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StartseiteHintergrundGeschichte aktuell: Vom heißen in den Kalten Krieg05.02.2003

Geschichte aktuell: Vom heißen in den Kalten Krieg

Stalingrad-Offiziere in der DDR

Es war schon etwas Besonderes, was die DDR-Medien vor 45 Jahren, im Januar 1958 zu vermelden wussten: Die Gründung einer neuen politischen Organisation, die auf den ersten Blick so gar nicht in das Spektrum der Nationalen Front zu passen schien. Bis heute mutet es eigenartig an, dass ausgerechnet im Ostberliner Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft eine Organisation geschaffen wurde, die eine illustre Schar ehemaliger Generäle und Offiziere der Wehrmacht vereinigte, die sich nach Kriegsende für ein Leben in Ostdeutschland entschieden hatten. Es war dies die "Arbeitsgemeinschaft ehemaliger Offiziere".

Jens Ebert

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Dominiert wurde diese Arbeitsgemeinschaft durch Generäle und Offiziere der 6. deutschen Armee, die nach der blutigen Schlacht um Stalingrad 1943 kapituliert hatten. Nicht wenige von ihnen hatten nach 1945 zuerst in der Sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR Karriere gemacht. Wie kam es zu dieser erstaunlichen Entwicklung von Angehörigen der "faschistischen" Wehrmacht, wie die offizielle Sprachregelung im Arbeiter- und Bauernstaat lautete? Die Anfänge reichen ins Jahr 1943 zurück, als insbesondere Stalingrader in der Gefangenschaft an der Gründung des Nationalkomitees "Freies Deutschland" und des "Bundes Deutscher Offiziere" beteiligt waren.

Sie waren die erste größere Gruppe von Kriegsgefangenen der Roten Armee und mit Generalfeldmarschall Paulus und zahlreichen Generälen wohl auch die prominenteste. Die Erfahrung, im Kessel von Stalingrad von der obersten deutschen Heeresführung allein gelassen, ja gar verraten worden zu sein, hatte diese Offiziere, denen seit der Schlacht eine mythische Aura anheftete, schon früh für die Werbungsversuche durch emigrierte deutsche Antifaschisten und Führer der Roten Armee empfänglich gemacht. Angehörige der Wehrmacht und Emigranten trafen sich geistig in der Absicht, die nationale Integrität Deutschlands zu bewahren: in einer Allianz gegen Hitler.

In vielen Gesprächen mit sowjetischen Intellektuellen wurden die Offiziere mit neuen Gedanken konfrontiert, wurde ihre bereits bestehende Distanz zur obersten deutschen Führung bestärkt. So knüpfte man bei den Schulungen der Kriegsgefangenen im Lager Krasnogorsk geschickt, wie bei General Otto Korfes, an deren eigene kritische Erkenntnisse an, wie Sigrid Wegner-Korfes in der Biographie ihres Vaters berichtet.

Professor Varga machte eine kurze Pause und schaute in die Zuschauer. "Meine Herren. Ein junger deutscher Generalstabsoffizier hat das, was ich vorhin über die Gründe der Unbesiegbarkeit unseres Sowjetlandes sagte, auf seine Art früh erkannt und vor einigen Jahren darüber geschrieben." Der kleine, etwas gedrungene General mit dem gutmütigen Gesichtsausdruck erhebt sich mit nervösen Bewegungen, geht zu Professor Varga, er liest die zitierte Stelle im Buch nach. "Meine Herren Generale, meine Herren Offiziere. – Es ist wahr, das Buch habe ich geschrieben – das ist mein Werk. Ich schäme mich, ich schäme mich tief, dass ich als General die richtigen Thesen, die ich als Hauptmann vor ca. 10 Jahren aufgestellt habe, völlig selbst negiert habe und dem militärischen Wahn Hitlers gefolgt bin."



Doch natürlich gab es auf sowjetischer Seite nicht selten Bestrebungen, die Offiziere für die psychologische Kriegsführung lediglich zu instrumentalisieren. Den Sowjets waren sie wegen ihrer bürgerlichen Herkunft, Bildung und Ausbildung immer auch verdächtig. Dies mag den deutschen Offizieren nicht bewusst gewesen sein. Die Bemühungen der Sowjets schmeichelte ihrem Selbstbewusstsein. So angetan, wie sich fast alle Wehrmachtsoffiziere von der Bildung, dem Intellekt und der freundlichen Verbindlichkeit ihrer sowjetischen und deutschen Gesprächspartner zeigten, so entsetzt wären sie sicher gewesen, mit welcher Sprache und mit welchem Kalkül in den geheimdienstlichen Protokollen über sie die Rede war. Eine Einschätzung von Walter Ulbricht:

Korfes, Spezialist für Kriegsgeschichte arbeitet mit uns – die bestehenden Fakten berücksichtigend – loyal zusammen. Er hasst den Faschismus, besonders seit dem 20. Juli 1944. An diesem Tag beziehungsweise danach wurden sein Schwager und andere ihm bekannte Offiziere durch Hitler umgebracht. K. ist geeignet als verbindendes Glied zwischen bestimmten Kreisen, braucht aber politische Führung und Kontrolle. K. kann nach bestimmter Zeit ausgenützt werden für die Arbeit auf dem von der Roten Armee besetzten Territorium.



Da sich viele Stalingrader im Nationalkomitee als verlässliche Partner im Kampf gegen Hitler erwiesen hatten, wurde ihnen auch im Nachkriegsdeutschland eine wichtige Rolle zugedacht. Waren sie doch nicht nur erfahrene Offiziere, sondern auch kompetente Fachleute in zivilen Berufen. Da an ihnen aber im Nachkriegsdeutschland, besonders im Westen das Stigma des Verrats haftete, war es durchaus plausibel, nach der Entlassung aus der Gefangenschaft in die sowjetisch besetzte Zone zu gehen – Versprechungen, ein früher Entlassungstermin und ein gewisser Druck der Roten Armee taten ihr übriges. Die Tochter von General Korfes, Sigrid Wegner-Korfes erinnert sich:

Mein Vater kriegte das Angebot, eigentlich ein ideales Angebot, in seinem alten Beruf zu arbeiten, an der Stelle zu arbeiten, die er durch die Vorbereitung des zweiten Weltkrieges verlassen hatte, in der Funktion zu arbeiten, die mein Großvater beziehungsweise sein Schwiegervater, innegehabt hatte, Hermann Maerz von Quirnheim, der bis Ende der zwanziger Jahre Präsident des Reichsarchivs gewesen war. Mein Vater wurde Leiter des Zentralarchivs in Potsdam, das heißt faktisch der Stelle die an die Stelle des Reichsarchivs getreten war. Und damit ist seinen beruflichen Wünschen maximal entgegen gekommen.



Nach der Gründung von KPD, SPD, CDU und LDPD hatte man in der sowjetischen Zone 1948 die National-Demokratische Partei Deutschlands als Sammelbecken für ehemalige Nazi-Mitläufer und Wehrmachtsoffiziere gegründet. Hier und in der CDU fanden Stalingrader ihre politische Heimat. Die sogenannten Blockparteien waren das Sprungbrett für berufliche und politische Karrieren. Doch selbst in der SED eröffneten sich Perspektiven für gewandelte und geläuterte Militärs, wie Martin Lattmann:

Nach meiner Rückkehr aus Gefangenschaft hatte ich einige Wochen später die Gelegenheit, mit Wilhelm Pieck zu sprechen. Ich dachte in dem Moment, wo ich nun mit ihm zusammentraf, daran, dass ich ihm im Mai 1945, als er die Hoffnung ausgesprochen hatte, dass ich einmal Marxist werden würde, doch sehr oppositionell geantwortet hatte, da werden Sie lange warten. Jetzt wusste ich, dass diese Antwort damals schon gar nicht meine richtige Ansicht war, wenn ich auch noch nicht ganz auf dem Weg alles erkannt hatte, hatte ich doch erkannt, dass hier die Menschen sind, die unsere Zukunft einmal entscheidend bestimmen werden. Ich fragte ihn nun also, ob ich wohl, ich der frühere General, in die Sozialistische Einheitspartei aufgenommen werden würde, wenn ich darum bäte.



Lattmann hatte sich eine hochrangige Position in der Staatlichen Plankommission der DDR gesucht. Seine Kameraden, Soldaten, Offiziere und Generale der Stalingrad-Armee waren nach dem Krieg auf vielen Feldern in Wirtschaft und Politik in Ostdeutschland tätig:

Oberst Günter Ludwig - Justizminister in Mecklenburg Generalmajor Bernhard Bechler - Innenminister der Provinz Brandenburg Oberst Luitpold Steidle - Gesundheitsminister der DDR, später Oberbürgermeister von Weimar Major Helmut Welz - Oberbürgermeister von Dresden Armeepfarrer Gerhard Kehnscherper - Dekan der theologischen Fakultät der Universität Greifswald Gefreiter Günter Kertscher - Chefredakteur der Berliner Zeitung, später stellvertretender Chefredakteur Neues Deutschland Hauptmann Paul Markgraf - Polizeipräsident von Berlin Kriegsgerichtsrat Kurt Schumann - Präsident des Obersten Gerichts der DDR

Die Liste ließe sich fortsetzen. Doch die zivile Karriere dauerte meist nicht lange. Bald nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann der Kalte Krieg, der Europa und Deutschland spaltete und immer wieder in einen heißen Krieg umzuschlagen drohte. Viele Stalingrader wurden für die Streitkräfte in der DDR reaktiviert. Sigrid Wegner-Korfes:

Ich selbst konnte dies ehrlich gesagt nicht verstehen. Und habe ihn damals auch gefragt, wieso er denn wieder zum Militär geht. Und da sagte er mir, dass damals Tschuikow der Oberkommandierende der sowjetischen Streitkräfte ein persönliches Gespräch mit ihm geführt hätte, wobei er ihm also gesagte hätte, sie waren mir ein in Stalingrad ein so guter Gegner, dass sie also auch als General über sehr gute Qualitäten verfügen, er hat dann aber, allzu gern ist er glaub ich nicht gegangen, aber er hat immerhin heraushandeln können, dass er nicht zur Armee, also zur Waffe ging, sondern dort die militärhistorische Abteilung innerhalb der NVA aufbauen konnte.



Die neue militärische Betätigung der Stalingrader war für die DDR noch wichtiger als die Nutzung ihrer zivilen beruflichen Qualitäten und sie hinterließ ihre Spuren - nicht nur bei der Anlehnung an die alten Uniformen. Wenige Jahre nach Kriegsende wurden beide Teile Deutschlands mit kräftiger Hilfe der jeweiligen Siegermacht aufgerüstet. Für die deutschen Offiziere waren somit die alten Feinde des Zweiten Weltkrieges wieder Gegner, jetzt nach Blöcken getrennt: Hier die Amerikaner, dort die Russen. Generäle und Offiziere der Stalingrad-Armee dienten nun in der Kasernierten Volkspolizei, später in der Nationalen Volksarmee, alle behielten ihre alten Wehrmachtsdienstgrade. So zum Beispiel Wilhelm Adam. Der Bauernsohn aus Hessen durchlief eine typische Offizierslaufbahn, wie der DDR-Rundfunk 1965 befand: Als Offizier aus dem 1. Weltkrieg zurückgekehrt, 1934 als Hauptmann in die Wehrmacht übernommen...

...von November 1941 an 1. Adjutant der 6. Armee. Bis hierher ein scheinbar gerader Weg. Bitter die Erkenntnis, dass dieser Weg ein Irrweg war. Darum auch fand er zu dieser Erkenntnis nicht von heute auf morgen, sondern in Tagen und Nächten zermürbenden Grübelns und Nachdenkens, durch Abwägen und Verwerfen, Lesen und Studieren und immer wieder durch Gespräche und Begegnungen.



Adams Biographie steht für einen Gründungsmythos der DDR, den von Katharsis und Wandlung. Durch das Studium sozialistischer Literatur trennt sich Adam allmählich von alten Anschauungen und wie in einem klassischen Entwicklungsroman stehen an den Wendepunkten des Lebens stets Ratgeber, kompetente Gesprächspartner bereit:

Es waren zwei Begegnungen, die einen sehr tiefen Eindruck auf mich machten und die eigentlich den Wandlungsprozess bei mir anbahnten. Die erste Begegnung war mit einem sowjetischen Professor, Professor Arnold, wir hatten einen sehr erregten Disput über deutsche Geschichte. Wir wurden, obgleich wir stundenlang diskutiert haben, damals nicht einig. Aber eins merkte ich, dass wir beide von einem ganz verschiedenen Standpunkt aus die deutsche Geschichte betrachteten.



Noch eine zweite Begegnung hatte ich wenige Tage später. Wir waren im Lager Susdal, ein altes Kloster, wehrhaftes Kloster, als der Lagerchef zu mir kam und mir mitteilte, dass ein Deutscher da sei, der sich mit Herrn Feldmarschall unterhalten wollte. Dieser Deutsche war Wilhelm Pieck.



Nach 1945 ist Adam in Sachsen Vorsitzender der National-Demokratischen Partei und Minister für Finanzen, bis er 1953 wieder die Uniform anzieht und Kommandeur der Offiziershochschule in Dresden wird. Hier pflegt er nach der Rückkehr von Generalfeldmarschall Friedrich Paulus alte Kontakte. Paulus hält Vorträge an der Hochschule seines ehemaligen Adjutanten. Politisch ist Adam in der Volkskammer aktiv, zusammen mit ehemaligen Stalingrad-Kameraden wie, Arno von Lenski, Otto Rühle, Günter Kertscher und einigen anderen. Die Stalingrader waren im DDR-Parlament quasi in Fraktionsstärke vertreten.

Maßgeblich am Aufbau neuer Streitkräfte beteiligt, ließen die Stalingrader in der Öffentlichkeit kaum eine Gelegenheit aus, die patriotischen, nationalen und vor allem friedliebenden Fundamente der DDR-Politik zu unterstreichen – und solche der Politik der Bundesrepublik abzusprechen. Gerade die nichtkommunistische Biographie der Generäle, ihre postulierte Wandlung durch die Erfahrung Stalingrad, erschien den SED-Funktionären in der propagandistischen Auseinandersetzung mit dem Westen besonders wirkungsvoll. Arno von Lenski 1954:

Wir wissen, dass auf Adenauers Wunsch immer neue Atombatterien in Westdeutschland eintreffen und dass in Folge dieser ständigen Kriegsdrohung immer mehr Ablehnung der amerikanischen Politik und Hass gegen die Amerikaner hervorgerufen wird. Uns Deutsche geht vor allem an, dass diese EVG-Politik von den USA und ihrem Handlanger Adenauer getrieben werden kann, weil sie sich auf die alten Kräfte des früheren preußisch-deutschen Militarismus stützen. Die ehemaligen Offiziere müssen endlich begreifen, dass es im Ablauf des zweiten Weltkrieges wirklich nicht darum ging, ob Hitler auf diesen oder jenen besserwissenden General gehört hat oder nicht, wie es heute einige Generäle darzustellen versuchen, die aus der Geschichte nichts gelernt haben und scheinbar nicht lernen wollen, weil sie mit den Millionären, nicht aber mit dem Volk verbunden sind. Sie müssen begreifen, und das ist die Lehre zweier Weltkriege, nicht auf kriegerischem Wege sind die nationalen Lebensfragen unseres Volkes zu lösen. Wer als ehemaliger deutscher Soldat oder Offizier seine Pflicht gegenüber unserem, Vaterland erfüllen will, kann das nur, wenn er sich in die Front derer einreiht, die gegen die Kriegsverträge von Bonn und Paris und für ein Deutschland des Friedens und der Demokratie streiten.



Als es Ende der 50er Jahre dann jüngere, nach dem Krieg ausgebildete Offiziere gab, sah der starke Mann der DDR, Walter Ulbricht, die Gelegenheit gekommen, die bürgerlichen Generale und Offiziere, denen er nie ganz über den Weg getraut hatte, wieder zu demilitarisieren. Um sie aber weiter in das politische System einzubeziehen und nicht zuletzt, um sie besser kontrollieren zu können, gründete man die Arbeitsgemeinschaft ehemaliger Offiziere. Am ersten Februar 1957, auf den Tag genau 14 Jahre nach der Kapitulation bei Stalingrad, starb Feldmarschall Friedrich Paulus in Dresden. Zu seiner Beerdigung erschienen viele seiner ehemaligen Offiziere und Generale. Hier soll die Idee geboren worden sein, die Arbeitsgemeinschaft zu gründen. Doch dies ist ein Mythos. Die Gründung erfolgte, wie alles Wichtige in der DDR, auf Initiative der SED-Führung. Das Politbüro beschloss:

Zur weiteren Stärkung und Festigung der Kampfbereitschaft der Nationalen Volksarmee, zur Heranbildung weiterer Offizierskader zum Kampf gegen den Militarismus in Westdeutschland und zur stärkeren politischen Einflussnahme auf das Offizierskorps in Westdeutschland die Versetzung der ehemaligen Offiziere in die Reserve sowie eine Organisation zu schaffen, die die Aufgabe hat, auf die ehemaligen Offiziere in Westdeutschland insbesondere auf die Offiziere der Bundesarmee einzuwirken.



Dieses Angebot wurde von Offizieren und Generälen in der DDR gern angenommen, deren Autorität in der Öffentlichkeit noch immer auf der Teilnahme an der legendären Schlacht um Stalingrad beruhte.

Doch trotz aller politischen Übereinstimmung, trotz der kompetenten Arbeit der Stalingrader, sicher war sich die SED-Führung derer Verlässlichkeit nie. Folgerichtig installierte die allgegenwärtige Staatssicherheit auch in der Arbeitsgemeinschaft ihr Überwachungssystem. Zwar gab es in der Person von Oberst Stern, einem ehemaligen Emigranten, der in der Roten Armee gedient hatte und offiziell als Verbindungsmann zur Nationalen Volksarmee fungierte, eine Kontrollinstanz, doch nicht einmal er durfte wissen, dass es in der Arbeitsgemeinschaft von der Stasi verpflichtete Inoffizielle Mitarbeiter an prominenter Stelle gab, IMs, die er selbst zu Zeiten des Nationalkomitees als geheime Mitarbeiter für sowjetische Stellen verpflichtet hatte. Und schließlich entsprach es der Logik des Systems, dass die Spitzel selbst bespitzelt wurden. Auch der damalige Sekretär für Sicherheitsfragen im Zentralkomitee, Erich Honecker, misstraute den Wehrmachtsoffizieren und untersagte die Einrichtung von Büros auf Bezirks- und Kreisebene. Er befürchtete:

Es bestünde die Gefahr, dass durch diese Zweigstellen die ehemaligen, aus der Nationalen Volksarmee entlassenen faschistischen Offiziere organisiert werden und Interessenvertretung für diese Leute werden.



Mit dem politischen Paradigmawechsel, offenkundig im personellen Wechsel von Ulbricht zu Honecker passte die Arbeitsgemeinschaft nicht mehr in die Realität. Ebenso unvermittelt wie ihre Gründung war auch das Ende 1971. Offiziell löste sich die Gemeinschaft, viele ihrer bekannteren Mitglieder waren bereits verstorben, selbst auf, doch wie 1958 war dem ein Beschluss des SED-Politbüros vorausgegangen. Die noch lebenden prominenten Stalingrader betätigten sich weiterhin, wie einer der wohl erfolgreichsten von ihnen. Der ehemalige Wehrmachtsmajor Heinrich Homann war in der Nachkriegszeit als Vorsitzender der NDPD zunächst Vizepräsident der Volkskammer, bis er 1960 zum stellvertretenden Staatsratsvorsitzenden der DDR aufstieg. Seine politische Laufbahn endete erst kurz vor dem Ende des Staates DDR - mit der nur eine Minute dauernden Verlesung seines Rücktritts in der Volkskammer-Sitzung vom 17. November 1989.

Flaniert man in Berlin Unter den Linden entlang, so sieht man noch heute sichtbare Spuren des Wirkens von Stalingradern: Denkmäler der preußischen Militärs Scharnhorst, Blücher und Gneisenau. Den Kommunisten lange Zeit suspekt, wurden sie auf Initiative von General Otto Korfes schon in den 50er Jahren an ihren alten Plätzen wieder aufgestellt.

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