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StartseiteHintergrundGentechnik im südlichen Afrika19.11.2005

Gentechnik im südlichen Afrika

Hilfe gegen den Hunger oder Gefahr für den Kontinent?

Die Gentechnik ist ein neues Thema für den meisten Staaten im südlichen Afrika. Weltweit konzentriert sich der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen derzeit auf wenige Länder mit den USA, Kanada, Argentinien und Brasilien an der Spitze. Wenn der afrikanische Kontinent in den Blick der Gentechnik-Anbieter kommt, dann geht es nicht nur um Geld, sondern auch um Image-Erfolge für die umstrittene Technologie.

Von Georg Ehring

Neben Baumwolle hat sich in Südafrika vor allem bei Mais und Soja der Anbau von Sorten aus dem Genlabor durchgesetzt.  (AP)
Neben Baumwolle hat sich in Südafrika vor allem bei Mais und Soja der Anbau von Sorten aus dem Genlabor durchgesetzt. (AP)
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Maputo, die Hauptstadt von Mosambik, ist nicht gerade ein Zentrum des Welthandels - nur wenige Schiffe verlieren sich im weitläufigen Hafen. Mit dem Export kann das Land nach wie vor kaum Geld verdienen, was hier umgeschlagen wird, sind Hilfslieferungen - Mais, Zucker, Bohnen und andere Grundnahrungsmittel sollen hungernden Menschen auf dem Land zu Gute kommen. Die Hilfen kommen vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen. In Mosambik wird es durch Angela van Rynbach vertreten.

" Insgesamt hat unsere Schätzung ergeben, dass bis zum März 2006 rund 587.000 Menschen Nahrungsmittelhilfe brauchen. Dafür benötigen wir ungefähr 70.000 Tonnen Lebensmittel zusätzlich. Ursache für diese Situation ist, dass es nur unregelmäßig und viel zu wenig geregnet hat."

Entladen wird hier auch Mais aus den USA - gentechnisch veränderter Mais. Mosambik macht auf diese Weise erste Erfahrungen mit der Gentechnik - und das Land reagiert vorsichtig: Die Nahrungsmittelhilfe wird angenommen, doch nur in gemahlener Form. Ausgesät und vermehrt werden dürfen die Gen-Saaten in den Hungerregionen nicht. Das hat die Regierung in Maputo entschieden, sie will sich erst eine eigene Meinung zum Thema bilden, bevor sie die neue Technik zulässt - oder auch nicht. Im Landwirtschaftsministerium arbeitet Paulino Munisse am Entwurf für ein Gentechnik-Gesetz.

" Als Wissenschaftler glaube ich schon, dass es ein Potenzial gibt. Aber ich glaube nicht, dass es die Lösung für die Ernährungssicherheit ist. Es gibt eine Menge Dinge, die erst einmal gelöst werden müssen. Zum Beispiel ist die Infrastruktur in Mosambik sehr schlecht."

Die Gentechnik ist ein neues Thema in den meisten Staaten der Region. Weltweit konzentriert sich der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen derzeit auf wenige Länder mit den USA, Kanada, Argentinien und Brasilien an der Spitze, dazu sind in den vergangenen Jahren China und Indien gekommen. Wenn der afrikanische Kontinent in den Blick der Gentechnik-Anbieter kommt, dann geht es nicht nur um Geld, sondern auch um Image-Erfolge für die umstrittene Technologie: Die Gentechnik soll zusätzlich einen Beitrag im Kampf gegen den Hunger leisten, so das Argument, das auch Skeptiker in den Industrieländern überzeugen soll. Auf dem afrikanischen Kontinent werden genveränderte Pflanzen bisher lediglich in Südafrika kommerziell in großem Umfang angebaut. In den übrigen Ländern gibt es allenfalls Freisetzungsversuche oder Forschungsprojekte. Gesetze, die den Umgang mit der neuen Technik regeln, fehlen fast überall. Doch die Diskussion über das Thema hat begonnen. Erfolge im Kampf gegen den Hunger erhofft sich auch Maria Isabel de Andrade, die in Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, bei einem Agrarforschungsinstitut arbeitet.

" In Mosambik haben wir Probleme mit einigen Insekten und wir versprühen eine Menge Pflanzenschutzmittel, um Plagen und Krankheiten unter Kontrolle zu halten. Durch genveränderte Pflanzen können wir die Produktionskosten senken. Deshalb könnten wir die Ernährungssicherheit in Mosambik und das Einkommen der Bauern erhöhen, wenn sie in unserem Land zugelassen werden."

Doch auch in Afrika ist die Gentechnik umstritten - allerdings beschränkt sich die Debatte überwiegend auf Fachleute und Eliten. Mariam Mayette engagiert sich im African Center for Biosafety gegen die Gentechnik.

" Gentechnik hat langfristig viele Nachteile. Denn die Bauern können die Saat nicht untereinander austauschen und wir wissen noch nicht, wie es auf die Dauer aussieht in Bezug auf die Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge, das Entstehen von Unkräutern, gegen die keine Chemikalie mehr wirkt und in Bezug auf andere Folgen für die Umwelt. Deshalb meine ich, die Bauern sollten besser keine Gentechnik nutzen."

Nach Informationen des Welternährungsprogramms leidet ein Drittel der Afrikaner unter Hunger oder Unterernährung - insgesamt über 200 Millionen Menschen. Viele von ihnen leben ohne Kontakt zu moderner Technik, ein großer Teil konnte nie eine Schule besuchen. Auch in Südafrika sind es bisher überwiegend Großbauern, die die Gentechnik in der Landwirtschaft anwenden. Allerdings nicht ausschließlich. Ein Gegenbeispiel ist die Makathini-Ebene in der Provinz KwaZulu Natal, ein Anbaugebiet für Baumwolle. Mitten in der Ebene steht die Baumwoll-Entkernungsanlage von Makathini Cotton. Das Unternehmen ist der einzige Verarbeiter von Agrarprodukten weit und breit.

" Diese Maschinen hier sind fast 50 Jahre alt. Und sie funktionieren immer noch. Es hängt eben alles davon ab, wie man sie instand hält. Wir trennen hier die Fasern von der Baumwollsaat. Die Fasern packen wir in diese Ballen und die Saat stecken wir in diese Taschen."

Adrian Hattingh, Manager der Anlage, verarbeitet einen Rohstoff, der die Märkte im Sturm erobert hat: Gentechnisch veränderte Baumwolle. Die Pflanzen enthalten das Gift des Bacillus Thuringiensis, abgekürzt BT. Das ist eine Substanz, die den Baumwollkapselwurm abtötet, den wichtigsten Baumwollschädling. Die neue Sorte lohnt sich für die Bauern. Das bestätigt Thoko Ntuni, eine Kleinbäuerin mit acht Hektar Land.

" Sie ist zwar teuer, aber sehen Sie sich die Ergebnisse pro Hektar an. Elf bis zwölf Ballen, zwölf Mal zweihundert Kilogramm pro Hektar. Das ist ausgezeichnet."

Bei konventionellem Saatgut komme mit vier bis fünf Ballen pro Hektar wesentlich weniger heraus. Auch die Erfolgsgeschichten ihrer Kollegen übertreffen selbst die Ertragsprognosen des Agrarriesen Monsanto für BT-Baumwolle. Das Saatgut ist erheblich teurer als bei herkömmlichen Sorten, doch die Rechnung geht auf: Die Bauern brauchen kaum noch Spritzmittel. Während die Felder früher oft in wöchentlichem oder zweiwöchentlichem Abstand gespritzt werden mussten, reichen jetzt zwei oder drei Anwendungen pro Saison. Thembishe Joseph Buthelezi, Präsident der örtlichen Bauernvereinigung Ubangwa, hält die neue Sorte deshalb auch für umweltverträglicher als herkömmliche Baumwolle ohne Gentechnik.

" Man kann doch nicht sagen, das es besser für die Umwelt ist, wenn man viele Chemikalien darauf sprühen muss. Und wenn es regnet, dann geraten sie hinterher ins Wasser. Man sieht, wie die Fische sterben und die Insekten. Die Vögel fliegen auf die Felder und sterben, wenn sie die Insekten gefressen haben, nachdem Insektizide gesprüht worden sind. Und dann sagt man, dass wäre besser für die Umwelt. Ich meine, das beste für die Umwelt ist die genveränderte Baumwolle, denn man muss weniger versprühen und verwendet auch weniger gefährliche Chemikalien."

Neben Baumwolle hat sich in Südafrika vor allem bei Mais und Soja der Anbau von Sorten aus dem Genlabor durchgesetzt. Knapp die Hälfte der Mais- und Sojabestände ist gentechnisch verändert, bei der Baumwolle sind es nach Angaben von Monsanto sogar über 80 Prozent. Die Bauern Südafrikas sind allerdings kaum vom Hungertod bedroht. Ob die Gentechnik einen Beitrag im Kampf gegen den Hunger in Afrika leisten kann, entscheidet sich weiter nördlich. Zum Beispiel in Mosambik. Ein zweiter Ortstermin führt nach Gaza, in eine der Hungerprovinzen im Süden des Landes. Rund 6000 Menschen leben im Dorf Javanahane. Ohne elektrischen Strom, ohne fließendes Wasser, meist in traditionellen afrikanischen Rundhütten. Seit dem Abzug der Portugiesen im Jahr 1975 haben sich kaum weiße Besucher hier blicken lassen und sie werden mit Musik, Tanz und vielen Begrüßungsreden willkommen geheißen. Auch Lebensmittelhilfen sind schon nach Javanahane gekommen, denn von einer Ernte konnte in den letzten Jahren kaum die Rede sein. In den Jahren 2000 und 2001 spülten Überschwemmungen die Pflanzen weg. Es folgte eine ungewöhnliche Dürre, die noch immer nicht zu Ende ist. Mauricio Makulille, ein 68-jähriger Bauer, hat Mais, Cassava, Bohnen, Bananen, Zuckerrohr und etwas Salat gepflanzt, doch die Saat ist zum großen Teil vertrocknet.

" Wir haben in diesem Jahr nichts geerntet. Es hat einfach der Regen gefehlt. Deshalb mussten wir unser Essen in der Stadt kaufen. Das, was wir hier sehen, reicht gerade einmal für einen Monat. Sogar den Mais müssen wir kaufen, damit wir etwas zu Essen haben."

Das Geld dafür stammt aus Gelegenheitsarbeiten in der Region, drei der sechs Kinder von Mauricio Makulille arbeiten in Südafrika und unterstützen die Familie daheim. Es gibt viele Möglichkeiten, die Ernährung der Menschen in dieser Lage zu sichern, meint Rudolf Buntzel vom evangelischen Entwicklungsdienst, der mehrere Projekte in der Region unterstützt.

" Ungefähr 76 Maßnahmen sind gezählt worden, die Bauern anwenden um Dürre zu überwinden, wie zum Beispiel Anlage von Hungerkulturen durch Cassava, Casssava kann im Boden viele Jahre bleiben, kann drei Jahre bleiben und kann auch unter stärkster Dürre, dann hat man wenigstens noch ein bisschen was zu Essen."

Der Anbau genveränderter Pflanzen steht für Buntzel dagegen nicht auf der Agenda.

" Die Gentechnik ist so teuer, also auch das Saatgut ist so teuer, dass es sich also nur rentiert unter diesen besten Bedingungen, und diese besten Bedingungen sind bei marginalen Bauern kaum zu erreichen, erst recht nicht dann, wenn es ein Gebiet ist, das sehr anfällig ist gegenüber Wassermangel."

Nur wenige Kilometer von Javanahane entfernt, in der Provinzstadt Chokwe, beschäftigen sich Wissenschaftler mit neuen Pflanzensorten - aus konventioneller Züchtung, ohne Gentechnik. Sie entwickeln lokale Maissaaten weiter, die die Erträge der Bauern in der Region steigern sollen. Konventionelle Hochertragssorten versprechen noch deutlich mehr, ebenso genveränderte Sorten. Für die Bauern von Javanahane seien sie aber bis auf weiteres nicht geeignet, ist Jorge Tembe überzeugt. Er betreut für den Lutherischen Weltbund mehrere Entwicklungsprojekte in der Region.

" Es sind sehr spezielle Pflanzen, und sie erfordern eine besonderes sorgfältige Behandlung durch den Bauern. Er braucht, da bin ich mir sicher, bessere Düngemittel, Bewässerung, Kontrolle durch Pestizide und so weiter und wir können diese Hilfsmittel den Kleinbauern nicht zur Verfügung stellen."

Hochgezüchtete Sorten würden bei Trockenheit versagen, glaubt Tembe. In Chokwe wird auch an Hochertragssorten geforscht - allerdings nicht für die hungernde Landbevölkerung, sondern für kommerzielle Großbauern, die es in klimatisch bevorzugten Gegenden Mosambiks durchaus auch gibt. Parallel zur Einführung besserer, aber trotzdem an die Verhältnisse vor Ort angepasster Sorten, setzt Tembe auf den Bau von Bewässerungsanlagen, damit die Landbevölkerung künftige Dürreperioden besser überstehen kann. Doch auch in Mosambik arbeiten Forscher an der Nutzung der Gentechnik. Maria Isabel de Andrade vom Agrarforschungsinstitut in Maputo hofft, mit ihrer Hilfe künftig auch Missernten in ihrem Land abwenden zu können.

" In der Mitte und im Norden von Mosambik haben wir ernste Probleme mit einer Viruserkrankung der Cassava. Dieses Virus lässt die Wurzeln verfaulen, und die meisten Sorten, die die Bauern anbauen, sind empfindlich gegen dieses Virus. Wir wissen noch sehr wenig darüber. Deshalb nutzen wir gentechnische Werkzeuge, um nach einer Sorte zu suchen, die unempfindlich dagegen ist. Das wäre ein sehr wichtiger Beitrag."

Konkrete Ergebnisse, die die Bauern nutzen könnten, gibt es allerdings noch nicht. Auch Versuche mit genveränderten Süßkartoffeln, Hirse und anderen traditionellen afrikanischen Grundnahrungsmitteln haben noch nicht zu marktfähigen Produkten geführt. Die öffentlichen Agrarforschungsinstitute, die sich hiermit beschäftigen, verfügen über viel weniger Geld als die Weltkonzerne, die für den kommerziellen Markt forschen. Und Anbieter von neuartigem Saatgut für die hungernde Landbevölkerung können nicht auf eine zahlungskräftige Kundschaft hoffen. Dieser Umstand halte die Industrie von stärkerem Engagement in Afrika ab, meint Kiflemariam Gebrewold, ein freier Gutachter für Entwicklungshilfe aus Äthiopien.

" Sie sind sehr teuer. Darauf sind sehr viele Patente. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Firmen, die sechs oder zwölf Jahre geforscht haben und darauf viel Geld verwendet haben, nun anfangen, diese genveränderten Pflanzen preiswert oder umsonst abzugeben. Zumal wissen wir ja, dass Hunger nicht primär und nicht ausschließlich ein Problem der Technologie ist, sondern von Verteilung, von Kaufkraft, von politischen Zuständen in den jeweiligen Ländern."

Auch in Bezug auf die Gesetzgebung sind die meisten Länder Afrikas kaum vorbereitet. Die Vorarbeit des Gesetzgebers ist wichtig - einmal wegen des Umgangs mit Gefahren etwa für die Gesundheit von Mensch und Tier, aber auch wegen der Eigentumsrechte. Die USA drängen auf liberale Gesetze, Nichtregierungs-Organisationen unter anderem aus Europa raten zu strengen Regeln. Südafrika ist auch hier Vorreiter - mit außerordentlich liberalen Vorschriften, die selbst der US-Saatgutmulti Monsanto für ganz Afrika vorbildlich findet. Wally M. Green, bei Monsanto in Johannesburg zuständig für die Zulassung genveränderter Pflanzen:

" Eigentlich ist die südafrikanische Gesetzgebung sehr, sehr gut. Sie bezieht jeden in die Entscheidungsfindung mit ein und ich glaube, die Ergebnisse zeigen, dass Südafrika ziemlich weit vorwärts gekommen ist. Auch die Regierung von Südafrika sieht die Gentechnik als eine große Wachstumsbranche an."

Vielleicht freut sich der US-Saatgutmulti aber auch deshalb über die liberalen Vorschriften, weil er in Südafrika kaum kontrolliert wird. Dieser Ansicht ist die Gentechnik-Kritikerin Mariam Mayette vom African Center for Biosafety in Johannesburg.

" Wir glauben, dass es sehr schlechte Regeln sind. Denn sie übernehmen einfach die Daten, die sie von der Industrie bekommen. Für die Regulierung dieser Technik sind Beamte zuständig, die von biologischer Sicherheit nichts verstehen. Sie stützen sich auf eine sehr kleine Gruppe von Wissenschaftlern, die der Industrie nahe stehen. Es geht sehr geheim und intransparent zu. Eine Gruppe von Kritikern musste vor Gericht gehen und Millionen von Rand ausgeben, nur um das Recht auf Zugang zu den Daten zu bekommen. Und wir glauben nicht, dass unsere Regierung genaue Einschätzungen über die Umweltfolgen der genveränderten Organismen verfasst hat, die jetzt in ganz Südafrika angebaut werden."

Zu den Kritikern der Grünen Gentechnik gehört auch der South African Council of Churches, zu dem sich fast alle großen christlichen Kirchen zusammengeschlossen haben. Tiny Leshika ist dort zuständig für die Gentechnik. Sie bemängelt unter anderem, dass genveränderte Lebensmittel in ihrem Land nicht eigens gekennzeichnet werden müssen.

" Die Menschen müssen die Wahl haben. Wir setzen uns für eine Kennzeichnung ein, doch die Regierung meint, das dies zu teuer wäre. Deshalb werden die Lebensmittel nicht gekennzeichnet. Ob wir genveränderte Nahrungsmittel essen oder nicht, das interessiert die Regierung einfach nicht."

Eine Kennzeichnungspflicht setzt umfangreiche Tests von Lebensmitteln voraus oder gar eine Rückverfolgbarkeit der Produkte bis zu ihrem Ursprung. In Europa wird dies zur Zeit umgesetzt, in Südafrika lehnt es die Regierung wegen der enormen Kosten ab. Taugt die liberale Gentechnik-Gesetzgebung Südafrikas als Vorbild für andere Staaten des Kontinents? Rudolf Buntzel vom Evangelischen Entwicklungsdienst.

" Wir denken, dass die Entwicklungsländer, vor allen Dingen die armen Entwicklungsländer, also sehr krasse oder sagen wir ´mal besser sehr scharfe Regulierung brauchen, unter Umständen also vielleicht noch schärfere als wir, weil sie empfindlicher sind. Die Risiken sind da größer. Die Gesundheitsrisiken sind unter Armutsbedingungen größer, als auch die Umweltrisiken in den Entwicklungsländern sind größer als selbst in Europa. Und ich halte es für völlig unverantwortlich zu sagen, also, dass hohe Standards der Regulierung für diese Technologie für die Entwicklungsländer nicht finanzierbar sind, sie sind zu kostenaufwändig, und deswegen müssten dort niedrigere Standards eingeführt werden. Also: Wenn die Technologie überhaupt akzeptabel sein soll für Entwicklungsländer, dann unter hohen Regulierungsstandards."

Mindeststandards für den Umgang mit der Gentechnik setzt das Cartagena-Protokoll, das die meisten afrikanischen Staaten unterschrieben haben. Es befasst sich vor allem mit dem grenzüberschreitenden Verkehr von genveränderten Organismen, die Lebensmittelsicherheit regelt es nicht. Der Problemdruck ist groß - das südliche Afrika durchlebt gerade eine Dürre, in vielen Ländern der Region sind Millionen von Menschen auf Hungerhilfe angewiesen. Für Monsanto-Vertreter Wally M. Green laufen die Afrikaner Gefahr, in dieser Lage wieder einmal eine Chance zu verpassen:

" Sie haben die Grüne Revolution verpasst, die Industrielle Revolution, die Revolution in der Informationstechnik. Lasst uns nicht auch noch die Gentechnik-Revolution verpassen, denn sie bringt den Ländern Afrikas gewaltige Möglichkeiten. Wir haben hier eine biologische Vielfalt. Wenn wir die Gene verstehen könnten und wie sie in der Natur wirken, dann können wir sie isolieren und in Nutzpflanzen integrieren. Wir können marktfähige Produkte herstellen. Das schafft neue Jobs und einen Exportmarkt."

Die Kleinbauern in KwaZulu Natal mussten inzwischen die Erfahrung machen, dass die neue Technik nicht nur Probleme löst, sondern auch welche schafft. Der Weltmarkt für Baumwolle leidet unter Überproduktion. Und die ist nicht zuletzt eine Folge der Gentechnik: Sie hat die Erträge verbessert und die Produktionskosten verringert. Dazu kommen gewaltige Mengen an hoch subventionierter Baumwolle, die aus den USA und Europa auf die Weltmärkte gelangt. Die Baumwollerzeuger in Südafrika bekommen für ihre Ware derzeit nur noch etwa halb so viel wie vor wenigen Jahren. Der Landwirt Jeremiah Mabika aus KwaZulu Natal hat an seinem Hauptprodukt deshalb nur wenig Freude.

" Die wirtschaftliche Lage ist momentan sehr schlecht. Denn das Saatgut und die Chemikalien sind zu teuer, doch wenn wir die Baumwolle an die Fabrik verkaufen möchten, bekommen wir nichts, verglichen mit dem, was man verschwendet, wenn man Baumwolle anbaut. Wenn sich der Baumwollpreis nicht verbessert, muss ich darüber nachdenken, meinen Anbau zu reduzieren."

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