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StartseiteInterview"Politische Kampftaktiken findet man auch heute wieder"05.05.2019

Geschichte der SA"Politische Kampftaktiken findet man auch heute wieder"

Die ziemlich hässliche Politik der Straßengewalt, wie sie auch die Sturmabteilung (SA) nutzte, finde auch heute Anhänger, sagt der Historiker Daniel Siemens im Dlf. Bestimmte Gruppierungen in Europa, wie etwa die UKIP in Großbritannien, nutzen so zum Beispiel auch die Ausgrenzung als Mittel.

Daniel Siemens im Gespräch mit Manfred Götzke

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Für einen NS-Film nachgestellte Szene des Fackelzugs der SA durch das Brandenburger Tor, mit dem die Nationalsozialisten am 30.01.1933 die Machtübernahme feierten (Archivbild vom Sommer 1933). (dpa / picture alliance )
Für einen NS-Film nachgestellte Szene des Fackelzugs der SA durch das Brandenburger Tor, mit dem die Nationalsozialisten am 30.01.1933 die Machtübernahme feierten (Archivbild vom Sommer 1933). (dpa / picture alliance )
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Die Rolle der SA im NS-Staat sei unterschätzt worden, sagte der Historiker und Autor des Buches "Sturmabteilung - Geschichte der SA". Das hänge damit mit zusammen, dass die Organisation nach dem Zweiten Weltkrieg vom Vorwurf der Beteiligung an dem Angriffskrieg freigesprochen wurde. Sie habe dann die Opferrolle des Röhm-Putsches für sich umgedeutet und behauptet, sie seien die ersten Opfer Hitlers gewesen. Man habe zu den NS-Verbrechen relativ wenig beigetragen.

Und das sei definitiv falsch. Denn die SA habe im NS-Regime weiterhin eine wesentliche Rolle gespielt, beispielsweise in der antisemitischen Verfolgung und auch in der Durchdringung der Gesellschaft mit NS-Gedankengut. So habe zum Beispiel der SA-Mann auf dem Dorf nach wie vor eine polizeiliche Rolle gehabt. "Der konnte jederzeit seine braune Uniform anziehen und sie dann im Rahmen des Staates überwachen und eventuell auch einsperren", so der Historiker. Auch hinter der Front sei die SA beteiligt gewesen.

Vorgehensweise heute wieder aktuell

Bestimmte politische Kampftaktiken finde man heute in der politischen Arena wieder, so Siemens. Man solle sich nicht so sicher sein, dass eine nach außen hin ziemlich hässliche Politik der Straßengewalt keine Anhänger mehr finde. Aktionen, wie sie die SA gemacht habe, seien in einigen neueren Gruppierungen in Europa wieder auferstanden.

Die Nationalsozialisten in den 20er-Jahren hätten im Grunde keine Sitze im Parlament und wenig Raum in der Öffentlichkeit gehabt. Sie entdeckten deshalb andere Arenen der Politik für sich, in diesem Fall die Straße. Und da mache man auf sich aufmerksam, wenn man laut sei und auch, wenn man Gewalt ausübe.

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