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StartseiteForschung aktuellDie Pionierleistung des William Smith20.01.2015

GeologieDie Pionierleistung des William Smith

Ein Landvermesser ohne akademische Bildung, dafür aber mit dem scharfen Blick für Landschaft und Gesteine: William Smith brachte 1815 die erste geologische Karte eines ganzen Landes heraus: die von England, Wales und Süd-Schottland. Heute gilt er als einer der Väter der englischen Geologie.

Von Dagmar Röhrlich

Die geologische Karte von Großbritannien gab William Smith (1769-1839) im Jahr 1815 heraus (LiveScience Image Gallery / Wikimedia)
Die geologische Karte von Großbritannien gab William Smith (1769-1839) im Jahr 1815 heraus (LiveScience Image Gallery / Wikimedia)
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Sein Vater war Schmied. Damit war die Herkunft von William Smith ebenso wenig beeindruckend, wie seine Ausbildung: In der Dorfschule, die er besuchte, lernte der 1769 geborene Junge gerade das Nötigste. Als er 18 war, nahm ihn der Landvermesser Edward Webb auf und bildete ihn aus. Damit begann eine ungewöhnliche Karriere, erzählt Hugh Torrens, emeritierter Professor der University of Keele:

"Für mich hat William Smith die Erkundung von mineralischen Lagerstätten begründet: Wo auch immer auf der Welt Geologen nach Kupfer oder Eisen suchen, wenden sie seine Prinzipien an."

Als Landvermesser hatte William Smith einen damals gefragten Beruf. Schließlich lief in England und Wales eine Flurbereinigung, und die industrielle Revolution verlangte Kohle und Transportwege, so Torrens:

"William Smith wurde nach Somerset in Südengland geschickt. Dort war er nicht nur über Tage als Vermesser tätig, sondern auch unter Tage in einer Kohlengrube. Dann arbeitete er für den Kanalbau, weil die Kohle über Kanäle zu den Fabriken geschafft werden musste. Weil Wasser nun einmal nicht bergauf fließt, mussten tiefe Einschnitte in die Landschaft gegraben werden. Die legten den Untergrund frei, sodass Smith ihn wohl besser kannte als jeder andere Vermesser seiner Zeit."

Geologie erzählt die Geschichte eines Landes

William Smith erwies sich dabei als hervorragender Beobachter und Analytiker. Er erkannte, dass Gesteine keineswegs willkürlich übers Land verteilt sind. Vielmehr waren Gesteinsschichten dreidimensional aufgebaut, und so identifizierte er die Ordnung darin, sagt Torrens:

"Ich vergleiche das gerne mit dem Alphabet, mit dem wir Stichwortverzeichnisse anlegen: William Smith indizierte die Gesteinsfolge der britischen Hauptinsel."

Smith erkannte auch den praktischen Nutzen für die Suche nach Kohle. Wer Kohle fand, konnte reich werden, nur war die Suche ineffizient.

"Viele Gesteine sind allgegenwärtig, Sandsteine etwa, Ton- oder Kalksteine. Nehmen wir schwarze Schiefer. Damals dachte jeder, dass Kohle diese Schiefer schwarz färben würde. Unsummen an Geld wurden verschwendet, um in den falschen schwarzen Schiefern nach Kohle suchte. Es war William Smith, der diese gleich aussehenden Gesteine, die alle vor ihm in die Irre geleitet hatte, auseinander sortierte und ordnete."

Er entdeckte auch, dass manche Fossilien für bestimmte Gesteinsschichten typisch sind - und dass sich diese Schichten dann mithilfe der Versteinerungen über weite Strecken korrelieren lassen. In Kontinentaleuropa hatten auch andere Gelehrte diese Prinzipien erkannt. Aber davon wusste William Smith nichts. Vor allem aber war er der erste, der sie über große Gebiete hinweg anwandte. Und so war seine geologische Karte von 1815 die erste eines ganzen Landes.

Sisyphusarbeit mit praktischem Nutzen

Außerdem kolorierte er zusammengehörende Schichten in gleichen Farben und deutete dabei durch Schattierungen ihren räumlichen Verlauf an - etwa, wenn eine Schicht unter einer anderen in der Tiefe verschwindet. Das machte diese Karte für die praktische Arbeit so nützlich. In ihr steckte eine Sisyphusarbeit, betont Torrens:

"Als dieser außergewöhnliche Mann das Ordnen der geologischen Schichten zu seinem Lebenswerk machte, nutzte er seine Aufträge, um zu Fuß, zu Pferd, mit der Kutsche oder über die Kanäle möglichst viele Landstriche zu erkunden. Bis zu 15.000 Kilometer legte er jährlich zurück. Für die Karte bezahlt wurde er nicht. Es ist selten, dass jemand unter so große Mühen eine unbezahlte Arbeit vollendet."

Und diese unbezahlte Arbeit brachte ihm zunächst auch nur Ärger ein. Die Mitglieder der Geological Society of London glaubten nicht, dass ein Landvermesser ohne richtige Schulbildung etwas Wichtiges entdeckt haben könnte. Als ihnen der Nutzen der Karte klar wurde, plagiierten sie sie und verkauften sie billig. Für William Smith war das der Ruin: Er landete im Schuldgefängnis. Erst gegen Ende seines Lebens wurde ihm die Anerkennung zuteil, die ihm gebührte: 1831 - acht Jahre vor seinem Tod - ehrte ihn die Geological Society of London als "Vater der englischen Geologie".

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