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StartseiteCorsoHuhn auf dem Kopf12.03.2020

Geschichte der DummheitHuhn auf dem Kopf

"Cogito ergo dumm" - Sebastian Rabsahl, unter dem Namen "Sebastian 23" vielfach preisgekrönter Slampoet, schreibt in seinem neuen Buch über die größten Dummheiten der Weltgeschichte. Inklusive Selbsterkenntnis: "Ich bin demütiger geworden", sagte er im Dlf, "wir machen alle Dummheiten".

"Sebastian 23" im Corsogespräch mit Bernd Lechler

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(Pierre Jarawan)
Buchautor und Slampoet Sebastian Rabsahl alias "Sebastian 23" (Pierre Jarawan)
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Warum ein ganzes Buch über die Dummheit? Sie sei eben omnipräsent, erklärt "Sebastian 23", und zu wenig beachtet - schon die Duden-Definition ("Dummheit ist ein Mangel an Intelligenz") greift für Rabsahl zu kurz: "Das ist, als würde man sagen: Dunkelheit ist ein Mangel an Licht."

Sebastian Rabsahl alias "Sebastian 23" beschreibt in seinem - mehr unterhaltsamen als wissenschaftlichen - Buch, was er "Situative Dummheit" nennt: "Das ist, wenn man seinen Verstand nicht einsetzt, obwohl man eigentlich klug und clever ist und das könnte, aber man hat eine andere Motivation wie Angst oder Gier oder Arroganz, die verhindert, dass man den Verstand benutzt."

Wenn Klimaleugner überflutet werden

Als Beispiele für spektakuläre Dummheiten führt er eine mittelalterliche Methode zur Pestbekämpfung an, bei der man sich ein Huhn auf den Kopf setzte - oder auch einen Beschluss des Stadtrats von Venedig aus dem Jahr 2019, wonach der Klimawandel keinerlei Maßnahmen fordere. Wenige Minuten später musste der Sitzungssaal wegen Überflutung geräumt werden.

Rabsahl selbst habe bei seinen Recherchen etwa den Dunning-Kruger-Effekt kennengelernt, demzufolge Menschen mit wachsendem Wissen keineswegs selbstbewusster handeln: "Wenn wir ein kleines bisschen Erfahrung haben, denken wir, wir wüssten wahnsinnig gut Bescheid über ein Thema. Aber dann geht's runter: Je mehr wir wissen, desto unsicherer werden wir uns."

Irren ist menschlich - und bisweilen hilfreich

Aber ist wirklich dumm, wer sich irrt? "Nein", sagt "Sebastian 23", wir lernten durch unsere Dummheiten ja dazu. Beispiel: eine politische Diskussion, bei der ich mich von der Meinung eines anderen überzeugen lasse. "Dann bin ich derjenige, der in der Diskussion etwas gewonnen hat. Der andere hat nichts gewonnen."

Er hoffe, ein paar Einsichten zu vermitteln, wie der Mensch funktioniert, sagt Rabsahl. "Und dass wir akzeptieren, dass unsere eigene Möglichkeit, die Welt zu begreifen, ihre Grenzen hat und wir ruhig auch mal etwas Dummes tun dürfen." Solange die Motivation stimmt, betont er: "Man kann auch dumme Dinge tun, weil man böse Absichten verfolgt."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Sebastian 23: Cogito ergo dumm - Eine Geschichte der Dummheit
Benevento 2020, 336 Seiten, 16 Euro

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