Freitag, 22.03.2019
 

Germania beantragt InsolvenzAirlines am Limit

Die Fluggesellschaft Germania ist Opfer eines gnadenlosen Wettbewerbes, meint Klemens Kindermann. Die Probleme der Luftverkehrswirtschaft seien nicht gelöst. Trotz der Air-Berlin-Pleite habe die Bundesregierung bisher kaum reagiert.

Von Klemens Kindermann

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Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Germania steht auf dem Rollfeld am Flughafen Münster/Osnabrück im Regen. (dpa/Guido Kirchner)
Die Fluggesellschaft Germania ist insolvent. Ihre Maschinen bleiben am Boden (dpa/Guido Kirchner)
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Streiks, Unwetter und die Nachwehen der Air-Berlin-Pleite: die Flugpassagiere haben ein anstrengendes Jahr 2018 hinter sich. Die Insolvenz der Fluggesellschaft Germania zeigt: es könnte so weitergehen. Denn die Probleme der Luftverkehrswirtschaft sind nicht gelöst. Die Airlines fliegen am Limit – hinein in einen immer dichteren Himmel über Deutschland.

Mehr als 3,3 Millionen kommerzielle Flüge wurden letztes Jahr im Luftraum über Deutschland registriert: so viele wie nie zuvor. Gleichzeitig wird der Wettbewerb in diesem Wachstumsmarkt immer gnadenloser: um die Tickets möglichst billig anbieten zu können, kalkulieren die Airlines auf Kante. Da reicht dann ein kurzfristiger Anstieg der Kerosinpreise oder eine Schwankung im Dollar-Euro-Wechselkurs und schon gibt es Finanzierungslücken. Der Germania ist genau dies jetzt zum Verhängnis geworden.

Gipfel ohne Ergebnisse

Die Bundesregierung hat zwar gerade die Bahn als Mobilitäts-Thema wiederentdeckt, um das sie sich verstärkt kümmern will. Sie sollte aber mindestens genauso intensiv auch die Schwierigkeiten im Luftverkehr angehen. Der von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer im letzten Herbst einberufene Gipfel mit Länder-Verkehrsministern und Flugbranche hat bisher kaum sichtbare Ergebnisse gezeitigt. Noch nicht einmal beim Verbraucherschutz, also einer Festschreibung des Insolvenzschutzes für Fluggäste auch jenseits der Pauschalreisen, ist etwas passiert – und das trotz der Erfahrungen mit der Air-Berlin-Pleite.

Ebenso wenig geht es voran bei der dringend erforderlichen Verbesserung der Infrastruktur: Sollte der Hauptstadtflughafen irgendwann eröffnet werden, wird er bereits zu wenig Kapazitäten haben, weshalb die Lufthansa jetzt schon auf eine Offenhaltung von Tegel dringt. Die deutschen Flughäfen sind völlig überlastet und haben kaum noch Reserven – das sind Probleme, die nicht die Airlines lösen können, sondern nur die Politik.

Ökonomische Fehlsteuerung

Wenn jeder vierte Berliner Flugpassagier letztes Jahr innerdeutsch unterwegs war, hauptsächlich nach Frankfurt oder nach München, dann ist das nicht nur ökologischer Unsinn, sondern auch ökonomisch eine Fehlsteuerung. 80 Prozent der Inlandsflüge könnten als Entlastung auf die Schiene verlagert werden – dazu aber muss sich auch bei der Bahn einiges ändern. Dies wiederum ist eine Aufgabe für den Eigentümer, den Bund, und damit für die Bundesregierung, die Verkehrsgipfeln gerne auch einmal Taten folgen lassen kann.  

 

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

 

 

 

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