Mittwoch, 16.10.2019
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteForschung aktuellGefahr für Europas Umwelt24.05.2005

Gefahr für Europas Umwelt

Klimawandel bedroht zahlreiche europäische Pflanzen und Tiere

<strong>Umwelt. - In der vergangenen Woche präsentierte die internationale Umweltorganisation Millennium Ecosystem Assessment (MEA) ihren aktuellen Bericht zur weltweiten Artenvielfalt. Das Papier prognostiziert ein klimabedingtes Massensterben bei europäischen Pflanzen und Tieren.</strong>

Europas Bäumen geht es an die Borke. (AP)
Europas Bäumen geht es an die Borke. (AP)

Schon heute ist schlecht bestellt um die wild lebenden Tiere und Pflanzen, resümiert der "Biodiversity Synthesis Report", den die internationale Umweltorganisation Millennium Ecosystem Assessment (MEA) unter anderem im Auftrag der Vereinten Nationen erstellte und in der vergangenen Woche der Öffentlichkeit präsentierte. So konstatiert das Papier einen Rückgang des weltweiten Fischbestandes seit Beginn des industriellen Fischfangs. Überdies sei ein Drittel aller Amphibien sowie ein Fünftel der Säugetiere durch die Folgen menschlichen Handelns bedroht. Einen Fokus legt die Untersuchung dabei auch auf den Wandel des weltweiten Klimas und seine Auswirkung auf die Umwelt. So wird - bilanzieren die Wissenschaftler - auch an Europa der bittere Kelch des Artensterbens keineswegs vorüber gehen.

In Mitleidenschaft gezogen würde dabei vor allem die Pflanzenwelt der europäischen Gebirge, resümieren Sandra Lavorel von der Universität Grenoble und ihre Kollegen, die an der Erstellung der MEA-Studie beteiligt waren. Besonders schwer träfe es Hochlagen im Süden des Kontinents, denn die alpinen Pflanzen sind auf kühle Verhältnisse angewiesen. Die Klimaberechnungen räumen solchen Bedingungen in der Zukunft kaum mehr Chancen ein. Für insgesamt rund 1350 Pflanzen - überwiegend Baumarten - simulierten die Umweltforscher die Entwicklung für die kommenden 80 Jahre. Außerdem wurden dabei unterschiedliche Szenarien der Klimaentwicklung berücksichtigt, abhängig davon, welche sozialen, ökonomischen und energiepolitischen Entscheidungen die Politik treffen könnte und damit die globale Erwärmung in eine andere Richtung lenkte. Wärmer werde es in jedem Fall, dennoch zeigten die Modelle für verschiedene Regionen Europas ganz unterschiedliche Verschiebungen des Klimas, berichtet Lavorel:

"Im Durchschnitt erwarten wir zwischen 1,8 und 3,6 Grad Celsius Erwärmung, verglichen mit den heutigen Temperaturen. Gegenden, in denen sich das Klima besonders deutlich verändern wird, könnten zum Beispiel die borealen Zone - also die Waldgebiete in Nordeuropa - sowie die Mittelmeerregion sein. Für die gemäßigten Zonen sind die Prognosen der verschiedenen Modelle weniger einheitlich und zeigen einen unterschiedlich starken Anstieg der Temperaturen."

Anhand bekannter Temperaturoptima und Toleranzbereiche der einzelnen Arten orakelten die Umweltauguren, wie die Pflanzen vermutlich auf den Klimawechsel reagieren würden. Demnach würde die Artenvielfalt im Hochgebirge wahrscheinlich deutlich reduziert. Weniger hart träfe es indes Nordeuropa:

"In der borealen Zone wird sich die Anzahl der Arten wahrscheinlich nur geringfügig ändern. Zwar werden viele kälteliebende Arten aussterben, aber vermutlich wandern andererseits mit der Erwärmung auch viele neue Arten aus Mitteleuropa in die boreale Zone ein."

Ein weiterer wichtiger Faktor im zukünftigen Klimageschehen ist neben den Temperaturen auch der Niederschlag. Allerdings, unterstreicht die französische Wissenschaftlerin, spielten dabei zahlreiche Parameter mit und erschwerten eine Vorhersage der Niederschlagsentwicklung. Daraus erkläre sich, dass die Studie große Unterschiede bei den Niederschlägen aufweise. Dennoch sei ein Trend deutlich erkennbar: Südeuropa werde wahrscheinlich deutlich trockener sein als heute.

"Die Mittelmeerregion ist besonders interessant, weil wir dort vermutlich eine Kombination von Veränderungen in Temperatur und Niederschlag sehen werden. Das könnte die Lebensbedingungen der meisten Pflanzen gravierend verändern. Wenn es gleichzeitig wärmer und trockener wird, bedeutet das für die Pflanzen doppelten Stress."

Die Bilanz der MEA-Studie "Biodiversity synthesis report" fällt insgesamt pessimistisch aus: Im Jahr 2080 dürfte wahrscheinlich die Hälfte aller Pflanzenarten Europas als bedroht eingestuft sein.

[Quelle: Monika Seynsche]

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk