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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Selbstkontrolle der Wissenschaft hat versagt27.11.2018

Genmanipulierte Babys in ChinaDie Selbstkontrolle der Wissenschaft hat versagt

Mit der genetischen Manipulation von zwei Säuglingen in China sei eine Tabugrenze überschritten worden, kommentiert Michael Lange. Statt zum Nutzen der Menschheit zu forschen, hätten chinesische Genforscher lediglich für den eigenen Ruhm getan, was machbar sei.

Von Michael Lange

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DNA-Strang festgehalten von einer Pinzette (dpa / picture alliance /blickwinkel)
Chinesische Forscher haben offenbar die Gene von Embryonen verändert - und damit eine Grenze überschritten, meint Michael Lange (dpa / picture alliance /blickwinkel)
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Die Selbstkontrolle der Wissenschaft hat versagt. Statt zum Nutzen der Menschheit zu forschen, haben chinesische Genforscher einfach gemacht, was machbar ist. So jedenfalls behaupten sie es in einem Youtube-Video. Was stimmt und was nicht, kann niemand überprüfen.

Wenn es stimmt, dann haben die chinesischen Wissenschaftler eine Grenze überschritten. Nicht aus wissenschaftlicher Neugier, nicht zur Heilung kranker Menschen, sondern für den eigenen Ruhm – um die ersten zu sein. Vielleicht aus Gewinnstreben, ohne einen Gedanken an die Zukunft und ihre eigene Verantwortung.

Zwei Babies als Spielball der Wissenschaft

Zwei kleine Babys, Lulu und Nana, müssen es jetzt ausbaden. Und niemand weiß, ob ihre manipulierten Gene ihnen helfen oder schaden werden. Werden die beiden Mädchen lebenslang vor dem Aids-Erreger H.I.V. geschützt sein, wie die Wissenschaftler behaupten? Oder lauert da ein Krebsrisiko in ihren Zellen? Niemand weiß es.

Fest steht: Wenn Lulu und Nana wirklich genmanipuliert sind, können die Mädchen ihre veränderten Gene an folgende Generationen weitergeben. Das ist der Tabubruch, den angeblich niemand wollte.

Auch in China hagelt es Kritik. Die zuständige Universität hat sich distanziert. Überall heißt es: Das hätte nicht passieren dürfen. Denn die beiden Mädchen waren ja nicht krank und mussten nicht geheilt werden. Sie waren gesund und wären wahrscheinlich auch ohne genetische Manipulation gesund geblieben.

Jetzt ist die Weltgemeinschaft gefordert

Jetzt ist es wieder einmal zu spät. In der Wissenschaft geht es nur noch um Schadensbegrenzung. In China ist die Gesetzeslage unklar. Die vorhandenen Gesetze greifen nicht.

Vielleicht hilft die weltweite Empörung, die nun ausbricht. Die Weltgemeinschaft ist gefordert, um zu retten, was zu retten ist. Aber die UNO erweist sich nicht nur als zahnloser Tiger, bisher hat der Tiger nicht einmal laut und vernehmlich gebrüllt. Die UNO muss sich einmischen, besser zu spät, als nie.

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