Verbrauchertipp 26.08.2019

Geschiedene ElternteileErziehungsrente: Was man wissen mussVon Klaus Deuse

Beitrag hören Ein Vater arbeitet am Laptop, während sein Kind daneben spielt. (imago stock&people)Stirbt der Ex-Partner, besteht für Alleinerziehende dennoch die Möglichkeit einer finanziellen Absicherung (imago stock&people)

Nicht jede Ehe, aus der Kinder hervorgehen, hält ein Leben lang. Nach der Scheidung können Alleinerziehende vom Ex-Partner Unterhalt für gemeinsame Kinder beanspruchen. Und auch nach dem Tod des Ex-Partners gibt es eine Möglichkeit, um als alleinerziehender Elternteil abgesichert zu sein.

Geschiedene Mütter oder Väter mit kleinen Kindern arbeiten oft nur in Teilzeit und sind aufgrund des geringen Einkommens auf die Unterhaltszahlungen des Ex-Partners angewiesen. Stirbt der ehemalige Partner, droht ein großes Finanzloch. In solchen Fällen, sagt Christian Runzer von der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See, kann man eine Erziehungsrente beantragen – wobei vielen gar nicht bekannt ist:

"Dass auch der Tod eines geschiedenen Ehegatten dazu führen kann, dass man Anspruch auf eine Rentenleistung hat."

Rente als Unterhaltsersatz

Geld, auf das alleinerziehende Geschiedene dringend angewiesen sind. Nach dem Tod des geschiedenen Ex-Partners erfüllt die Erziehungsrente, so Christian Runzer, daher einen ganz bestimmten Zweck.

"Diese Rente dient als Unterhaltsersatz und erlaubt es, sich verstärkt um die Erziehung der Kinder zu kümmern. Aufgrund der Tatsache, dass die Eheleute geschieden sind, entfällt ja die Hinterbliebenenrente. Und insofern dient dann dafür die Erziehungsrente, um hier Unterstützung zu leisten."

Mindestens ein Kind muss im Haushalt leben

Grundbedingung ist, dass mindestens ein minderjähriges Kind zum Haushalt des Antragstellers gehört. Die Erziehungsrente basiert aber nicht auf den erworbenen Rentenanwartschaften des verstorbenen Ex-Partners, sondern auf denen des überlebenden Elternteils. Wichtige Hürde: Ein Rentenanspruch setzt dabei voraus, dass der Antragsteller selbst die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erfüllt hat. Einschließlich Kindererziehungszeiten. Berechnet wird die Erziehungsrente wie eine Erwerbsminderung in voller Höhe, so dass sie den Lebensunterhalt mit absichern kann, erklärt Christian Runzer.

"Der Vorteil ist auch der, dass nicht nur die tatsächlich zurückgelegten Rentenanwartschaften berücksichtigt werden, sondern zusätzlich wird eine sogenannte Zurechnungszeit berücksichtigt. Das heißt: Vom Rentenbeginn an bzw. bis zum Erreichen des 64. Lebensjahres und vier Monate derzeit, wird die Versicherte so gestellt, als ob sie Beiträge eingezahlt hat in die Rentenversicherung, obwohl sie es tatsächlich nicht getan hat."

Netto-Arbeitsentgelt wird teilweise angerechnet

Falls man einer Erwerbstätigkeit nachgeht und ein eigenes Einkommen erzielt, dann, so Christian Runzer,

"Wird das Nettoarbeitsentgelt angerechnet, wenn es einen bestimmten Freibetrag überschreitet. Und dieser überschreitende Betrag wird zu 40 Prozent dann auf die Rente angerechnet."

Liegt das Nettoeinkommen zum Beispiel 100 Euro über dem Freibetrag, wird die Erziehungsrente um 40 Euro gekürzt.

Antragsfristen beachten

Gezahlt wird die Erziehungsrente bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres des Kindes. Bei einem behinderten Kind gibt es keine Altersbeschränkung. Berücksichtigt werden übrigens auch Stief- und Pflegekinder, wenn sie im Haushalt des Antragstellers aufgenommen worden sind. Um finanzielle Engpässe zu vermeiden, sollte man den Antrag möglichst innerhalb von drei Monaten nach dem Tod des Ex-Partners stellen.

"Dann beginnt die Rente mit dem Ersten des folgenden Monats. Wird die Rente nach Ablauf dieser drei Kalendermonate gestellt, dann beginnt die Rente mit Antragsmonat."

Beantragen kann man die Erziehungsrente bei den Außen- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung, bei den Gemeinden und den Versicherungsämtern der Städte. 

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