mauer vor 25 Jahren. Der aus der DDR ausgebürgerte Liedermacher Wolf Biermann nutzt die Gelegenheit für eine scharfe Kritik an der Linksfraktion. Sie bildete den "elenden Rest dessen, was zum Glück überwunden wurde".

Biermann nutzte seinen Auftritt im Bundestag für eine Attacke gegen die Linkspartei. Die Abgeordneten seien "der elende Rest dessen, was zum Glück überwunden wurde", sagte der 77-jährige, der in den 1970er-Jahren aus der DDR ausgebürgert worden war. Mit Verweis auf seine Bezeichnung als "Drachentöter" sagte der Liedermacher, er könne "nicht die Reste der Drachenbrut" niederschlagen, "die sind geschlagen".

Bundestagspräsident Lammert sagte zu Biermanns ungewöhnlichem Auftritt mit einem Hinweis auf die Geschäftsordnung: "Sobald Sie für den Bundestag kandidieren und gewählt werden, können Sie auch reden. Jetzt sind sie hier, um zu singen." Biermann entgegnete: "Das Reden habe ich mir in der DDR nicht abgewöhnt und werde das hier schon gar nicht tun." An die Adresse der Linken sagte er: "Ihr seid dazu verurteilt, das hier zu ertragen. Ich gönne es Euch."

Biermann singt Ermutigung

Auf Einwurf von Politikern der Linksfraktion, sie seien gewählt, erwiderte Biermann, eine Wahl sei doch "kein Gottesurteil". Die Linke sei in Wahrheit "reaktionär". Im Anschluss an den Schlagabtausch trug Biermann sein Lied "Ermutigung" vor, das vor allem bei den Oppositionellen in der damaligen DDR populär war. Biermann selbst nannte es "ein Stück Seelenbrot" insbesondere für die Insassen von DDR-Gefängnissen.

Biermanns Auftritt hatte schon vorher für Ärger gesorgt, weil sich die Linke als SED-Nachfolgepartei immer wieder von Biermann kritisiert und bei der Festlegung des Programms für die Gedenkstunde übergangen fühlte. Die Linkspartei hatte verlangt, dass der Liedermacher seinen Auftritt nicht für Parteienkritik nutzt.

Die Feierstunde hatte Lammert eröffnet. Ohne die Bürgerrechtsbewegung, die daraus entstandenen Volksbewegungen und ohne die friedlichen Massendemonstrationen hätte es den 9. November 1989 nicht gegeben, sagte er. "Ein Wunder war der Mauerfall aber nicht, sondern die Folge einer nicht nur in der deutschen Geschichte beispiellosen friedlichen Revolution."

Der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Gregor Gysi, kritisierte, es habe 1990 keine Vereinigung gegeben, sondern einen Beitritt. Daraus resultierten viele der heutigen Probleme. Die SPD-Abgeordnete Iris Gleicke betonte, es sei unmöglich, die jahrzehntelange Teilung in nur 25 Jahren zu überwinden. Sie bedauere die "Erbsenzählerei", mit der manche die Kosten der Einheit beziffern wollten.

(fwa/nin)

Die Biermann-Aussagen können Sie sich hier im O-Ton anhören.

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