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StartseiteHintergrundGeschichte aktuell: Sterben für Marianne15.06.2004

Geschichte aktuell: Sterben für Marianne

Deutsche in der französischen Fremdenlegion

<em>Ja ich bin 1955, die große Arbeitslosigkeit in Deutschland. Im Winter auf dem Bau nichts zu machen und so. Und dann habe ich erfahren, dass man in der Legion noch gute Leute sucht und dann haben ich mich beworben.</em>

Von Matthias Rumpf

Französische Fremdenlegionäre in Algerien, 1960 (AP Archiv)
Französische Fremdenlegionäre in Algerien, 1960 (AP Archiv)
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Franz Hawig, 71 Jahre, 15 Jahre Fremdenlegion

Einmal waren es familiäre Verhältnisse. Einmal hab ich mich von meiner damaligen Partnerin getrennt und das also ein bisschen moralisch dazu, dass ich gesagt habe, ich hau ab. Und denn kam es zum zweiten Ostertag 1958 wo ich gesagt habe, ihr könnt mich mal alle. Hab mich in den Zug gesetzt und bin dann runter nach Trier und von Trier aus rüber nach Perl und von Perl bin ich dann über die französische Grenze nach der nächsten Gendarmerie und hab dann gesagt, hab mich da gemeldet und gesagt, so ich will in die Legion.

Siegfried Kull, 65 Jahre, 5 Jahre Fremdenlegion

Und eines Tages sind wir mit ein paar Mann runter nach Karlsruhe gefahren und so weiter, hatten so einen Kleinen getrunken und so weiter. Und dann haben wir gesagt, jetzt gehen wir in die Legion. Wir sind in Kehl gelandet und wir waren mit Mehreren aber ich bin der Einzige der da geblieben ist, weil die Anderen nicht gesund waren.

Otto Miosga, 73 Jahre, 5 Jahre Fremdenlegion

Indochina, Algerien, Marokko, Djibuti - lang ist die Liste der Einsatzgebiete der französischen Fremdenlegion nach dem zweiten Weltkrieg. An allen Ecken des zerfallenden französischen Kolonialreichs erklang, "Le Boudin" – die Blutwurst, das Marschlied der Legion. In den 50er Jahren entstand sogar eine deutsche Version dieses Marsches. Denn damals war die Legion in erster Linie deutsch. Rund 35.000 Deutsche verpflichteten sich in den Jahren nach dem Krieg zum Dienst in der Legion, sie suchten das Abenteuer oder versuchten einfach dem tristen Alltag in Nachkriegsdeutschland zu entfliehen.

Deutsche in der französischen Söldnertruppe hatten Tradition. Seit ihrer Gründung durch den Bürgerkönig Louis Philippe im Jahre 1831 stellten sie bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts fast immer das größte Kontingent. Zu Beginn waren es politische Flüchtlinge aus dem Deutschland der Restauration, die zur Legion kamen. Auch in den Kriegen 1870/71 und im ersten und zweiten Weltkrieg kämpften Deutsche in der Legion. Gerade nach dem 2. Weltkrieg nahm ihr Anteil sprunghaft zu zu. Zuerst rekrutierte die Legion unter den deutschen Kriegsgefangenen Angehörige der Wehrmacht und der Waffen-SS, in den frühen 50er Jahren hingegen waren es vor allem junge Männer, die in Deutschland wirtschaftlich keine Zukunft sahen. Damals war der Anteil an Deutschen so groß, dass er auch in der Fremdenlegion selbst als problematisch angesehen wurde, so der Historiker Eckehard Michels, der sich in einer Monographie den Deutschen in der Legion gewidmet hat.

In der Fremdenlegion selbst war man gar nicht so unbedingt begeistert darüber, weil einige Jahre nach dem Krieg doch noch immer ein gewisses Misstrauen gegenüber allen Deutschen war. Und da war immer so untergründig die Befürchtung, dass die Fremdenlegion sich womöglich eines Tages in eine deutsche Truppe wandeln könne, die den französischen Offizieren womöglich entgleiten würde. Deswegen gab es auch intern immer so eine Art Schwelle. Es sollten also möglichst nicht mehr als 50 Prozent aller Legionäre Deutsche sein. Für Frankreich selbst oder für die Fremdenlegion oder die französische Armee war das sicher auch keine angenehme Situation.

Aber Paris hatte kaum eine andere Wahl. Für die Kolonialkriege in Indochina und später in Algerien konnte Frankreich aus innenpolitischen Gründen keine regulären Truppen einsetzen. Es blieben die Kolonialtruppen und die Fremdenlegion, die wegen ihrer Schlagkraft und Einsatzbereitschaft geschätzt wurde. In Deutschland war dieser Einsatz nie besonders gern gesehen, auch wenn sich die Gründe dafür im Laufe der Zeit wandelten.

Dass deutsche in größerer Zahl in der Fremdenlegion gedient haben, das war in Deutschland immer unpopulär gewesen. Zunächst mal bis 1945 hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt, dass Frankreich eben als Erbfeind galt und dem gönnte man natürlich so wenig Soldaten wie möglich. Und die Idee, dass Deutsche unter der Trikolore kämpfen würden, das war einfach inakzeptabel. Nach 1945, dann in den frühen 50ern und besonders in den späten 50er Jahren wendete sich das Blatt dahingehend, dass man die Fremdenlegion als Instrument des Kolonialismus verurteilte.

Auch wenn in Deutschland die Legion nie eine guten Ruf besaß, das Verhältnis zu den Legionären selbst war ambivalent. Einerseits galten die Legionäre als Herumtreiber und Kriminelle, denn wer sich in die Legion verpflichtete, konnte dies bis zu einem gewissen Maße unter dem Schutz der Anonymität tun. Die Legion akzeptierte auch Bewerber, die keine Papiere vorlegten. Sie konnten unter falschem Namen eintreten.

Auf der anderen Seite nahm die Öffentlichkeit großen Anteil am Schicksal der Legionäre, vor allem wenn die Legion an großen Schlachten beteiligt war. So wurde 1954 während und nach der Entscheidungsschlacht im Indochinakrieg um Dien Bien Phu intensiv in den Medien über das Schicksal der deutschen Legionäre berichtet. Und Ende der 50er Jahre stand Freddy Quinn mit dem Song "Der Legionär" wochenlang an der Spitze der deutschen Hitparade.

Musik Freddy Quinn "Der Legionär"
Der Weg nach Haus ist schwer
für einen Legionär
und viele sehen die Heimat
die Heimat niemals mehr

Als besonderes Ärgernis galt in Deutschland, dass die Legion auf deutschem Boden um Freiwillige warb. In Offenburg und später in Landau in der Pfalz war die zentrale Anlaufstelle. In einigen anderen Städten unterhielt die Legion Anwerbebüros, an die sich Freiwillige wenden konnten. Deutsche Behörden versuchten zwar die Anwerbungen zu verhindern, aber letztlich waren sie machtlos. Die Bundesrepublik war vor 1955 nicht souverän und gegenüber der französischen Besatzungsarmee hatten die deutschen Behörden keine Autorität. Franz Hawig, der sich in Koblenz zur Legion meldete, erinnert sich.

Wie ich in Koblenz angekommen bin, hat man mich auf dem Bahnhof gefragt, wo ich hin will, da habe ich gesagt zu den Polizisten, die waren in zivil, warum sie das wissen wollen. Da haben die gesagt, wir möchten Sie warnen, dass se nicht in die Legion gehen, da kommen sie nicht zurück, da habe ich denen ganz frech geantwortet, jetzt weiß ich erst, dass es überhaupt eine Legion gibt und vielleicht geh ich jetzt doch hin, dann haben se gesagt, wir warnen sie noch mal.

Wohl auch, weil man sich in der Öffentlichkeit nicht erklären konnte, warum junge Deutsche auf die Idee kamen, sich unter fremder Fahne zum Kriegsdienst zu verpflichten, kursierten in der deutschen Öffentlichkeit immer wieder Gerüchte über bezahlte Werber, die junge Männer gegen Kopfgeld zum Dienst in der Legion verführten. Auf einen Plakat der Jungsozialisten von 1953 hieß es:

An alle jungen Deutschen! Warnung! Überall im Bundesgebiet suchen bezahlte Werber der Fremdenlegion ihre Opfer. Geht diesen Menschenräubern nicht ins Garn! Alle Verlockungen und Versprechungen sind Lüge. In Wahrheit heißt Fremdenlegion: Krankheit, Siechtum und Tod. Stellt Eure Jugend und Euer Leben nicht in den Dienst fremder Interessen.

Jeder der in der Legion gewesen ist, ist freiwillig da gewesen. Es hat keinen gegeben, der dazu gezwungen worden ist.

Sagt der ehemalige Legionär Siegfried Kull. Auch der Historiker Eckhard Michels hat bei seinen Recherchen keine Beweise für die Tätigkeit von bezahlten Werbern auf deutschem Boden gefunden.

Also das ist eine langlebige, zählebige Legende. Ich habe da keine Anhaltspunkte gefunden, dass es so was je gegeben hat. Man muss das auch einfach rein pragmatisch sehen. Hätte es solche auf Kopfgeldbasis arbeitende Werber gegeben, dann hätten die ja so zu sagen Ärzte und Geheimdienstleute in Einem sein müssen, die jemanden gesehen hätten und sofort hätten abprüfen können, ist der physisch überhaupt in der Lage in der Fremdenlegion zu dienen, ist der auch kein Kommunist oder kein Nazi oder sonst irgend ein Querulant. Das alles hätte dieser Mensch innerhalb von wenigen Minuten, bevor er den Kandidaten dann mit Alkohol betäubt, erkennen müssen, denn was nutzt es mit viel Aufwand junge Leute zu entführen in irgend eine Kaserne und dort stellt man dann bei der Rekrutierungskommission fest, dass völlig unwillig oder physisch unfähig sind den Dienst zu leisten.

In der Tat hat die Legion drei von vier Bewerbern abgelehnt, weil sie zu schwach waren oder aus anderen Gründen ungeeignet erschienen. Doch selbst wenn es keine Werber gab: die französisches Armee tat alles, um Deutsche für die Legion zu gewinnen. Dabei reichte der Arm der Legion über die eigene Besatzungszone hinaus. Vor allem aus dem britisch besetzten Ruhrgebiet, wo viele der harten Arbeit in den Bergwerken entfliehen wollten, war der Andrang groß.

Die französische Armee versuchte es allen Freiwilligen so einfach wie möglich zu machen, in die französische Besatzungszone zu kommen. Das fing eben damit an, dass jemand, der in Köln oder Düsseldorf wohnte, zum französischen Konsulat gehen konnte und sagen konnte ich möchte gerne in die Fremdenlegion eintreten. Dann bekam er da einen Freifahrschein, mit dem er bis Landau fahren konnte. Von da ging er dann vom Bahnhof in die französische Kaserne, wo das Anwerbungsbüro war und wurde da denn überprüft und wenn er als tauglich eingestuft wurde, wurde er mit dem Bus über die Grenze nach Frankreich gefahren.

Damit die Freiwilligen nicht auffielen, wurden sie für die Fahrt in französische Uniformen gesteckt. Bei einem solchen Transfer kam es 1952 im Grenzörtchen Schweigen zu einem Zwischenfall. Deutsche Grenzschützer wollten einen Bus mit Freiwilligen an der Weiterfahrt hindern und wurden dann durch herbeieilende französische Gendarmerie zurückgehalten. Das Ganze dokumentierte ein eigens bestellter Reporter und sorgte für einen Eklat. Nach diesem Vorfall gingen die Franzosen dazu über, die Freiwilligen von Baden-Baden nach Straßburg auszufliegen.

Vor allem der Bundesregierung war die Aufregung um die Legionäre gar nicht recht. Konrad Adenauer versuchte Mitte 50 Jahre, die Aussöhnung mit Frankreich zu fördern und die Bundesrepublik im Westen zu verankern. Eine französische Regierung, die Deutsche für ihre Kolonialkriege in den Tod schickte, war keine besonders gute Werbung für dieses Projekt. Um die Wogen zu glätten, versuchte der Bundeskanzler den Einsatz der deutschen Legionäre in Indochina auch im Interesse Deutschlands zu deuten. Im April 1954, während der Entscheidungsschlacht in Indochina um Dien Bien Phu, sagte er in einer Debatte im Bundestag.

Der Krieg in Indochina ist nicht allein eine französische Angelegenheit. Die Soldaten, die in Indochina Blut und Leben opfern, tun dies nicht für Frankreich allein, sondern im Dienste der Freiheit für die ganze Welt.

Adenauer sah sich auch deshalb zu einer Rechtfertigung des Einsatzes Deutscher in der Legion genötigt, weil die DDR sich intensiv des Themas angenommen hatte. Eckehard Michels:

Für die DDR-Regierung war das ein willkommenes Fressen, weil damit die Bundesregierung angeklagt werden konnten, deutsche Söhne an das Ausland zu verkaufen, die dann für die Interessen des Neokolonialismus aufgeopfert werden würden. Also es ging der DDR-Regierung nicht um die Einzelschicksale, sondern es war eine reine Instrumentalisierung der Frage, um die Regierung der Bundesrepublik zu diskreditiere.

... Mort pour la France?....

So produzierte der Rundfunk der DDR gleich mehrere Hörstücke, die sich mit dem Schicksal der deutschen Söldner auseinandersetzen. Auch hier standen die ruchlosen Werber, die junge Deutsche in die Legion entführten, meist im Zentrum der Geschichte. Im Hörspiel "Mort pour la France" von 1950 ist es ein junger Journalist, der von einem durchtriebenen Werber übertölpelt wird und sich in der Legion wiederfindet.

Bei Propaganda im Hörfunk blieb es nicht. In Indochina wurden darüber von dem Vietminh gefangen genommene deutsche Legionäre für eine Ausreise in die DDR geworben. Auch Otto Mioska, der während der Schlacht um Dien Bien Phu in Gefangenschaft geriet, wurde gefragt.

Zwischendurch hatten wir noch politischen Unterricht, sollten eventuell über China in die DDR zurückgeschickt werden. Da haben se Freiwillige gesucht, da hat sich fast keiner gemeldet, da haben sie es sein gelassen und dann wurden wir nachher, wie der Krieg praktisch zu Ende war dann ausgetauscht und kamen zurück.

Über die Jahre gelang es Ost-Berlin, einige Legionäre zur Reise in die DDR zu bewegen. Diese wurden dann der Öffentlichkeit präsentiert, auch um gegen die geplante Wiederbewaffnung zu polemisieren. Wie DDR-Chefpropagandist Gerhard Eisler auf einer Pressekonferenz in Ostberlin von 1952, an der über 60 Legionäre aus Indochina teilnahmen.

Will doch Adenauer noch Mitte Mai gemeinsam mit den Außenministern der Westmächte den Generalkriegspakt und das Militärabkommen unterzeichnen, die festlegen, dass hunderttausende junge Deutsche und Männer Westberlins und Westdeutschlands Schlachtvieh in der so genannten Europaarmee, in der europäischen Fremdenlegion der amerikanischen Kriegsbrandstifter werden sollen.

Doch die Propaganda verfing nicht, schon weil sich die Aussagen kaum mit der Realität deckten. Besser informiert und einfühlsamer zeigte sich der Journalist Max-Helmuth Rehbein, der für den Nordwestdeutschen Rundfunk nach Indochina reiste und sich 1955 in einem "Offenen Wort über die Fremdenlegion" an die Jugend wandte.

Ich habe sie mir angesehen, die Legionärslager in Dong Ha, im Dschungel bei Bari, in Cap St Jaques, auf der Passstraße nach Hue oder im ekelhaft weißen Sand von Tohan. Wellblechbaracken oder Zelte und ringsum Felsen, Diesteln oder Staub, sonst nichts. Ein paar Moskitos höchstens oder Blutegel. Und um sechs wecken, Kaffee fassen, Lagerdienst, Instandsetzungsarbeiten, Lagerdienst, exerzieren und Mittagspause auf dem schweißnassen Feldbett und weiter exerzieren, Lagerdienst und Instandsetzungsarbeiten. Dann kommt die Nacht und das Etablissement. Immer das selbe. Es gibt nur das eine und Sie kennen jedes verwüstete Gesicht und alle sentimentalen Lügen. Sie kennen den Schweißgeruch brauner Haut und den Mief schalen Bieres und den kalten Rauch der Gaulloise. Und wenn Sei ins Lager kommen, werden Sie sagen, dass die Nacht chapeau war, knorke, piekfein. Und Sie sagen die Deserteure – Schlappschwänze, Flaschen oder Angst vor der Strafkompanie. Es ist Trotz, es ist ein gewisser Trotz, der diese Männer auszeichnet. Es ist, glauben Sie mir eine Flucht in den Trotz. Denn eins sagen die Legionäre nicht: Dass sie Heimweh haben, dass sie verrecken vor Heimweh.

In Deutschland geriet die Bundesregierung nach der Schlacht um Dien Bien Phu zunehmend unter Druck. Mehrmals versuchten die Oppositionsparteien im Sommer 1954, die Bundesregierung dazu zu bewegen, etwas gegen die Anwerbungen auf deutschem Boden zu unternehmen. Am 15. Juni 1954 etwa forderte die FDP die Bundesregierung in einem Antrag auf, ....

...vor dem Eintritt junger Deutscher in die Fremdenlegion zu warnen und die Anwerbung auf deutschem Boden schärfer zu unterbinden.

Die Debatte im Bundestag zu diesem Antrag wehrte die Bundesregierung zunächst ab. In Frankreich stand im Sommer 1954 der Vertrag über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft zur Ratifizierung an, und vor diesem Termin wollte die Bundesregierung die deutsch-französischen Beziehungen nicht belasten.

Die Aussprache fand im Dezember 1954 statt, nachdem in der französischen Nationalversammlung das Projekt der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft gescheitert und klar war, dass Deutschland der Nato beitreten würde. Im Bundestag formulierten die Abgeordneten Herbert Schneider für die Deutsche Partei und Erich Mende für die FDP den Unmut über die Werbungen für die Legion auf deutschem Boden.

Es wird vielfach eingewandt, dass die Legionäre freiwillig zur Legion kämen. Selbstverständlich gibt es zahlreiche Männer, die freiwillig zur Legion stoßen. Aber wir dürfen nicht übersehen, dass ein großer Teil oft auch mit sehr unschönen Methoden zur Legion gezogen wird. Da helfen keine Dementis, dafür liegen zahlreiche Beweise vor.

Wir verkennen die hundertjährige Tradition und das Ansehen der französischen Fremdenlegion als einer Elitetruppe nicht. Wir glauben aber, dass man im Jahre 1954 nicht mehr mit Einrichtungen und Methoden einer längst überlebten nationalstaatlichen Kolonialpolitik den Geist europäischer Zusammenarbeit fördern kann.
Der psychologische Schaden, der durch die Anwerbung Deutscher für die Fremdenlegion und durch die Methoden der Anwerbung angerichtet wird, ist wesentlich schwerwiegender für das Wachsen eines europäischen Gemeinschaftsbewusstseins als der militärische Nutzeffekt.


Die Bundesregierung setzte weiter auf Stillhalten, denn, so der Historiker Eckhard Michels

.. insgesamt war die vorrangige Devise, das Thema eigentlich nicht so sehr auf die Tagesordnung zu bringen, weil es einfach wichtigeres gab, Weil sich Adenauer bewusst war, dass die Bundesrepublik noch ein besetztes Land ist. Und vorrangiges Ziel muss sein, die Souveränität möglichst schnell zu erreichen, was 1955 dann auch eintrat. Ab diesem Moment würde die Diskussion um die Anwerbung auf deutschem Boden auch hinfällig sein, bis dahin musste man so eine Art Durststrecke durchmachen und bei dem Thema low profil zeigen, um die Franzosen nicht zu verärgern.

Und in der Tat, bereits im März 1955, zwei Monate vor Erlangung der Souveränität, schloss das Anwerbebüro der Legion in Landau seine Tore. Die letzte JU-52, die Freiwillige für die Legion nach Frankreich ausflog, startete von Baden-Baden im Mai 1955. Bis zum Ende des Algerienkriegs 1962 kamen Interessenten über die Grüne Grenze nach Frankreich. Mitte der 60er Jahre dann ging das Kapitel Deutsche in der Fremdenlegion zu Ende. Die ungewisse Zukunft der Legion nach dem Ende des französischen Kolonialreichs und die Früchte des deutschen Wirtschaftswunders führten dazu, dass die Legion bei den Deutschen an Attraktivität verlor. Heute liegt ihr Anteil in der auf gut 7000 Mann verkleinerten Truppe bei rund drei Prozent.

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