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StartseiteVerbrauchertippDie Tabus des Schenkens10.12.2018

Geschenk-KniggeDie Tabus des Schenkens

Ob Kunstgegenstände, eine Brust-OP oder einfach nur Geld: Beim Verschenken kann man eine Menge falsch machen. Kurz vor dem Weihnachtsfest sollte man einige Regeln unbedingt beachten, damit das Schenken ein Erfolg wird.

Von Hilde Braun

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Geldscheine als Geschenk verpackt (dpa/ Monika Skolimowska)
Geld zu verschenken ist nicht unbedingt eine gute Idee, weil dann der Beschenkte selbst sich noch Gedanken machen muss (dpa/ Monika Skolimowska)
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Tabu Nummer eins: Etwas verschenken, was man selbst loswerden will, weil man zum Beispiel aus reinem Pflichtgefühl handelt:

"Das Geschenk soll für den Anderen da sein und nicht für mich, sonst verschenkt der das dann auch weiter und dann entsteht eine Kette. Ich bin überzeugt, dass die anderen spüren, wenn sie ein Pflichtgeschenk bekommen, weil man dann sehr lieblos ein Geschenk heraussucht und ich glaube schon, dass der andere das spürt", erklärt Erwin Becker, Lebensberater und Psychologe der katholischen Ehe-, Lebens- und Familienberatung in Bergisch Gladbach.

Tabu Nummer zwei: Kunstgegenstände wie zum Beispiel Gemälde oder eine teure Vase. Die Wahrscheinlichkeit, hier den Geschmack des Beschenkten wie zum Beispiel der Schwiegertochter und ihrer Familie zu treffen, ist extrem gering. Häufiges Ergebnis:

"Und die gefällt überhaupt nicht. Dann passiert die Dynamik, dass die sagen 'Ja ist ja toll!', hängen das Bild immer nur auf, wenn die Eltern oder Schwiegereltern kommen."

"Socken, da kriegt jeder schlechte Laune"

Hier empfiehlt sich für die Beschenkten dann besser eine ehrliche Reaktion auf das Geschenk, empfiehlt der Psychologe: Miteinander ins Gespräch kommen ist angesagt. Aussprechen, dass das Geschenk nicht gefällt, denn: "Wie soll jemand ein Gespür dafür bekommen, was falsch ist an dem Geschenk? Wenn die sich so freuen, dann kriegen sie nächstes Jahr die gleiche Vase geschenkt."

Tabu Nummer drei: tatsächlich oder vermeintlich "Nützliches". "Socken, da kriegt jeder schlechte Laune." "Schlips, Krawatte, Oberhemd." "Haushaltsgeräte, weil das nichts Persönliches ist."

Bei diesen Weihnachtsgeschenken kann man kaum von Geschenken reden, auch wenn sie Geld kosten. Es sei denn sie wurden ausdrücklich gewünscht. Aber eigentlich sind es Gebrauchsgegenstände, die zwar nützlich sind, fragt sich nur für wen …

"Wenn man zum Beispiel so einen Putzwedel schenkt, dann ist das ja wie ein Wink mit dem Zaunpfahl so nach dem Motto: Du sollst putzen gehen, oder es ist nicht aufgeräumt oder so. Lieber was Schönes schenken."

Lieber was Kleines, was Besonderes

Psychologe Erwin Becker formuliert es so: "Phantasielose Geschenke wie irgendwelche Süßigkeiten oder auch Haushaltsgegenstände. Ich glaube einfach heutzutage, die meisten haben das alles, was sie brauchen und das ist dann nicht mehr etwas Besonderes ist. Lieber sich in Ruhe was Kleines - was Besonderes überlegen, als mit viel Geld etwas zu kaufen was der andere schon hat."

Absolutes Tabu: Geschenke, die man nicht wirklich dem anderen, sondern eigentlich sich selbst macht. Bespiel: ein Trainingsgerät, das man selbst gut gebrauchen kann, eine CD, die man selber schon immer haben wollte, oder gar eine Schönheitsoperation, die man dem oder meist DER Anderen bezahlt. Das tut nicht nur körperlich weh: "Brust-OP das geht gar nicht, da würde ich meinen Freund direkt wegschicken, der kann direkt gehen."

Und so schreibt es schon Freiherr von Knigge im 17. Jahrhundert: "Es bedarf eines gewissen Fingerspitzengefühls, wenn nicht ein Desaster ausbrechen soll. Geschenke sollten den Beschenkten weder beschämen noch frustrieren."

Niemals eine Form der Pflichterfüllung

Tabu Nummer fünf: einfach nur Geld. Erwin Becker: "Der Andere muss sich dann selber überlegen, was er mit dem Geld macht und das ist nicht die Idee von Schenken. Dass ich mir jetzt Gedanken machen muss, was mache ich mit dem Geld."

Freiherr von Knigge formuliert es so: "Wichtig sei es, dem Beschenkten das Gefühl zu vermitteln, dass die Gabe ganz speziell für ihn ausgesucht wurde. Niemals sollte es sich um eine Form der Pflichterfüllung handeln, der man Desinteresse oder gar Lieblosigkeit anmerkt."

Tabu Nummer sechs: Das Geschenk nicht einpacken! Eine schöne Verpackung steigert die Spannung und den Überraschungseffekt: ideal für ein Geschenk.

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