Donnerstag, 21.02.2019
 
Seit 00:05 Uhr Fazit
StartseiteVerbrauchertippHilfe, mein Nachbar raucht!17.01.2019

GeruchsbelästigungHilfe, mein Nachbar raucht!

In der eigenen Mietwohnung darf man rauchen. Wenn einer aber soviel raucht, dass es die Nachbarn stört, muss man Kompromisse finden. Wie man dabei als Mieter am besten vorgeht, erklärt der Mieterverein.

Von Maike Strietholt

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Eine Frau raucht am 15.01.2015 in Karlsruhe (Baden-Württemberg) auf einem Balkon eine Zigarette. (Uli Deck/dpa)
Frische Luft schnappen - das kann für Nachbarn, mit angrenzenden Balkonen etwas komplett Unterschiedliches bedeuten... (Uli Deck/dpa)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Pocket
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Zehn Jahre Rauchverbot Langer Streit um den blauen Dunst

Trinkwasser Das Ende der Bleirohre

Last und Lust des Umziehens (4) Mietminderung

Das Rauchen von Zigaretten gehört, wenn nicht anders im Mietvertrag geregelt, zur rechtmäßigen Nutzung einer Mietwohnung - sagt Siegmund Chychla vom Mieterverein zu Hamburg: 

"Erstens muss man festhalten, dass die Wohnung ein geschützter Raum ist und jeder Mieter dort alles machen kann, was ihm so einfällt. Wenn man normaler Raucher ist, dürfte das unproblematisch sein, dass seine Emissionen nicht andere belästigen, dass man nicht zum Treppenhaus lüftet. Das ist nämlich schon vertragswidrig. Etwas anderes ist es, wenn es sich um Intensivraucher handelt."

Und die Nachbarn sich der Rauchbelästigung nicht entziehen können. So wie im Fall von Sandra Krug aus Hannover: "Mein Problem mit meinen neuen Nachbarn ist, dass beide ziemlich starke Raucher sind und diese Nachbarn auch ständig auf ihren Balkon gehen und rauchen. Unsere Balkone sind direkt nebeneinander. Also kann der Rauch rüberziehen. Und das jede Stunde mindestens ein-, zwei-, dreimal." 

Die Suche nach Kompromissen

Da Sandra Krug an einer Lungenerkrankung leidet und auf Frischluft angewiesen ist, sprach sie die Nachbarn an.

"Der erste Schritt war, dass ich sie gebeten habe, dass sie sich auf die andere Seite des Balkons stellen möchten. Dann haben wir von beiden Seiten versucht, die Sichtwand etwas abzudichten. Und dann habe ich vorgeschlagen, dass wir doch Raucherzeiten einführen sollten, dass ich quasi dann immer weiß, wann ich die Tür schließen sollte, weil der Rauch einfach dann auch ständig in meiner Wohnung hängt."

Bislang hat keiner der Ansätze zu einer für beide Seiten befriedigenden Lösung geführt. Zunächst das Gespräch mit den Nachbarn zu suchen, ist aber auch aus Sicht des Mietervereins die richtige Herangehensweise. Und wenn das nicht klappt?

Auf Unterlassung klagen

"Wenn Gespräche mit dem Nachbarn unfruchtbar waren, soll man sich an den Vermieter wenden", empfiehlt Chychla. "Dann würde der Vermieter den Intensivraucher anschreiben und ihn auffordern, sich zurückzunehmen. Sollte auch das unfruchtbar bleiben, wird dem betroffenen Mieter nichts anderes übrig bleiben, als den Nachbarn auf Unterlassung zu verklagen. Da gibt es Entscheidungen, die dieses Verhalten des stark rauchenden Mieters einschränken."

In Sandra Krugs Fall könnte ein solches Gerichtsurteil so aussehen, dass die Nachbarn nur bei jeder dritten Zigarette oder nur zu bestimmten Tageszeiten auf dem Balkon rauchen dürfen, und dies ansonsten in der Wohnung erledigen müssen. In Vorbereitung einer Gerichtsverhandlung ist es empfehlenswert, ein Protokoll über die Geruchsbelästigungen zu führen - idealerweise mit Zeugen.

Auch Mietminderung möglich

Eventuell hat aber auch der Vermieter Interesse daran, ein Gerichtsverfahren zu übernehmen. Noch einmal Siegmund Chychla: "Man stelle sich den Fall vor: Es gibt ein Mietshaus mit zehn Parteien, neun Parteien rauchen nicht, und die werden von einem Intensivraucher jetzt gestört. Wenn die Beeinträchtigung erheblich ist, führt das dazu, dass der betroffene Mieter seine Wohnung nicht mehr vertragsmäßig nutzen kann und das ein Mietminderungsrecht auslöst. Dann muss der Vermieter schon aus Eigennutz was unternehmen, um zu verhindern, dass die neun anderen Mieter die Miete mindern."

Eine solche Mietminderung könne bei fünf bis zehn Prozent liegen, ergänzt Chychla. Der Vermieter ist übrigens auch dann zuständig, wenn Decken oder Wände so undicht sind, dass der Zigarettenrauch hindurchzieht. Dann können betroffene Mieter vom Vermieter verlangen, diese baulichen Mängel zu beseitigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk