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StartseiteKultur heuteDie Filmbranche ruft nach mehr Geld09.09.2015

Gekürzter FilmförderfondsDie Filmbranche ruft nach mehr Geld

Große Einigkeit beim Treffen in Berlin: Die Filmbranche will sich mit den Kürzungen beim Deutschen Filmförderfonds im vergangenen Jahr nicht abfinden. Die Euro-Millionen werden zum Beispiel dazu benötigt, große US-Produktionen in die Babelsberger Studios zu locken.

Von Vanja Budde

Eine Filmklappe, fotografiert am 03.06.2015 vor dem Eingang der Filmstudios in Potsdam Babelsberg. Die amerikanische Fernsehserie "Homeland" bekommt für die jetzt begonnenen Dreharbeiten in Berlin und Brandenburg eine Million Euro öffentliche Förderung. (picture-alliance / dpa / Ralf Hirschberger)
Eine Filmklappe, fotografiert vor dem Eingang der Filmstudios in Potsdam Babelsberg (picture-alliance / dpa / Ralf Hirschberger)
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Die Branche ist sich auf das Schönste einig: Mehr Geld muss her. Der Deutsche Filmförderfonds müsse wieder aufgestockt werden, damit Deutschland als Standort für große Kinofilme konkurrenzfähig bleibe. Meint Stefan Arndt, Produzent und Geschäftsführer von X Filme:

"Hinter der Kamera braucht man vieles gutes, extrem tolles Personal, was wir in Deutschland haben, weswegen diese ganzen Amerikaner zu uns kommen. Wir haben es geschafft, es dahin zu treiben. Und was passiert genau in diesem Moment, als wir das erreicht haben? Dann wird diese lächerliche DFFF 70 Millionen gesenkt auf 50. In derselben Woche hat England den Deckel weggenommen. Die haben einfach gesagt: Ach, wir reden gar nicht über 100 oder 200 Millionen, ich glaube 250 war da vorher die Grenze. Wir geben ohne Ende."

"Homeland" als Werbung für die Filmstadt Berlin

Diesem Beispiel solle Deutschland doch bitte folgen, mahnte der Schauspieler Sebastian Koch. Er hat eine Rolle in der neuen Staffel der preisgekrönten US-Serie "Homeland" ergattert. Der CIA-Thriller spielt neuerdings in Berlin, wurde im Studio Babelsberg vor den Toren der Hauptstadt gedreht. Ein kurzer Trailer zeigte den Teilnehmern die vielgefilmte Stadt in schnellen Schnitten und kühlem Licht. Schade nur, dass nicht ein Ausschnitt aus einer neuen, bahnbrechenden deutschen Serie gezeigt werden konnte.

Doch Sebastian Koch rühmte die US-Produktion "Homeland" als Beispiel für gelungene heimische Förderpolitik:

"Ich meine, noch mal hier auf den Trailer zurückzukommen: Das ist eine unglaublich tolle Werbung für Berlin. Ich habe gehört, dass die eine Million Förderung gekriegt haben. Ich kenne mich nicht so gut aus mit den Summen. Dafür, was das für einen Impact hat und was für einen Effekt, was da zurückkommt, erscheint mir das relativ wenig."

Subventionen als "Eintrittsgeld" für US-Blockbuster

Vielleicht. Doch man könnte sich fragen, ob ausgerechnet US-Blockbuster mit Hilfe deutscher Steuergelder entstehen müssen. Ist das Fördersystem doch in den 60er-Jahren ursprünglich entstanden, um innovative, nicht kommerzielle Filmkunst voran zu bringen.

Die Zeiten haben sich geändert, meinte Carl Woebcken, Vorstandsvorsitzender der Studio Babelsberg AG:

"Und wir müssen uns in der Regierung die Entscheidung treffen, ob wir in dieser Industrie- und Kulturnation große internationale Filme physisch in der Lage sein wollen zu produzieren oder nicht. Wenn man die Frage mit Ja beantwortet, muss man auf Augenhöhe gehen. Denn dieses Rabattsystem, das sich in dem Wettbewerbswettlauf, Förderwettlauf in den letzten 20 Jahren eingebürgert hat, der ist eine Grundvoraussetzung, das ist das Eintrittsticket, damit die Filme überhaupt kommen. Und wenn man das nicht hat, dann sieht es wirklich sehr schlecht aus."

Dass das Studio Babelsberg die großen internationalen Kinofilme braucht, um seine Maschinerie mit 100 Angestellten auszulasten, ist das eine. Doch auch der deutsche Film brauche konstante Unterstützung in Millionenhöhe, argumentierte Kirsten Niehuus, Geschäftsführerin des Medienboard Berlin-Brandenburg. Allein schon, weil deutsche Produktionen zwar durchaus erfolgreich auf Festivals laufen, sich wegen der Sprachbarriere auf dem Weltmarkt aber schwer tun:

"Deshalb brauchen wir Filmförderung, nicht nur auf regionaler Ebene. Berlin und Brandenburg – Bayern hat, glaube ich, letztes Jahr die Förderung ein bisschen aufgestockt –, haben das erkannt und gehandelt. Aber das geht nur im Zusammenspiel mit dem Bund. Alleine schaffen wir das nicht. Das gilt für Film und für frei finanziertes, also nicht ARD- und ZDF-finanziertes Fernsehen. Dafür brauchen wir Fördermittel."

Für "Fack ju Göthe 2" in den Steuertopf gegriffen

Doch warum können Kassenschlager wie "Fuck ju Göthe" mit sieben Millionen Kino-Zuschauern für den obligatorischen zweiten Teil noch einmal in die Steuertöpfe greifen, während die Macher anspruchsvoller Arthouse-Filme mühsam bei den Fernsehanstalten Klinken putzen müssen? Wo sind denn um 20 Uhr 15 die mutigen neuen Genre-Streifen oder Serien, die mit Sehgewohnheiten brechen und die Kunstform Film weiter entwickeln? Solche Fragen wurden an diesem Abend, an dem es ums Geld ging, nur ganz am Rande gestellt. Am ehesten noch von Iris Berben, der Präsidentin der Deutschen Filmakademie:

"Im nächsten Jahr muss ein modernes zukunftsfähiges Filmförderungsgesetz verabschiedet werden, das wirklich größte Herausforderungen zu bewältigen hat. Es geht um die scheinbar unmögliche, aber unverzichtbare Balance zwischen technologischer Überwältigung, kultureller Befriedigung, wirtschaftlicher Bestätigung und politischer Verständigung. Es geht um die Zukunft des Kinos, um die Zukunft des Erzählens, das gerade auf der Suche nach vielfältigen Formen ist."

Auch auf der Suche nach vielfältigen Nutzungsformen. Das Internet war an diesem Abend ebenfalls kein Thema. Doch immer mehr Menschen leihen sich Filme in Form von Bits und Bites bei Plattformen wie iTunes, Amazon oder Netflix aus. Eine große Herausforderung, auf die das Filmfördergesetz reagieren muss. Die Novellierung im kommenden Jahr wäre dazu eine Gelegenheit.

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