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StartseiteForschung aktuellGemeinsam gegen H7N926.04.2013

Gemeinsam gegen H7N9

Weltweites WHO-Netzwerk koordiniert Forschung mit dem neuen Vogelgrippevirus

Virologie. - Das Vogelgrippevirus H7N9 breitet sich immer weiter aus. Die WHO zählt H7N9 jetzt zu den tödlichsten Grippeviren, die die Welt je gesehen hat. Das Virus kann, soviel ist klar, viel leichter auf den Menschen überspringen als die Vogelgrippe H5N1. Glücklicherweise können sich Menschen nicht gegenseitig anstecken – aber keiner weiß, wie sich das Virus noch weiterentwickelt. Inzwischen arbeiten Wissenschaftler auf der ganzen Welt daran, mehr über die mysteriöse Vogelgrippe zu erfahren.

Von Marieke Degen

Ein neuer Virenstamm der Vogelgrippe verbreitet sich in China.  (picture alliance / dpa / Robert Ghement)
Ein neuer Virenstamm der Vogelgrippe verbreitet sich in China. (picture alliance / dpa / Robert Ghement)

Tagelang war das Grippe-Expertenteam der Weltgesundheitsorganisation in China unterwegs. Doch die wesentliche Frage bleibt ungeklärt: Wo genau sich die Menschen mit H7N9 angesteckt haben. Sehr wahrscheinlich an Geflügel, sagt die WHO, und sehr wahrscheinlich auf Geflügelmärkten. Die Suche nach den Infektionsquellen geht also weiter, und nicht nur in China arbeiten die Wissenschaftler auf Hochtouren.

It is important to continue high level scientific collaborations, communications and sharing of sequence data and viruses with WHO and international partners because the threat of H7N9 is also an international shared risk and concern.

Es ist wichtig, dass die Labors weiter eng zusammenzuarbeiten, dass Virenmaterial und Daten auf internationaler Ebene ausgetauscht werden – denn H7N9 stellt auch ein internationales Risiko dar, betont die WHO in einer Pressemitteilung. Proben mit H7N9 sind längst an Labors auf der ganzen Welt verschickt worden. Überall arbeiten Virologen daran, mehr über das Virus zu erfahren, sichere Nachweismethoden zu entwickeln und sogar neue Impfstoffe.

"Wir haben regelmäßige Telefonkonferenzen innerhalb des WHO-Netzwerks, hauptsächlich mit den sechs internationalen Referenzzentren, aber auch mit anderen Labors, mit denen wir vertrauliche Informationen austauschen."

John McCauley leitet das internationale WHO Influenza Referenzzentrum in Mill Hill bei London, eines von sechs Zentren weltweit. Sie bilden das Rückgrat eines Influenza-Überwachungsnetzwerks, an dem noch weitere 140 nationale Referenzzentren beteiligt sind. John McCauley und sein Team haben das Virus schon vor anderthalb Wochen aus China bekommen. Die ersten Frettchen – das Standard-Tiermodell für Grippe – sind längst infiziert. Die Londoner wollen unter anderem herausfinden, ob bereits existierende Impfstoffe vor einer Infektion schützen. Außerdem haben sie das Virus an etliche nationale Referenzzentren weiterverteilt.

"Jedes nationale Referenzzentrum entwickelt jetzt erst einmal seine eigene Nachweismethode nach seinen eigenen Standards, um das Virus im Zweifelsfall in Patientenproben entdecken zu können. Wir beraten sie dabei, wir sagen, welche Herangehensweise wir für sinnvoll halten."

Am Robert-Koch-Institut in Berlin, dem Sitz des deutschen Nationalen Referenzzentrums für Influenza, ist das Päckchen mit den Viren am Montag angekommen. Per Spezialkurier, berichtet die Virologin Susanne Duwe, in einer mehrfach gesicherten Verpackung.

"Die besteht aus schlagfestem Kunststoff mit einer Gummidichtung, da drin ist noch einmal Zellstoff, so dass sollte etwas auslaufen, das auch aufgenommen wird, und da ist noch einmal ein Röhrchen drin, und da ist noch einmal alles abgesichert in diesem Röhrchen und dann gibt es erst dann ein Röhrchen mit dem Virus."

Ausgepackt wurde das ganze in einem Labor der Sicherheitsstufe 3. Duwe:

"Das ist die zweithöchste Sicherheitsstufe, die es gibt, die Probe selber wird unter einer Sicherheitswerkbank ausgepackt, da existiert ein Luftstrom, so dass nichts entweichen kann, und das ganze Labor ist auch noch einmal hermetisch abgeschirmt durch einen Unterdruck und spezielle Sicherheitsmaßnahmen, so dass weder was entweichen kann noch irgendeine Kontamination eingeschleppt werden kann."

Susanne Duwe und ihre Kollegen können H7N9 theoretisch heute schon in einer Patientenprobe nachweisen - indem sie das Erbgut von H7N9 aufspüren, genau wie bei anderen Grippeviren auch. Doch nur mit Hilfe des echten H7N9-Virus können sie überprüfen, wie sicher diese Methode ist, ob sie auch winzigste Spuren von H7N9 entdeckt.

"Es ist im Moment ein Ausbruch in China, das ist ganz richtig. Wir hoffen auch, dass es lokal begrenzt wird und dort eingedämmt wird. Trotzdem müssen wir vorbereitet sein, weil es eine rege Reisetätigkeit gibt, es können immer Infektionen eingeschleppt werden, und sollte es zu einer Mensch zu Mensch-Übertragung kommen, ist die Gefahr einer Ausbreitung natürlich um ein vielfaches höher, und deshalb müssen wir dafür gewappnet sein und dafür vorbereitet sein, dass - sollte sich das Virus ausbreiten – die Diagnostik steht. Und wenn nicht, umso besser."

In einigen Labors, zum Beispiel bei den Centers for Disease Control in den USA, wird sogar schon an einem neuen Impfstoff geforscht – für den Fall der Fälle. Im Moment sieht es nicht danach aus, als könnten sich Menschen gegenseitig mit H7N9 anstecken. Trotzdem ist die Fachwelt alarmiert. Noch einmal John McCauley:

"Je mehr Menschen sich infizieren, desto höher ist die Chance, dass sich das Virus weiter an den Menschen anpasst. Wenn Sie mich fragen, ist das eine sehr ernste Angelegenheit."

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