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StartseiteKommentare und Themen der WocheNeue Viren sind längst Alltag25.01.2020

Gefahr durch Corona-VirusNeue Viren sind längst Alltag

Das Wuhan-Virus ist der nächste neue Erreger, es werden weitere kommen. Die entscheidende Frage sei, wie man mit ihnen umgehe, kommentiert Volkart Wildermuth. Im Vergleich zu SARS gebe es erhebliche Fortschritte. Gefährlicher seien die alten, längst bekannten Erreger wie Grippe und Tuberkulose.

Von Volkart Wildermuth

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Desinfektionsarbeiten in einem Zug am Bahnhof Suseo in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul als Prävention gegen die Ausbreitung des Wuhan-Virus  (AFP / Hong Yoon-gi)
In China breitet sich die neue Lungenkrankheit aus, auch aus anderen Ländern wurden Fälle gemeldet (AFP / Hong Yoon-gi)
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In China breitet sich ein neues Virus aus. Wuhan und benachbarte Städte sind abgeriegelt. An internationalen Flughäfen wird Fieber gemessen. Und Deutschland? Es gibt Schlagzeilen, aber ansonsten keine Anzeichen von Panik. Und das ist gut so. Neue Viren sind Alltag. SARS, MERS, Zika, Chikungunya, West, Nil, Nipah, Hendra. Ganz klar, diese Liste wird sich in Zukunft verlängern.

Konzeptionelle Darstellung einer Virusinfektion der Lunge mit einem Mers Coronavirus  (imago / Science Photo Library) (imago / Science Photo Library)Wie gefährlich ist das neuartige Corona-Virus?
An einer bislang unbekannten Lungenkrankheit sind in China inzwischen mehrere Hundert Menschen erkrankt, mehrere Städte wurden abgeriegelt. Auslöser ist wohl ein neues Virus aus der Gruppe der Corona-Viren. Es ähnelt dem Sars-Virus, ist aber weit weniger aggressiv.

Das ist ganz natürlich. Menschen sind aus Sicht der Viren schlicht und einfach nützliche Wirte. Und wir geben auch noch bereitwillig Hilfestellung. Siedlungen rücken vor in unberührte Natur, gleichzeitig stört der Klimawandel die Ökosysteme. Fledermäuse, Mücken und andere Tiere kommen mit immer mehr Menschen in Kontakt - und damit eben auch ihre Viren. Schwache Gesundheitssysteme erleichtern denen eine erste Ausbreitung. Flugzeuge und Container bieten Mitfahrgelegenheiten rund um den Globus.

Keine globale Bedrohung wie AIDS

Klar ist, das Wuhan-Virus ist eng mit SARS verwandt. 2003 infizierte dieses Virus über 8.000 Menschen, 800 davon starben. Das ist tragisch in jedem Einzelfall. Aber es zeigt auch, dass sich ein solches Virus erfolgreich eindämmen lässt. Schon 2004 spielte SARS keine Rolle mehr. Dabei waren ganz einfache Methoden entscheidend: Infizierte erkennen und isolieren. Kontaktpersonen untersuchen und generell auf eine gute Hygiene achten.

Dank moderner Biotechnologie lassen sich heute auch schneller Medikamente und Impfstoffe entwickeln - und inzwischen auch finanzieren. Nicht über den Markt, aber über internationale Programme. Problematisch werden Ausbrüche, wenn vor Ort kein funktionierendes Gesundheitssystem vorhanden ist oder Konflikte das Eingreifen erschweren - siehe Ebola in Westafrika und jetzt in Kivu.

Es gab in jüngster Zeit nur ein neues Virus, das tatsächlich zur globalen Bedrohung wurde: HIV. Ein entscheidender Faktor: der Erreger wurde als Problem der "Anderen" betrachtet, der Homosexuellen, der Drogennutzer, der Sexarbeiter. Also wurde erst diskriminiert statt zu helfen. Für das Virus die Gelegenheit sich zu etablieren. 2018 starben 770.000 Menschen an AIDS.

Positive Lernkurve beim Umgang mit Wuhan-Virus

Das Wuhan-Virus ist der nächste neue Erreger, es werden weitere kommen. Das ist unvermeidlich. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie geht man damit um? Hier gibt es Fortschritte. Über SARS wollte China lieber gar nicht reden. Ganz anders heute. Der Ausbruch wurde schnell entdeckt, das Virus bestimmt, Nachbarländer und die Weltgesundheitsorganisation informiert. International kennen sich die Virologen, vertrauen einander. Chinesische Experten teilten sofort die ersten Virusgenomdaten. So konnten ihre Kollegen in Berlin einen ersten Test entwickeln.

Es gibt also eine positive Lernkurve im Umgang mit neuen Viren. Aber eines sollte nicht vergessen werden: Unterm Strich sind die alten, längst bekannten Erreger viel tödlicher. Sie hatten schließlich Zeit, sich an ihren Wirt anzupassen. Jedes Jahr sterben 1,5 Millionen Menschen an der Tuberkulose, einer behandelbaren Krankheit. Die Grippewelle 2017/18 hat in Deutschland 25.000 Menschen das Leben gekostet.

Also, das Wuhan-Virus ist kein Grund zur Panik. Wohl aber Grund genau hinzusehen, schnell zu reagieren und zu forschen, um beim nächsten neuen Erreger noch etwas besser vorbereitet zu sein. Ganz generell ist der Zugang zu Gesundheitsleistungen für jeden, überall auf der Welt entscheidend. Hier investiertes Geld ist gut angelegt. Das ist die gesellschaftliche Aufgabe. Aber auch jeder einzelne kann sich und seine Nächsten schützen, und zwar ganz einfach. Gründliches Händewaschen und Kondome sind die effektivste Hürde für die alten wie für die neuen Erreger.

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