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StartseiteForschung aktuellGeld und Motivation23.11.2007

Geld und Motivation

Wie wichtig der Vergleich mit anderen ist

Verhaltensforschung. - Ob als Lokführer oder als Bahnchef: Wie zufrieden man mit seinem Gehalt ist, das hängt nicht nur vom absoluten Betrag ab. Sondern auch davon, was andere verdienen, mit denen man sich –zu Recht oder zu Unrecht- vergleicht. Was bei solchen Gedanken in unseren Köpfen passiert, das haben jetzt Ökonomen und Gehirnforscher aus Bonn gemeinsam untersucht und in der Zeitschrift "Science" veröffentlicht.

Von Michael Gessat

Geld allein macht nicht glücklich, sondern nur, wenn man sich mit anderen vergleichen kann. (AP)
Geld allein macht nicht glücklich, sondern nur, wenn man sich mit anderen vergleichen kann. (AP)
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Eigentlich geht es Armin Falk, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Bonn, schlichtweg um die alte, sprichwörtliche Frage, ob und wie sehr Geld uns glücklich macht. Auch in der Ökonomie empfinden und handeln wir Menschen als soziale Wesen, so könnte man seinen Forschungsansatz zusammenfassen. Wenn wir uns mit anderen vergleichen und wenn wir dann zufrieden, frustriert oder neidisch sind, dann hat das Einfluss auf unser Konsum-, Spar-, oder Spendenverhalten, auf unsere Arbeitsmotivation und Produktivität. Per Fragebogen lassen sich solche Zusammenhänge aber nicht ungeschminkt untersuchen. Falk:

"Das Problem ist, dass ich hier sehr viele Störfaktoren mitmesse und das Bild verfälscht wird. Zum Beispiel dass Menschen sagen, sie vergleichen sich mehr oder weniger, je nachdem wie es sozial wünschenswert ist. Und die Idee von unserem Experiment war es eigentlich, eine unmittelbare hirnphysiologische Reaktion auf sozialen Vergleich zu messen."

Armin Falks Partner bei der Studie, die Neurowissenschaftler vom Bonner "Life & Brain-Institut", hatten dafür zwei Magnetresonanz-Tomographen nebeneinander aufgebaut. Platz also für jeweils zwei der insgesamt 38 männlichen Versuchsteilnehmer, sich gleichzeitig der gleichen Aufgabe zu stellen: Für anderthalb Sekunden bekamen sie eine Anzahl von Leuchtpunkten angezeigt. Dann erschien eine Zahl, und die Probanden mussten blitzschnell entscheiden, ob sie zuvor mehr oder aber weniger Punkte gesehen hatten. Falk:

"Wenn diese Aufgabe richtig beantwortet wurde - und man kann sich vorstellen, die kann man schwerer oder einfacher machen - und wir haben das in etwa so gemacht, dass in etwa 80 Prozent der Fälle die Aufgabe richtig gelöst wurde, wenn man das also richtig gemacht hatte, dann bekam man dafür Geld."

Nicht nur Spielgeld übrigens: Ein zufällig ausgewählter von insgesamt 300 Durchläufen bestimmte das reale Honorar für die Versuchsteilnehmer. Für die ging es also jedes Mal ums Ganze: 30 oder 60 Euro bekam, wer alleine richtig getippt hatte. Wenn aber beide das korrekte Ergebnis hatten, vergaben die Forscher willkürlich 30, 60 oder gar 120 Euro. Der Witz bei der ganzen Sache: Die Probanden bekamen immer auch das Ergebnis und den jeweiligen Lohn des Konkurrenten angezeigt. Falk:

"Uns hat im Kern eine ganz bestimmte Hirnregion interessiert, und zwar das sogenannte ventrale Striatum. Und das ist ein Bereich im Gehirn, der für die Verarbeitung und die Registrierung von belohnenden Erlebnissen verantwortlich ist. … Wenn Sie Schokolade essen, oder Sex haben, oder andere schöne Dinge tun, dann ist das der Bereich im Gehirn, der stark durchblutet wird, der aktiviert wird, und das kann man im Tomographen eben messen."

Nicht ganz überraschend sprang das Belohnungszentrum besonders stark an, wenn ein Akteur allein richtig getippt, den anderen also gewissermaßen im Wettkampf besiegt hatte. Und ebenso wenig überraschend fiel dabei die Freude über 60 Euro etwas größer aus als über 30. Interessant wurde es, wenn beide das richtige Ergebnis erzielt hatten. Falk:

"Und wir haben dann eben festgestellt, dass es zu einer stärkeren Durchblutung, zu einer stärkeren Aktivierung dieses Hirnareals kam, wenn Sie mehr hatten als jemand anderes, aber vor allem zur einer schwächeren Durchblutung, also geringeren Aktivierung, wenn Sie weniger hatten als jemand anders, der genau das gleiche gearbeitet und gemacht hat wie Sie."

"Geld allein macht nicht glücklich, man muss auch noch mehr davon bekommen als der andere" - so könnte man die Sache überspitzt interpretieren. Doch Vorsicht: Auch bei Männern gibt es welche, denen Gerechtigkeit noch über den eigenen Vorteil geht. Und ob der Versuch bei Frauen oder bei Teilnehmern aus anderen Kulturkreisen sogar grundsätzlich andere Ergebnisse liefert, das untersuchen die Forscher gerade. In jedem Fall rät Armin Falk Arbeitgebern schon jetzt, die Schere zwischen Glücksgefühl für einige wenige und Frustration für viele nicht zu groß werden zu lassen. Falk:

"Die Sozialvergleiche finden statt, und die Information darüber, dass die Einkommensspanne zwischen dem, was Topmanager verdienen, und normalen Angestellten, sag ich mal, sich in den letzten Jahren so vergrößert hat, ist garantiert leistungsfeindlich und garantiert auch motivationsfeindlich."

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