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StartseiteVerbrauchertippWenn die Supermarktkasse zum Bankschalter wird11.10.2018

Geld abheben Wenn die Supermarktkasse zum Bankschalter wird

Bargeld am Automaten abheben, so war das bisher. Aber inzwischen gibt es Bargeld auch immer häufiger an der Kasse im Supermarkt oder an Tankstellen. Das ist ganz einfach, aber es gilt doch einiges zu beachten.

Von Ursula Reinsch

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An einer Supermarktkasse in einem Lebensmittelmarkt in Straubing (Bayern) wird kassiert. (Armin Weigel/dpa)
Nicht nur den Einkauf bezahlen, sondern auch Geld abheben - das geht in immer mehr Supermärkten (Armin Weigel/dpa)
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Der Ort: Ein Supermarkt in Bergisch Gladbach. Die Uhrzeit: 8 Uhr samstagmorgens. Die Frage: Wie finden Sie es, dass Sie jetzt an der Supermarktkasse Geld abheben können? 

"Grundsätzlich finde ich das ok. Ich kenne es noch gar nicht." - "Es hält alle anderen auf. Je nachdem, wenn dann die Kreditkarte oder Geldkarte nicht funktionieren, müssen die anderen warten, weil es der eine bequemer hat." - "Ich hab das auch schon mal gemacht, im Notfall finde ich das 'ne ganz annehme Sache. Mich verführt das nicht, ich hab wirklich die Situation, dass ich in dem Augenblick merke, ich hab nur 20 Euro drin, da ich heb einfach zusätzlich was ab und brauche dafür nicht abends noch oder am nächsten Morgen zur Bank."

Keine Extra-Gebühren für den Kunden

Genau. Zusammen mit Butter und Brötchen Bargeld im Supermarkt abheben, wird immer populärer.  Immer mehr Geschäfte – insbesondere die großen Lebensmittelketten – bieten es an. Doch bislang nutzen laut einer Forsa-Studie gerade mal zehn Prozent der Verbraucher diesen Service – und zwar nur alle drei Monate oder seltener. Dr. Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zu den Vorteilen: 

"Einmal, ich muss keinen Extragang zur Filiale beziehungsweise zum Geldautomaten machen. Sondern ich kann halt das Einkaufen und das Geldabheben an einem Ort machen, nämlich im Supermarkt. Und der zweite Vorteil ist, dass ich mir da keine Gedanken über Extrakosten machen muss."

Über die vier bis fünf Euro, die das Abheben bei vielen Bankautomaten kostet. An der Supermarktkasse entstehen für den Nutzer dieser speziellen Dienstleistung keine Extra-Gebühren, aber: 

"Oft ist es mit einem Mindestbetrag verbunden. Das können 20 Euro sein, wenn ich sowieso einen Einkauf mache, der bei 20 Euro ist, dann kann ich auch sagen: Wunderbar, da hebe ich auch Geld ab. Aber wenn ich nur Geld will, dann bin ich da sozusagen gezwungen, mir erst mal Dinge einzukaufen, die ich ansonsten mir gar nicht angeschafft hätte. Und das Zweite ist: Es gibt nicht nur einen Mindestbetrag, es gibt auch eine Obergrenze. Das heißt, wenn ich mehr Geld benötige, da bleibt mir der Gang zum Geldautomaten oder zur Filiale auch nicht erspart."

Kundenbindung schaffen und den Trend nicht verschlafen

Mittlerweile gibt es sogar Pilotprojekte, die es Empfängern von Arbeitslosengeld II ermöglichen, ihr Geld in Supermarktketten oder Drogerien abzuholen. Inwieweit aber werden die Bankgeschäfte im Supermarkt Sicherheit und Datenschutz gerecht? Ralf Scherfling:

"Im Supermarkt ist es schon mal voll und unübersichtlich. Da habe ich halt stellenweise auch das Problem, wie kann ich meine PIN eingeben, ohne dass es jemand anderes mitbekommt? Und wenn ich halt Bargeld abhebe, dann ist auch die Gefahr, dass viele andere das auch sehen. Dann ist da noch ein zweiter Akteur dazwischengeschaltet, nämlich der Händler und da vertrau ich halt drauf, dass der Händler auch auf dem aktuellen Stand der Technik ist."

Der Nutzen für den Handel liegt auf der Hand: Kundenbindung schaffen und den Trend nicht verschlafen. Zusätzlichen Service bieten, wie die anderen auch.  18.000 Filialen machen bei dem Geldverkaufen bereits mit – und es werden täglich mehr. Demgegenüber schließen Bankfilialen und Geldautomaten – aus Kostengründen.  Ob der neue Supermarktservice das  Ausdünnen von Bankfilialen wettmachen kann, bleibt abzuwarten.

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