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StartseiteForschung aktuellSelektionsnetz soll Beifang reduzieren19.02.2015

Gefahr für JungfischeSelektionsnetz soll Beifang reduzieren

In Fischernetzen sind oft Fische, die eigentlich gar nicht gefangen werden sollten. Dieser "Beifang" schadet dem Ökosystem Meer, denn besonders häufig sind Jungfische betroffen. Ein sogenanntes "Mehrarten-Selektionsnetz" soll den Beifang deutlich reduzieren.

Von Michael Engel

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Fischerei - Auch Geisternetze gehen auf Fischfang
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 19.06.2014)
 

Wenn Fischer ihre Netze an Bord holen, dann ist fast immer sehr viel Beifang mit dabei, den sie eigentlich gar nicht haben wollen. Das ist schmerzlich für das Ökosystem Meer, denn besonders häufig sind Jungfische betroffen, obwohl die Netze über große Maschen verfügen. Da kommt ein sogenanntes "Mehrarten-Selektionsnetz" wie gerufen, das den Beifang deutlich reduzieren kann. Michael Engel mit Einzelheiten.

Ein Fischkutter auf der Ostsee. Beim Dorschfang. Kleiner als 12 Zentimeter dürfen die Maschen im Fangnetz nicht sein, damit noch die Jungfische entkommen können. Jedoch, die Schollen machen häufig einen Strich durch die Rechnung, denn sie passen in aller Regel nicht hindurch. Die Teller großen Plattfische kleiden das Fangnetz von innen binnen kürzester Zeit wie eine Tapete aus. Deswegen bleiben nun auch die kleinen Dorsche hängen. Unerwünschter Beifang kann bis zu 80 Prozent ausmachen.

Dr. Daniel Stepputtis öffnet einen Lagercontainer und holt ein sechs Meter langes Fischernetz heraus. 

"Also, wir sehen hier vor uns einen Teil eines Netzes liegen. Und zwar ein Mittelstück von einem Schleppnetz - ein Grundschleppnetz."

Hier, im Rostocker Hafen, entwickelte er mit seinem Team vom "Thünen Institut für Ostseefischerei" ein weltweit einzigartiges Netz, das den Fischfang revolutionieren könnte. Es minimiert den unerwünschten Beifang."

"Auf der einen Seite kommt der große Trichter - Vorgeschirr nennen wir das. Hinten kommt der Steert, der Netzbeutel, ran. Und das, was vor uns liegt, ist grünes Netzmaterial."

Das grüne Netzmaterial bildet den Mittelteil des insgesamt 30 Meter langen Netzes. Es handelt sich um einen sechs Meter langen Schlauch. Noch bevor die Fische in den hinteren Netzbeutel geraten, werden die Schollen hier - quasi artspezifisch - abgetrennt und in die Freiheit entlassen. Möglich macht das ein Gitterrost, der im mittleren Netzabschnitt eingewoben wurde.

"Der Durchmesser ist hier ungefähr ein Meter. Und an der Seite von diesem runden Netztunnel, Netzschlauch, sind zwei Gitter angebracht, die aus Metall gemacht sind. Die Gitter haben eine Länge von 50 Zentimeter. Und die Abstände der Gitterstäbe sind 50 Millimeter."

Wie zwei überdimensionierte Grillroste hängen die beiden Gitter seitlich im Netztunnel. Ihre Stäbe verlaufen dabei horizontal, damit die waagerecht schwimmenden Schollen rechtzeitig zur Seite aus dem Netz entweichen können. In der Regel entkommen immer auch ein paar kleine Dorsche. Doch die haben hinten, im großmaschigen Netzbeutel, noch eine zweite Chance, weil die Schollen das hintere Netz nun nicht mehr verstopfen. Versuche auf der Ostsee haben gezeigt: Es funktioniert tatsächlich.

"Wir haben es geschafft, die Fänge von Plattfischen, um über 60 Prozent zu reduzieren. Das ist ein tolles Ergebnis, ein großer Schritt vorwärts. Wir haben auch den Fang kleiner untermassiger Dorsche um 25 Prozent reduziert."

Leider schlüpfen aber auch ein paar dicke Fische durch die Maschen. Rund sieben Prozent verwertbarer Dorsch gehen verloren. Deshalb wird noch weiter gefeilt, um "Freswind" - so der Name des Netzes - zu optimieren. Auch für die Krabbenfischer der Nordsee gibt

es schon eine Lösung. Das für Krabben sehr engmaschige Netz hat oben sogenannte "Fluchtfenster". Leinen mit Auftriebskörpern flattern in diesen Öffnungen und weisen den Dorschen den Weg aus dem Netz heraus. Zurück bleiben - wie gewünscht - nur kleine Krabben. Forscher nennen das neue Fangprinzip "Mehrarten-Selektion": Wenn sich Fische in Größe, Form oder auch nur im Verhalten voneinander unterscheiden, sei es möglich, maßgeschneiderte Netze zu entwickeln, die keinen unerwünschten Beifang mehr anlanden, sagen die Wissenschaftler.

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