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StartseiteVerbrauchertippAsbest auf keinen Fall selber entfernen10.09.2019

Gefährlicher BaustoffAsbest auf keinen Fall selber entfernen

Asbest ist seit 1993 in Deutschland verboten. Aber bis heute findet sich der krebserregende Baustoff noch in PVC-Bodenbelägen, Dachplatten und Dichtungsmassen. Experten raten: die Entfernung von Asbest auf jeden Fall Fachleuten überlassen - ansonsten kann es gefährlich werden.

Von Julia Weigelt

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Eine Baustelle ist mit Warnschildern versehen, dass hier für Asbest entsorgt wird (dpa / picture alliance / Ulrich Baumgarten)
Asbest kann auch nach Jahrzehnten noch zu Krebserkrankungen führen (dpa / picture alliance / Ulrich Baumgarten)
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Was tun nach einem Asbest-Fund? Solche Anfragen gehen bei der Verbraucherzentrale Hamburg auch heute noch häufig ein, Jahrzehnte nach dem Verbot des Baustoffs. Das berichtet Umweltberater Tristan Jorde.

"Da gibt es Menschen, die haben eine Gartenlaube, freuen sich darüber, und kommen dann drauf, dass das Dach aus Asbest-Zement ist und das zerbröselt allmählich, und jetzt haben die ein Riesenproblem, weil sie mit der Entsorgung kämpfen und das unglaublich teuer wird."

Auch bei PVC-Belägen wurde laut Jorde häufig Asbest benutzt. Die betroffenen Teile allerdings selbst rauszureißen - davon rät der Umweltberater der Verbraucherzentrale vehement ab: Zu gefährlich. Stattdessen empfiehlt Jorde, bei der Sanierung ausgewiesene Fachfirmen zu beauftragen.

"Die Hauptgeschichte ist, dass es nicht staubt, oder der Staub ordnungsgemäß gebunden und entsorgt wird. Das ist die Herausforderung, das macht es dann so teuer."

Angebote mehrerer Firmen einholen

Teilweise auch übertrieben teuer, weiß der Verbraucherschützer. Er empfiehlt deswegen, Angebote mehrerer Firmen einzuholen und die Preise zu vergleichen. 

Äußerlich zu erkennen sei Asbest für Laien allerdings nicht. Man könne bei älteren Bauteilen höchstens einen Verdacht hegen - etwa bei Nachtspeicheröfen. Deren Dämmplatten seien früher häufig mit Asbest versetzt worden und von ihnen entweichen die giftigen Fasern in die Raumluft.

Wird Asbest derart leicht freigesetzt, sind Vermieter übrigens zur Sanierung verpflichtet, sagt Jorde. 

"Wenn das jetzt gut eingebundener Asbest ist, wie das zum Beispiel bei Bodenplatten oder dem berühmten Blumenkübel am Balkon sind - da sind sich die Gerichte uneinig und da bleibt man unter Umständen auch als Mieter darauf sitzen."

Kurzatmigkeit, blutiger Husten, Krebserkrankungen

Welche Auswirkungen der Kontakt mit dem krebserregenden Stoff hat, sieht Professor Volker Harth jeden Tag. Der Facharzt für Arbeitsmedizin an der Hamburger Uni-Klinik weiß: Allein die Berufsgenossenschaften melden jedes Jahr knapp 4.000 Neuerkrankungen. Volker Harth:

"Die meisten unserer Patienten hier haben vor Jahrzehnten Umgang gehabt mit Asbest. Und die Zahlen zeigen, dass die Anzahl der Asbest-Erkrankten immer noch auf einem sehr hohen Niveau ist und sogar in Teilen, die Krebserkrankungen, noch ansteigen."

Demnach können auch Jahrzehnte nach dem Kontakt mit Asbest Erkrankungen auftreten, etwa Kehlkopf- und Lungenkrebs. Außerdem kann sich das Lungengewebe so verändern, dass der Körper schlecht Sauerstoff aufnimmt. Betroffene leiden zudem unter Kurzatmigkeit, vor allem bei körperlicher Anstrengung. Der Arbeitsmediziner rät:

"Wenn man an den Atemwegen eine Veränderung bemerkt, wenn man einen Reizhusten hat oder sogar einen blutigen Husten, dann sollte man sich an seinen Hausarzt wenden."

Oft nur zufällige Funde

Damit nicht noch mehr Menschen erkranken, fordert Verbraucherschützer Tristan Jorde die Politik zum Handeln auf. Vor allem im Wohnbereich:  

"Das heißt: Eine flächendeckende Erhebung, wo ist denn noch Asbest, und das dann Schritt für Schritt konsequent umsetzen, dass das saniert wird. Das passiert nämlich nicht, im Moment kommen wir nur durch Zufall drauf, wenn irgendwo eine Asbestbelastung vorliegt."

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