Freitag, 26.04.2019
 
Seit 00:05 Uhr Fazit
StartseiteKommentare und Themen der WocheParis: Fest oder Festung?18.03.2019

Gelbwesten-ProtestParis: Fest oder Festung?

Wieder mal liegt ein Wochenende der Gewalt und Randale hinter Paris. Bei Protesten sogenannter Gelbwesten sind eine Bank in Brand gesetzt und mehrere Geschäfte geplündert worden. So kann es nicht weitergehen, meint Barbara Kostolnik in ihrem Kommentar.

Von Barbara Kostolnik

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Anhänger der sogenannten Gelbwesten-Bewegung liefern sich in Paris erneut Auseinandersetzungen mit der Polizei. (AFP / Geoffroy van der Hasselt )
Gelbwesten-Proteste: erneut Ausschreitungen in Paris (AFP / Geoffroy van der Hasselt )
Mehr zum Thema

Nach den Gelbwesten-Protesten Gute Bilanz für Macrons "Große nationale Debatte"

Gelbwesten und Antisemitismus Gewalt und Hetze haben System

Gelbwesten in Frankreich Klassenkämpfer und Wutbürger

Paris ist ein Fest. Schrieb Ernest Hemingway. Nur nutzen leider auch Chaoten und Randalierer die Stadt als Bühne, um ihren Systemveränderungsphantasien freien Lauf zu lassen.

Seit exakt vier Monaten kommen jeden Samstag tausende Menschen aus der Provinz in die Hauptstadt, um sie das Fürchten zu lehren. Ihre Anliegen haben sich dabei grundlegend gewandelt: haben die ersten Gelben Westen noch den Weg nach Paris auf sich genommen, um auf sich, auf ihre bloße Existenz, aufmerksam zu machen, die Proteste der Kreisverkehre in das Herz Frankreichs zu tragen, hat sich die Bewegung im Laufe der Wochen deutlich verändert, sie hat sich radikalisiert.

Macron muss Lösungen liefern

Natürlich geht es immer noch um die Kaufkraft, um Bürgerbeteiligung, die Probleme des ländlichen Raums, die Verödung der Provinz, konkret um geschlossene Schulen und Geburtsstationen. Doch diese Probleme konnten die Französinnen und Franzosen im Grand Débat National ansprechen – und sie haben es zigtausendfach getan. Was nun mit diesen Problemen passiert, ist Sache der Regierung, die muss Lösungen finden, nicht für jedes, aber für jedes grundlegende Problem. Der Grand Débat hat denjenigen eine Stimme gegeben, die sich in der politischen Landschaft in Frankreich über Jahre hinweg nicht gehört fühlten, die sich ignoriert fühlten, er hat ihnen Möglichkeit, Plattform, Bühne gegeben.

Nur interessiert diejenigen Gelben Westen, die trotz dieser Angebote nach wie vor Samstag für Samstag nach Paris reisen, diese Bühne kein bisschen. Sie verweigern sich dem Dialog, den sie kategorisch als Vernebelungstaktik, Zeitschinden oder schlicht als illegitim abtun, weil sie es sich in ihren Filterbubbles bequem gemacht haben und weil sie es genießen, dass sie die Regierung vor sich her treiben können. Indem sie sich zu Komplizen der Randalierer und Chaoten machen, die nur auf eine Gelegenheit warten, im Zuge der Samstags-Demonstrationen ihr Zerstörungs-Werk durchzuführen.

Die meisten Gelben Westen verurteilen die Gewalt, aber sie stoppen sie auch nicht. Sie nehmen Samstag für Samstag in Kauf, dass Eigentum kaputtgeschlagen, dass eine Stadt lahmgelegt wird, dass Menschen verletzt werden. Macht kaputt was euch kaputtmacht ist ihr Schlagwort, es gilt jedoch nur, solange "das" nicht ihnen gehört. Es ist die absurde Ideologie von Menschen, die ein System zerstören wollen, das ihnen alle Freiheit bietet, es zerstören zu können.

Einsehen, wenn es zu spät ist

Traurigerweise werden sie erst einsehen, dass dieses System so schlecht nicht war, wenn es zu spät ist und sie sich in einer Diktatur wiederfinden, die ihnen keinerlei Freiheiten erlaubt, schon gar nicht die Freiheit zu demonstrieren. Die französische Regierung wird Maßnahmen gegen die samstägliche Gewalt ergreifen müssen, ohne selbst die Freiheit zu beschneiden. Ein Balance-Akt.

Paris ist ein Fest. Keine Frage. Aber Samstag für Samstag wird Paris zur Festung. Und das kann so nicht bleiben.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk