Freitag, 20.09.2019
 
Seit 09:35 Uhr Tag für Tag
StartseiteVerbrauchertippZertifikate - nicht immer fair20.08.2019

GeldanlageZertifikate - nicht immer fair

Unter der Überschrift Zertifikat firmieren auch viele Geldanlagen, die sehr kompliziert sind. Nicht selten fallen komplexe Wetten auf Aktien-, Index- oder auch Zinsentwicklungen darunter. Allenfalls Zertifikate mit fester Zinsbindung und ohne Nebenbedingungen seien akzeptabel, raten Experten.

Von Dieter Nürnberger

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Die Finger eines Mannes tippen auf einem Taschenrechner Zahlen ein, im Hintergrund ist der Arm einer Frau zu sehen (picture alliance/dpa/Christin Klose)
Bei Zertifikaten besteht nicht nur das theoretische Risiko eines Totalausfalls (picture alliance/dpa/Christin Klose)
Mehr zum Thema

Stiftung Warentest Tropenholz in Grillkohle entdeckt

Textilsiegel Wegweiser für nachhaltige Mode

Finanzen Klimafreundlich Geld anlegen

Rechtlich gesehen handelt es sich bei Zertifikaten um eine Schuldverschreibung. Anleger leihen der Bank, die Herausgeber des Zertifikats ist, Geld. Und sie setzen darauf, dass diese es ihnen am Ende der Laufzeit verzinst zurückzahlen kann und wird. Eine klassische Anleihe und sie kann durchaus eine sinnvolle Anlagemöglichkeit sein. Doch firmiert unter der Überschrift Zertifikat auch vieles, was deutlich komplizierter ist.

Nicht selten fallen auch komplexe Wetten auf Aktien-, Index- oder auch Zinsentwicklungen darunter, so Yann Stoffel von der Stiftung Warentest:

"Zertifikate können sehr einfach sein: Das kann ein Zinszertifikat sein, das ist fast wie eine Anleihe, nur das es von der eigenen Sparkasse oder Landesbank gegeben wird. Läuft fünf Jahre und zahlt 0,5 Prozent Zinsen. Einfache Kiste. Das kann aber auch ganz kompliziert werden. Wo sich auf einen Index bezogen wird, der Aktien abbildet. Wo man sich alle genau angucken muss und auch jährlich prüfen muss, wie sie sich entwickelt haben. Das kann sehr, sehr komplex werden."

Anleger zahlen oft einen Ausgabeaufschlag

Als Lockvogel, so die Stiftung Warentest, würden gern Zertifikate angepriesen, die auf den ersten Blick eine etwas höhere Verzinsung bringen als derzeit üblich. Doch oft sei die Verzinsung an undurchsichtige Konstruktionen geknüpft.

Als Beispiel nennt Yann Stoffel ein Produkt der DekaBank, die ein Zertifikat auf die Aktienentwicklung der Lufthansa herausgibt.

"Da wird gern der Name Zertifikat vermieden, dann spricht man von Aktienanleihe. Im Fall der Lufthansa: Es gibt den Zins von zehn Prozent auf ein Jahr an - nur, dass das Zertifikat nur sechs Monate läuft."

Womit es eigentlich nur fünf Prozent sind, und da diese Aktienanleihe auch an den Kurs der in letzter Zeit gefallenen Lufthansa-Aktie gekoppelt ist, müssen Zertifikatkäufer in diesem Fall wohl mit einem Verlust rechnen.

Bei Zertifikaten zahlen Anleger zudem oft einen Ausgabeaufschlag, und auch andere versteckte Kosten seien möglich. Und beim Kauf sei auch die Laufzeit nicht immer klar. Einige können vorzeitig fällig werden, bei anderen können Fristen im Verkaufsprospekt versteckt sein.

Stets aufs Neue Spesen und Provisionen für die Banken

"Man hat jedes Mal Kosten, das bremst die Renditechancen. Zertifikate verleiten dazu, immer nur kurzfristig das Geld zu parken. Und sich nicht wirklich mit seiner langfristigen Geldanlage beschäftigen zu müssen. Das ist aber essentiell."

Allenfalls Zertifikate mit fester Zinsbindung und ohne Nebenbedingungen seien akzeptabel. Und warum Banken derzeit wieder vermehrt komplexe Zertifikate anbieten, da hat Warentester Yann Stoffel eine Vermutung.

"Zertifikate laufen immer nur eine begrenzte Laufzeit. Das heißt, das Geld wird wieder frei. Der Berater kann den Kunden anrufen. Wenn es vorher gut gelaufen ist, wird es noch einfacher. Dann sagt er: Hier, dieses Express-Zertifikat ist ausgelaufen, ich habe da schon etwas Neues, wollen wir noch einmal? Das geht ganz einfach, und es freut den Berater."

Weil dieses Prozedere der Bank stets aufs Neue Spesen und Provisionen bringt. Auch das sollte Anlegern bewusst sein, wenn sie über einen Zertifikatkauf nachdenken, so die Stiftung Warentest, denn bei Zertifikaten besteht nicht nur das theoretische Risiko eines Totalausfalls.

Wenn - wie in der Finanzkrise vor über zehn Jahren passiert - der Herausgeber eines solchen Produkts zahlungsunfähig wird, kann das Geld teilweise oder auch ganz verloren sein. Denn Anleihen sind nicht durch die Einlagensicherung geschützt

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk