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StartseiteVerbrauchertippNicht immer hilfreich04.03.2019

Gehhilfen im TestNicht immer hilfreich

Zu schwer, schlecht kippbar, zu wackelig: Im aktuellen Vergleich der Stiftung Warentest schneiden Standard-Rollatoren schlecht ab. Bessere Noten erhalten sogenannte Leichtgewicht-Rollatoren, die ihren Nutzern mehr Mobilität verleihen. Wer die jedoch nutzen möchte, sollte vorab mit seinem Arzt sprechen.

Von Dieter Nürnberger

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Eine alte Frau schiebt in Berlin einen Rollator. (pa/dpa/Pedersen)
Krankenkassen übernehmen oft nur die Kosten für Standard-Rollatoren. Und die nutzen den Betroffenen oft nur wenig bei der Fortbewegung. (pa/dpa/Pedersen)
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Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Standard-Rollatoren, die in der Regel von den Kassen bewilligt werden, sind meist keine große Hilfe für Patienten oder ältere Menschen. Denn diese Gehhilfen sind oft recht schwer und nicht einfach zu handhaben. Für die Stiftung Warentest beurteilten diesmal nicht nur Experten die Modelle, sondern auch Senioren, die mit den Rollatoren täglich unterwegs sind, unterwegs sein müssen, sagt Renate Ehrnsperger:

"Hier war vor allem die Handhabung schlecht. Das hatte damit zu tun, dass sie sich halt schwer falten ließen. Und auch von allein nicht stehen konnten. Sie waren ebenso für Bordsteine nicht zu gebrauchen. Man muss sie darüber heben, weil ihnen die Ankipphilfe fehlt. Und sie waren draußen auf unebenen Wegen auch kaum zu gebrauchen."

Es gibt leichtere Alternativen

Keiner der vier geprüften Standard-Rollatoren aus Stahl kam über die Bewertung "ausreichend" hinaus. Das heißt, es gibt bessere Alternativen - vor allem Leichtgewicht-Rollatoren aus Aluminium oder Karbon. Nur weiß Warentesterin Renate Ehrnsperger aus Gesprächen mit Senioren, dass diese komfortableren Gehhilfen nur in Einzelfällen von den Kassen bewilligt werden.

"Als Bedingung wurde oft genannt, dass für einen Leichtgewicht-Rollator der Arzt auf dem Rezept unbedingt eine medizinische Indikation aufschreiben muss - dass der Patient einen leichteren Rollator braucht. Und wenn es diese Indikation nicht gibt, dann erhält der Patient in der Regel einen Standard-Rollator."

Die Leichtgewicht-Rollatoren sind in der Regel sogenannte Längsfalter. Nutzer müssen hier lediglich an einer Schlaufe am Sitz ziehen und schon klappen die Gehhilfen zusammen. Bei den Standard-Rollatoren, den sogenannten Querfaltern, bestehe hingegen sogar das Risiko, sich beim Zusammenklappen die Finger zu klemmen.

Nur geringer Kassenanteil

Generell gilt: Für einen Rollator beträgt der Kassenanteil 60 Euro. Wählen Patienten ein teureres Modell müssen sie die Differenz zwischen diesem Zuschuss und dem Endpreis aus eigener Tasche begleichen. Die meisten Leichtgewicht-Rollatoren schnitten bei den Warentestern zumindest "befriedigend" ab. Die günstigsten sind ab rund 200 Euro zu haben. Gut bewertet wurden lediglich zwei Gehhilfen auf Rädern. Renate Ehrnsperger:

"Die beiden Testsieger sind der 'Vital Carbon' von 'Russka'. Der kostet 535 Euro. Und der 'Topro Troja 2G Premium' kostet immerhin auch 410 Euro."

Vor der Nutzung mit dem Arzt sprechen

Wer einen Leichtgewicht-Rollator nutzen möchte, sollte zuerst mit seinem Arzt sprechen. Denn je genauer die jeweiligen Einschränkungen des Patienten erkannt werden, desto besser kann ein geeigneter Rollator vom Arzt begründet und verschrieben werden. Dass am Ende aber der Patient einen ganz bestimmten und gewünschten Leichtgewicht-Rollator auch erhält, ist leider wenig wahrscheinlich, so die Stiftung Warentest.  

"So einfach ist es nicht: Außer ich zahle den Rollator selber. Wenn ich aber den Zuschuss von der Krankenkasse haben will, muss ich zum Arzt gehen, mir ein Rezept ausstellen lassen und der Arzt schreibt dann vielleicht auf, dass ich einen Leichtgewicht-Rollator brauche. Dass ist dann in der Regel nicht der Wunsch-Rollator, sondern das ist praktisch dieses Modell, was die Kassen einfach als Standard-Rollator oder auch als Leichtgewicht-Rollator bewilligen."

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