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StartseiteKalenderblattGeliebt, gehasst, geschasst22.12.2009

Geliebt, gehasst, geschasst

Vor 20 Jahren: Der rumänische Diktator Nicolae Ceausescu wird gestürzt

Noch im November 1989 war Nicolae Ceausescu auf dem Parteitag der rumänischen kommunistischen Partei als "heißgeliebter Sohn der Nation" bezeichnet worden und bezeichnete die Zukunftsaussichten als "wunderbar". Doch die Geschichte schrieb sich wenige Wochen später ganz anders fort.

Von Doris Liebermann

Nicolai Ceausescu, ehemaliger Präsident Rumäniens (AP)
Nicolai Ceausescu, ehemaliger Präsident Rumäniens (AP)

"Erregende Szenen im rumänischen Fernsehen. In einer Direktübertragung wurde die Öffentlichkeit drei Stunden lang live über den Umsturz und die Verfolgungsjagd des flüchtigen Parteichefs Ceausescu informiert ... Auf den Straßen von Bukarest jubeln die Menschen. In ihren Händen schwingen sie Nationalfahnen, aus denen der Stern als Symbol der sozialistischen Herrschaft herausgeschnitten wurde ... ."

Dass sein Sturz so schnell kommen würde, damit hatte Nicolae Ceausescu wohl kaum gerechnet: er, der gefeierte "Conducator", der "Führer" der "goldenen Epoche", wie jene Jahre der Diktatur, in denen der Familienclan Ceausescu herrschte, euphemistisch verklärt wurden. Ceausescu war ein Bauernsohn, er wurde 1918 geboren und hatte neun Geschwister. Er ging bei einem Schuster in die Lehre, trat 1933 der kommunistischen Partei bei und machte nach dem Zweiten Weltkrieg Karriere im Parteiapparat. 1965 wurde er Generalsekretär der kommunistischen Partei, 1967 auch Staatspräsident Rumäniens. Zunächst populär im Land - vor allem, weil er 1968 die rumänischen Truppen nicht in Prag einmarschieren ließ -, schaltete Ceausescu seine Kritiker bald unter dem Vorwand der "Entstalinisierung" aus. Er inszenierte im gleichen Zuge einen Kult um seine Person und brachte mehrere Familienmitglieder in Schlüsselpositionen unter. Den 1949 gegründeten Geheimdienst Securitate baute Ceausescu während seiner Amtszeit als Staat im Staate auf. Die Securitate war personell an ihn gebunden und seinem Willen unterstellt.

Die Unruhen seien vom Ausland gesteuert, es seien Faschisten und Provokateure am Werk, beklagte sich Ceausescu noch zwei Tage vor seinem Sturz in den rumänischen Medien.
Gefördert durch den Zusammenbruch der kommunistischen Diktaturen in Osteuropa und der DDR, war auch in Rumänien der Widerstand stärker geworden. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen, als im Dezember 1989 der Pfarrer der ungarischen Minderheit, Laszlo Tökes, aus Temesvar deportiert werden sollte. Tökes hatte Widerstand gegen Ceausescus Dorfzerstörungsprogramm organisiert. Die Securitate ging mit brutaler Gewalt gegen die Menschen vor, die Tökes schützen wollten. Ceausescu verhängte den Ausnahmezustand, aber der Aufstand griff auf andere Städte über. Es gab mehr als tausend Opfer. Ein Tonband, damals aus Temesvar herausgeschmuggelt, hielt Schüsse, Gewehrfeuer und Schreie fest.

Der entscheidende politische Umbruch kam am 22. Dezember 1989 auf einer Massenkundgebung in Bukarest. Sie schlug in einen Proteststurm um und zwang den fassungslosen Diktator und seine Frau Elena zur Flucht. Eine eilends gebildete "Front zur nationalen Rettung Rumäniens" nahm die politischen Geschäfte in die Hand. Das Ehepaar Ceausescu, von Armee-Einheiten bei der Flucht gefasst, wurde am 25. Dezember vor ein militärisches Sondergericht gestellt. Die Ceausescus wurden im Schnellverfahren zum Tode verurteilt und noch am Nachmittag erschossen. Radio Bukarest meldete am Abend die Exekution des Diktatorenpaares:

Nach der Hinrichtung des Ehepaares Ceausescu wurde der unmäßige Luxus des Clans in Villen und Palästen in Bukarest und im ganzen Land bekannt. In krassem Widerspruch dazu stand die große Not der Bevölkerung, der Mangel an Lebensmitteln, Strom und Medikamenten. Vor allem die Bilder aus den rumänischen Waisenhäusern erschütterten die Welt. Nackt, frierend und eingesperrt in dunklen Zimmern sah man schmutzige Kinder auf verrotteten Matratzen sitzen.

Zwei Millionen Opfer hatte das kommunistische Regime zwischen 1944 und 1989 als Zwangsarbeiter, Deportierte, Gefangene, Gefolterte, Ermordete gefordert, das stellte im Jahre 2006 Staatspräsident Trajan Basescu in einem umfassenden Untersuchungsbericht zu den Menschenrechtsverletzungen in Rumänien dar.

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