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StartseiteForschung aktuellVon Sanddünen und Windrichtungen 13.01.2014

Geologie Von Sanddünen und Windrichtungen

Der Wind formt Dünen - so viel ist bekannt. Doch wie er das genau macht, haben jetzt französische und chinesische Forscher in der Wüste Gobi untersucht. Dabei stellten sich die wandernden Hügel als eine Art Windarchiv heraus, das wertvolle Informationen über das Klima preisgibt.

Von Monika Seynsche

Eine Sanddüne (Stock.XCHNG / Angus Wurth)
Die Sandzeichnung von Dünen verrät einiges über das Windverhalten. (Stock.XCHNG / Angus Wurth)

Das Experiment beginnt am 20. Dezember 2007 mit einem Bulldozer. Clément Narteau vom Institut de Physique du Globe de Paris und seine Kollegen sind in den südlichsten Zipfel der Wüste Gobi gereist. Hier, in der zu China gehörenden Inneren Mongolei, fahren sie mit ihrem Bulldozer in die Sandwüste. Am Ende des Tages sind 16 Hektar Dünen platt.

"Wir haben die Wüste planiert um die ursprünglichen Bedingungen zu schaffen. Und dann haben wir geschaut, was passiert, wie also neue Dünen entstehen. Wir haben in einer realen Landschaft ein Laborexperiment durchgeführt, um die Entstehung von Dünen untersuchen zu können."

Im Labor lassen sich die komplexen Vorgänge, die zur Entstehung von Dünen führen, kaum nachbilden. Deshalb errichteten die Forscher in ihrem Versuchsgebiet automatische Windmessgeräte und schauten dann dreieinhalb Jahre lang zu, wie der Wind wehte und die neu entstehenden Dünen formte.

Die Forscher maßen zwei vorherrschende Windrichtungen. Im Winter ist die Region von Winden aus Nordwestlicher Richtung geprägt. Im Sommer dagegen dominiert Ostwind.

"Wir konnten so zum ersten Mal eine 30 Jahre alte Theorie über windgeprägte Landschaftsformen bestätigen. Diese Theorie besagt: Wenn zwei verschiedene Windrichtungen vorherrschen, bilden sich die Dünenkämme nicht im rechten Winkel zu einer der beiden Windrichtungen, sondern dazwischen, in einem Winkel von etwa 50 Grad zur Richtung des Sandtransports."

Clément Narteau und seinen Kollegen ist es damit zum ersten Mal gelungen, das Windregime einer Region in Beziehung zu setzen zur Form der Dünen. Und das Windregime wiederum beeinflusst das Klima eines Ortes. Denn es ist der Wind, der warme oder kalte Luftmassen um die Erde treibt. Die Ergebnisse des Wüstenexperiments könnten daher nach Ansicht Clément Narteaus helfen, noch ganz andere Fragestellungen zu beantworten.

"Wir wissen oft nicht, welche Windregime zu anderen Zeiten oder auf anderen Himmelskörpern vorherrschen. Wir können dort schließlich keine Messgeräte installieren. Das gilt für den Mars, den Titan, aber es gilt auch für die Erde der Vergangenheit. Aber jetzt können wir aus der Form der Dünen auf die atmosphärischen Strömungen schließen, die auf fernen Planeten herrschen oder aber auch vor langer Zeit auf der Erde wirkten. Die Dünen sind eine Art Windarchiv. Aus ihnen können wir also Informationen über das Klima ableiten und es ist sehr wichtig auf anderen Planeten aber auch auf der Erde die Entwicklung des Klimas der vergangenen Jahrzehnte, Jahrhunderte oder auch Jahrtausende untersuchen zu können."

Je größer die Dünen sind, desto weiter in die Vergangenheit lassen sie blicken. Clément Narteau und seine Kollegen wollen in Zukunft wieder mit ihrem Bulldozer in die Wüste fahren, um noch mehr über die Entstehung von Dünen zu erfahren. 

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