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StartseiteInformationen am MorgenMedizinische Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen28.11.2018

Genmanipulierte BabysMedizinische Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen

Ein chinesischer Wissenschaftler hat die weltweit erste Geburt genmanipulierter Babys verkündet. Wissenschaftler auf der ganzen Welt reagierten darauf mit Empörung. Noch ist unklar, welche Folgen die vorgenommene Manipulation mit der Genschere Crispr/Cas9 für die Babys Lulu und Nana hat.

Von Michael Lange

He sitzt im blauen Hemd vor einem Regal mit Laborgefäßen und gestikuliert mit beiden Händen (Mark Schiefelbein / AP / dpa)
"Gesund wie andere Babys auch erblickten Lulu und Nana, zwei kleine Mädchen aus China, das Licht der Welt. Ganz normal. Das Besondere ist das Erbgut der beiden", verkündete der Wissenschaftler He Jiankui im Video (Mark Schiefelbein / AP / dpa)
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Wissenschaftliche Sensationen werden für gewöhnlich in Fachzeitschriften verbreitet oder auf Fachkongressen. Vorab erhalten andere Wissenschaftler Gelegenheit, den Text und die Daten zu prüfen. Der Genforscher He Jiankui wählte einen anderen Weg. Er verkündete einen angeblichen Durchbruch inklusive Tabubruch auf einem Video bei YouTube.

"Gesund wie andere Babys auch erblickten Lulu und Nana, zwei kleine Mädchen aus China, das Licht der Welt. Ganz normal. Das Besondere ist das Erbgut der beiden."

Ein bestimmtes Gen namens CCR 5 in ihrem Erbmaterial ist nicht funktionstüchtig. Nicht von Natur aus, sondern durch einen gezielten Eingriff in das Erbmolekül DNA mithilfe der Genschere Crispr/Cas 9.

Durch diese Aktion soll verhindert werden, dass Aidserreger in die Zellen der beiden Mädchen eindringen. Denn CCR 5 ist die Eintrittspforte für Viren vom Typ HIV 1. Der Vater der beiden ist damit infiziert.

Unklar, wie groß das Risiko ist

Bei einem der beiden Mädchen tragen alle Zellen das veränderte Gen, beim anderen nicht. Wissenschaftler sprechen dann von einem sogenannten Mosaik. Damit ist der Schutz vor den HI-Viren nicht vollständig.

Außerdem ist unklar, wie groß das Risiko ist, dem die beiden Mädchen ausgesetzt wurden und noch sind. Denn auch eine noch so präzise Genschere kann zu Nebenwirkungen führen, eine davon ist das Krebsrisiko. Es könnte erhöht sein bei den beiden Mädchen, und auch bei ihren Nachkommen.

Genau das ist der Tabubruch. Die Genmanipulation an den Embryonen betrifft die Keimbahn. Veränderungen von Embryonen, Eizellen oder Spermien werden vererbt. Jede Manipulation ist ein möglicher Eingriff in die Evolution.

He Jiankui aber hat die Grenze überschritten

Anders ist es, wenn Blutzellen oder andere Körperzellen mithilfe der Genschere Crispr/Cas 9 verändert oder repariert werden. So lassen sich möglicherweise verschiedene Krankheiten heilen, direkt am Patienten, ohne dass die Genveränderung weiter vererbt wird. Diese Form der Gentherapie ist nicht umstritten, wenn sie denn sicher durchgeführt werden kann.

Der Wissenschaftler He Jiankui aber hat die Grenze überschritten und in die Keimbahn eingegriffen. Alles im Dienste junger Familien, denen er helfen wolle, wie er im Video versichert.

"Die Familien brauchen diese Technologie. Und ich bin bereit, für sie die Kritik auf mich zu nehmen", so der Wissenschaftler He Jiankui, der für den Tabubruch verantwortlich ist.

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