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StartseiteForschung aktuellNeue Theorie für die Entstehung des Pazifiks01.08.2016

Geheimnisvoller Ozean Neue Theorie für die Entstehung des Pazifiks

Der Pazifik ist der größte Ozean der Erde und gleichzeitig äußerst rätselhaft. Denn seine Entstehungsgeschichte scheint sich von der aller anderen Meere zu unterscheiden. Und so zerbrechen sich die Geologen seit Jahrzehnten den Kopf darüber, was passiert sein könnte. In der aktuellen Ausgabe von "Science advances" schlagen niederländische Forscher eine neue, ungewöhnliche Lösung vor.

Von Dagmar Röhrlich

Eine Mann steht am Pazifikstrand von Carmel in Kalifornien. (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini )
Der Pazifik in Kalifornien (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini )
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Der Pazifik ist ein ganz besonderes Meer. Er ist der größte und tiefste Ozean der Erde - und der mit Abstand älteste: Wo er ist, war sozusagen schon immer Meer, so Lydian Boschman von der Universität Utrecht.:

"Der Pazifik ist ein sehr seltsames System. Alle anderen Meere öffnen und schließen sich im Lauf der Erdgeschichte. Der Pazifik hingegen ist schon ungeheuer lange stabil und beteiligt sich seit 750 Millionen Jahren nicht an diesem Zyklus, spielt nicht mit, er ist ein anderes System."

Normalerweise entstehen Meere, weil die Plattentektonik an langgestreckten Brüchen einen Kontinent auseinander gerissen hat. Danach bildet sich neuer Meeresboden, wenn Magma an langgestreckten Spreizungszonen aufsteigt - den sogenannten mittelozeanischen Rücken. Dieses Magma erstarrt in der Lücke und schiebt dabei das ältere Gestein zur Seite. Dieses zur Seite geschobene Gestein "wandert" dabei immer weiter weg von seinem Entstehungsort. Der lässt sich jedoch rekonstruieren:

"Jede ozeanische Platte hat ein charakteristisches Muster aus unterschiedlich magnetisierten Streifen. Die entstehen, weil sich die magnetischen Minerale im Magma beim Abkühlen nach dem herrschenden Erdmagnetfeld ausrichten und so erstarren."

So fand man heraus, dass einige der ältesten Teile des Atlantiks als "Band" vor Nordamerika liegen. Als andere Geologen den Ursprung des Pazifiks rekonstruierten, erlebten sie eine Überraschung:

"Die Pazifische Meereskrustenplatte entstand anders: Sie entwickelte sich aus einem Punkt heraus. Genauer gesagt begann alles mit einem sehr kleinen Dreieck. Das macht die Geburt der Pazifischen Platte so rätselhaft und deswegen haben wir uns damit beschäftigt."

Die Pazifische Meereskrustenplatte wuchs also nicht - wie sonst üblich - entlang eines mittelozeanischen Rückens, sondern sie entwickelte sich aus einem Tripelpunkt heraus. Dazu, wie das funktionieren sollte, gab es eine Theorie: Nach der sollten in diesem Tripelpunkt drei dieser Rücken aufeinander getroffen sein. Das Problem:

"Was dabei passiert, lässt sich an einem Beispiel im Südatlantik beobachten, wo drei mittelozeanische Rücken in einem solchen Tripelpunkt zusammentreffen. Die drei produzieren zwar seit mehr als 100 Millionen Jahren Meereskruste und die Platten wachsen auch: Aber es entsteht keine neue tektonische Platte. Es ist einfach eine stabile Situation."

Damit sich etwas Neues bilden könne, müsse die plattentektonische Konfiguration instabil sein, Veränderungen erlauben, erklärt Lydian Boschman. Und so ließen die Utrechter Forscher die Computer-Simulationen über Simulationen rechnen, wie denn eine solche instabile Konfiguration aussehen könnte. Das Ergebnis:

"Damit die pazifische Krustenplatte entstehen konnte, sind in diesem Tripelpunkt nicht drei mittelozeanische Rücken aufeinander getroffen. Es waren vielmehr drei sogenannte Transformstörungen, also tektonische Störungen nach Art der San-Andreas-Verwerfung. An der bewegen sich die Platten seitwärts aneinander vorbei. Treffen drei solcher Störungen aufeinander, ist die Konfiguration instabil: Durch die Bewegungen öffnet sich in der Mitte ein dreieckiges "Loch" - und aus diesem Loch entstand die pazifische Platte."

Das wäre ein einmaliger Entstehungsprozess, jedenfalls für die derzeitigen Meere. Damit diese instabile Situation entstehen konnte, bedurfte es eines tektonischen Zufalls, einer sehr seltenen Konstellation, erklärt Lydian Boschman.

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