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StartseiteWirtschaft und GesellschaftReingewaschenes Häuschen27.06.2019

Geldwäsche im ImmobiliensektorReingewaschenes Häuschen

Mit Immobilien lässt sich viel Geld verdienen, die Anlage gilt als wertbeständig. Experten gehen davon aus, dass pro Jahr mehrere Milliarden Euro aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität in den deutschen Immobilienmarkt fließen. Die Grünen fordern deswegen strengere Regeln für den Immobilienkauf.

Von Panajotis Gavrilis

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"Zu verkaufen" steht an einem Haus in Malching (Bayern) (dpa / picture alliance / Armin Weigel )
Nach Ansicht der Grünen sollen Barzahlungen bei Immobilienkäufen verboten werden, wenn Sie einen bestimmten Wert übersteigen (dpa / picture alliance / Armin Weigel )
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Laut Angaben der Bundesregierung wurden 2009 noch fast 130 Milliarden Euro mit bebauten und unbebauten Grundstücken umgesetzt. 2016 waren es nahezu 240 Milliarden Euro – ein Anstieg um 80 Prozent.

Im Bereich der Geldwäsche gibt es solche konkreten Zahlen kaum. Sie sind - wenig überraschend - schwierig zu ermitteln. Experten gehen aber davon aus, dass pro Jahr mehrere Milliarden Euro aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität in den deutschen Immobilienmarkt fließen.

Markus Henn ist Referent für Finanzmärkte bei der NGO "WEED – "Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung". Er hält Geldwäsche im Immobiliensektor für ein großes Problem.

"Geldwäscher wollen, zumindest am Ende ihrer Geldwäscher-Prozesse, es schaffen, einen möglichst festen Vermögenswert zu haben, indem dann das saubere Geld eben dauerhaft angelegt ist und da bieten sich unter anderem Immobilien an. Das ist nicht nur in Deutschland so, sondern generell und deswegen wird das gemacht."

Deutschland, ein Paradies für Geldwäscher?

Mit Immobilien lässt sich viel Geld verdienen, die Anlage gilt als wertbeständig. Deutschland, ein Paradies für Geldwäscher? Ermittler aus Italien legen zumindest nahe, so Henn, dass vor allem Mafiagruppen, aber auch einzelne Oligarchen ihr Geld in Deutschland anlegen.

"Weil auch die Kontrollen vor allem im Bereich Nicht-Finanzsektor, also zum Beispiel bei den Notaren oder ähnlichen Akteuren nicht so streng sind. Auch spielt Bargeld eine wichtige Rolle, was attraktiv ist für Geldwäscher. Und man kann auch zum Beispiel sehr große Vermögenswerte bar erwerben in Deutschland, was nicht in anderen Staaten so geht in Europa – und das macht auch Deutschland attraktiv."

Vor allem bei großen Investitionen sind Notare nach dem Geldwäschegesetz dazu verpflichtet, zu melden, falls ihnen etwas verdächtig vorkommt. Doch das passiert selten – Notare können sich auf ihre Schweigepflicht berufen.

Die Grünen im Bundestag fordern die Bundesregierung nun auf, strengere Regeln für Immobilienmakler und Notare durchzusetzen.

"Ohne Transparenz kein Immobilienkauf"

Ob es der Koffer mit Bargeld oder der Einsatz von sogenannten Strohmännern und -frauen sei: Es gebe zahlreiche Möglichkeiten, die wahren Eigentümer zu verschleiern und sich der Strafverfolgung zu entziehen, so die Ansicht der Grünen Bundestagsfraktion.

"Ohne Transparenz kein Immobilienkauf", fordern sie in einem eigenen Gesetzentwurf.

Auch Barzahlungen sollten verboten werden, wenn Sie einen bestimmten Wert übersteigen. Oder Mieterinnen und Mieter sollten über ein kostenloses Grundbuchportal nachvollziehen können, wem das Haus gehört, in dem sie wohnen.

Die Vorschläge der Grünen kommen, während die Bundesregierung an der Umsetzung der Fünften Geldwäscherichtlinie der EU arbeitet, um weitere Schlupflöcher zu schließen und dubiose Geschäfte einzudämmen. Das Gesetz soll noch diesen Sommer ins Kabinett eingebracht werden.

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