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StartseiteUmwelt und VerbraucherFlugreisende können Schaden online zurückfordern08.04.2019

Germania InsolvenzFlugreisende können Schaden online zurückfordern

Gläubiger der Berliner Airline Germania können ab sofort ihre Forderungen zur sogenannten Insolvenztabelle anmelden. Tausende Urlauber waren von der Einstellung des Flugbetriebs im Februar betroffen. Sie können nur ihren Schaden beziffern und einreichen.

Von Daniela Siebert

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Ein grünes Flugzeug mit der Aufschrift #flygermania am Flughafen Rostock-Laage (dpa-Zentralbild)
Am 5. Februar erwischte es viele Flugreisende eiskalt: die deutsche Fluggesellschaft Germania strich alle ihre Flüge und meldete Insolvenz an. (dpa-Zentralbild)
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Ab heute nimmt Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg Meldungen zur Insolvenztabelle entgegen. Geschätzte 600.000 Flugreisende, die ihre Tickets selbst bezahlt haben, aber nicht abfliegen konnten, Tausende Urlauber. Aber auch noch viele andere. Rüdiger Wienberg:

"Es gibt natürlich die verschiedensten Gläubigergruppen, das sind die Arbeitnehmer, das sind die Leasing-Geber, das sind natürlich die Reisenden, das sind Lieferanten, über Papier oder Fluggeräte oder Ähnliches, hinzu kommt natürlich die Bundesagentur für Arbeit, die ja über die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes letzten Endes auch Großgläubiger geworden ist, und vor dem Hintergrund ist es eine bunte Mischung an Gläubigern."

Online gibt es für sie alle ab heute ein Gläubigerportal: Germania Insolvenz Solution - Verfahrensportal

Gläubiger, die ihm bekannt sind, will der Insolvenzverwalter selbst gezielt anschreiben, das kann auch an E-Mail-Adressen gehen, die Passagiere bei Germania hinterlegt hatten. Meldefähig sind diverse Konsequenzen des plötzlichen Groundings.

"In erster Linie natürlich das, was Sie für das Ticket bezahlt haben, darüber hinaus kommt jeder erdenkliche Schaden in Betracht, den Sie dadurch erlitten haben. Das kann einerseits natürlich der Flug sein, andererseits sind das die Ersatzkosten, um dann doch in den Urlaub zu kommen, oder eben die Folgeschäden, die dadurch entstanden sind, dass man nicht im Urlaub ankam, dann konnte man weder das Hotel noch das Auto in Anspruch nehmen, muss es aber möglicherweise trotzdem bezahlen. Dann gibt es natürlich auch Rechtsverfolgungskosten, also wenn man einen Rechtsanwalt bezahlt hat, das bedingt aber, dass diese Kosten vor der Eröffnung des Verfahrens am 1.4. angefallen sind."

Parallel dazu wird der Insolvenzverwalter ermitteln, mit welchen Guthaben bzw. Ansprüchen der Germania er die Insolvenzmasse noch vergrößern kann. Bis über die einzelnen Gläubigerforderungen entschieden wird, kann es Jahre dauern, erwartet er.

"Man kann nicht unmittelbar mit einer Zahlung rechnen. Wir haben natürlich auch viele streitige Forderungen, teilweise müssen wir die Ansprüche erst aufdecken und müssen die dann streitig beim Gericht durchsetzen und das kann Jahre dauern. In einem Verfahren dieser Größenordnung und weil die Gesetzlichkeit uns vorgibt, dass wir erst alles verwertet haben müssen, bevor wir es verteilen können, wird das hier Jahre dauern, also nicht unter 4-5 Jahren schätze ich."

Insolvenzschutzgesetz für Flugreisende gefordert

Eva Klaar von der Verbraucherzentrale Berlin macht den Tickethaltern aber wenig Hoffnung auf finanzielle Kompensation. Trotzdem sollte man seine Forderungen zur Insolvenztabelle anmelden:

"Das sollte wirklich jeder auch tun, obwohl es leider wirklich so ist aus der Erfahrung heraus: die Kunden stehen eigentlich in der Gläubigerschlange immer ganz hinten, das heißt hier überhaupt eine Kleinstquote zu erwarten, ist relativ aussichtslos."

Das gelte auch, wenn man beispielsweise Stornokosten für einen über Germania gebuchten Mietwagen mit in Anschlag bringe oder ähnlich Folgekosten wie verlängerte Hotelbuchung und Taxiquittungen. Wegen Erfahrungen wie jetzt mit Germania und zuvor schon mit Air Berlin und anderen insolventen Fluglinien, fordern die Verbraucherschützer schon seit Jahren ein Insolvenzschutzgesetz für Flugreisende.

Käuferschutz bie Pay Pal in Anspruch nehmen

Immerhin: Eva Klaar hat noch einen vielversprechenderen Tipp für die Geschädigten auf Lager.

"Wenn ich jetzt zum Beispiel über Pay Pal bezahlt habe, dann würden wir immer empfehlen, den Käuferschutz in Anspruch zu nehmen, es auch jetzt noch zu versuchen, über Pay Pal aufzufordern, hier diesen gezahlten Betrag an Germania zurückholen."

Wer sein Germaniaticket mit Kreditkarte bezahlt hat und durch die Insolvenz nicht mehr nutzen konnte, der könne ebenfalls bei den entsprechenden Kreditkartenunternehmen seine Zahlung zurückfordern, so die Reiserechtsexpertin. Die möglichen Fristen hierfür unterscheiden sich von Bank zu Bank so Eva Klaar, einen Versuch sei es aber immer Wert.

Für alle, die sich an die Insolvenztabelle halten:

Für den 8. Mai ist die erste Gläubigerversammlung geplant. Nicht öffentlich. In Berlin.

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