Dienstag, 18.12.2018
 
Seit 18:40 Uhr Hintergrund
StartseiteKalenderblattGekleckste Kunst28.01.2012

Gekleckste Kunst

Vor 100 Jahren wurde der Maler Jackson Pollock geboren

Er war der erste Starkünstler überhaupt: Spätestens Ende der 40er-Jahre machte Jackson Pollock mit seinen riesigen "Action Paintings" von sich reden. Von der US-Regierung in der Nachkriegszeit als Exportschlager instrumentalisiert, festigte sich der Mythos Pollock mit seinem frühen Tod 1956.

Von Carsten Probst

Jackson Pollock vor seinem Werk "Self portrait" (picture alliance / dpa / UPI)
Jackson Pollock vor seinem Werk "Self portrait" (picture alliance / dpa / UPI)

Er war der Junge aus dem Westen, geboren am 28. Januar 1912 in der Kleinstadt Cody in Wyoming.

"Hab' mich ein bisschen in Kalifornien umgesehen, ein bisschen in Arizona. In Europa war ich nie."

Mit Stolz verwies Jackson Pollock stets auf seine Herkunft aus der Provinz, auch als er schon ein berühmter Maler war. Seine revolutionäre Maltechnik, das Drip Painting, mit der er die Kunst der Nachkriegszeit so sehr prägte, leitete er von den Traditionen der indianischen Sandmalerei seiner Heimat ab.

"Ich arbeite nicht mit Vorzeichnungen oder Farbstudien. Meine Malerei ist direkt. Normalerweise arbeite ich auf dem Boden. Ich liebe es, auf einer großen Leinwand zu arbeiten. Ich fühle mich wohler, mehr zuhause auf einem großen Gelände. Mit der Leinwand auf dem Boden fühle ich mich ihr näher, mehr als ein Teil der Malerei. Auf diese Weise kann ich sie bei der Arbeit umkreisen, von allen vier Seiten arbeiten und 'in' der Malerei sein - ganz ähnlich, wie die indianischen Sandmaler des Westens."

Bei seinen oft großformatigen Drip Paintings ließ Pollock die Farbe auf die Leinwand tropfen, ohne dass das Malwerkzeug diese überhaupt noch berührte. Es kam vor, dass er die auf dem Boden liegende Leinwand betrat, dass sich der ganze malerische Prozess in eine Art Tanz, in Bewegung und in Aktion verwandelte, in ein Action Painting, mit dem Pollock verwirrend schöne, abstrakte Bilder schuf, die keine konkrete Aussage mehr hatten und die zugleich alle modernen Vorstellungen vom Kunstschaffen in den Schatten stellten. Allen Kritikern, die seine Malerei als bloßes Gekleckse, als reines Zufallsprodukt eines Schmierfinks bezeichneten, hielt Pollock entgegen:

"Ich kann den Fluss der Farbe kontrollieren. Es gibt keinen Zufall darin. Das heißt, es gibt keinen Anfang und kein Ende. Manchmal verliere ich eine Malerei. Aber ich fürchte mich nicht vor Veränderungen oder davor, ein Bild zu zerstören. Denn die Malerei hat ein eigenes Leben, und ich versuche, sie leben zu lassen.”"

Sein wachsender Einfluss, der überwältigende Freigeist, den seine abstrakt-expressive Malerei verströmt, machte Pollock Ende der 40er-Jahre zum ersten Starkünstler überhaupt. Aber nicht nur durch seine Malerei. Im Hintergrund wirkte die Politik des Kalten Krieges. Pollock wurde Anfang der 50er-Jahre zu einem kulturellen Exportartikel des freien Westens, wie der Kunsthistoriker Uwe M. Schneede konstatiert:

""In dieser Situation nun, als die Amerikaner ein ganz großes Interesse daran hatten, in Europa mit einer westlichen Kultur aufzutreten, die gegen allen östlichen Dogmatismus gerichtet war, hat man diese so ganz inhaltlich offene Kunst außerordentlich gern benutzt - weil man damit die Freiheit des Geistes, wie sie sich angeblich in der Abstraktion verkörperte, manifestieren wollte."

Ohne es selbst zu wollen, ja ohne es selbst zu bemerken, war Jackson Pollock auf dem Höhepunkt seines Ruhms zu einem Instrument US-amerikanischer Nachkriegspolitik geworden. Die nachfolgende Künstlergeneration um Jasper Johns, Robert Rauschenberg und Andy Warhol wandte sich mit der Pop Art radikal von Pollocks Gedanken des erhabenen künstlerischen Schöpfungsaktes ab. Sie betonten nun die profane Welt des Alltäglichen, von der Pollock nie etwas hatte wissen wollen. Mit seinem frühen Tod aber festigte Pollock unfreiwillig noch den Mythos des männlichen amerikanischen Künstlerhelden. Als er im August 1956, mit 44 Jahren, in seinem Sportwagen tödlich verunglückte, ein Jahr nach James Dean, hat sich der Rang des Legendären, ja Märtyrerhaften, auch auf sein Werk übertragen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk