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StartseiteVerbrauchertippGut und günstig versichern lassen12.08.2019

Gesetzliche KrankenkassenGut und günstig versichern lassen

Gesetzlich Versicherte können viel Geld sparen, wenn sie einfach nur alle Angebote ihrer Krankenkasse ausnutzen - oder zu einer günstigeren Kasse wechseln. Das hat die Stiftung Warentest in einem Vergleich festgestellt.

Von Dieter Nürnberger

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Gesundheitskarten verschiedener Krankenkassen liegen auf einem Tisch.  (dpa / Jens Kalaene)
Gesundheitskarten: Ein Vergleich der Gesetzlichen Krankenkassen lohnt sich (dpa / Jens Kalaene)
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Zu Jahresbeginn gab es auch mal gute Nachrichten für gesetzlich Krankenversicherte. Denn an den Zusatzbeiträgen, die die Kassen zum regulären Satz von derzeit 14,6 Prozent erheben, müssen sich nun auch die Arbeitgeber zur Hälfte beteiligen. Vorher mussten die Kunden diese Beiträge alleine stemmen.

Sparen können Krankenversicherte auch weiterhin, in dem sie zu einer Kasse wechseln, die bei den Zusatzbeiträgen weniger verlangt als andere. Oder auch, wenn gebotene Extraleistungen einer Kasse ihnen mehr zusagen als beim bisherigen Versicherer.
 
Ein Wechsel der gesetzlichen Krankenkasse ist heutzutage wirklich keine große Sache mehr. Denn immerhin rund acht Millionen Versicherte haben das in den vergangenen fünf Jahren auch getan. Obwohl sich das Leistungsspektrum der Kassen nicht wesentlich unterscheidet, sagt Sabine Baierl-Johna, Versicherungsexpertin bei der Stiftung Warentest.  

"Die gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen machen so ungefähr 95 bis 97 Prozent aller Leistungen der GKV aus. Die sind gesetzlich vorgeschrieben und somit bei allen Kassen gleich. Manchmal gibt es Leistungen, die man beantragen muss - da ist die eine Kasse vielleicht auch schneller als die andere, aber grundsätzlich sind die Leistungen gesetzlich festgelegt und werden dann auch von allen bezahlt."

Beitragssatz zwischen 14,6 und 16 Prozent

Der reguläre Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung beträgt derzeit 14,6 Prozent. Hinzu kommt noch ein kassenindividueller Zusatzbeitrag, der im Schnitt rund 0,9 Prozent ausmacht. In der Warentest-Untersuchung von 75 für alle geöffneten Kassen lag der günstigste Gesamtbeitragssatz bei 14,9, die teureren lagen bei über 16 Prozent. Bei den Zusatzbeiträgen unterscheiden sich die Kassen also - und dafür bieten sie ihren Kunden auch unterschiedliche Extras an.  

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"Da können Sie wirklich von geldwerten Vorteilen profitieren. Beispielsweise, wenn Sie eine Reiseimpfung benötigen, da zahlen viele Kassen etwas dazu. Oder auch bei alternativen Behandlungen - etwa der Homöopathie oder Osteopathie. Da gibt es Zuschüsse, die die Krankenkassen bieten. Und auch bei der professionellen Zahnreinigung gibt es oft Geld von der Kasse dazu."

Weitere Unterschiede können auch Bonusprogramme betreffen. Denn einige Kassen belohnen regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen mit Beitragsrückerstattungen. Andere Kassen sind hier knausriger.

Versicherte sollten zuerst entscheiden, was ihnen an Zusatzleistungen wichtig ist, und dann die Anbieter vergleichen, so Warentesterin Sabine Baierl-Johna. Dann könne man wechseln oder bei der bisherigen Kasse bleiben.

"Denn viele wissen gar nichts davon, was die eigene Kasse auch alles so bietet. Und was man vielleicht auch nutzen könnte. Und da kann man vielleicht auch Geld allein dadurch sparen, dass man etwa in Anspruch nimmt, was man bisher noch nicht genutzt hat."

Viele Kassen bieten Extraleistungen

In der Untersuchung der Stiftung Warentest zeigte sich, dass viele Kassen inzwischen mehr Extraleistungen anbieten. Zum Beispiel auch einen digitalen Service für die Versicherten. Das kann helfen, mehr Informationen zu bekommen, oder auch Leistungen schneller abzurechnen. Andererseits dürfte für viele auch die persönliche Beratung wichtig sein, dann sollten Anbieter mit einem größeren Filialnetz gewählt werden.

Ein Wechsel der gesetzlichen Krankenkasse ist laut Stiftung Warentest einfach. Auch, wer schon älter sei oder unter Vorerkrankungen leide, kann die Krankenkasse frei wählen. Sie muss lediglich auch im jeweiligen Bundesland des Wohnortes oder des Arbeitsplatzes geöffnet sein. Wer schon gesetzlich versichert ist, darf nicht abgelehnt werden. Allein durch die Unterschiede bei den Zusatzbeiträgen könne gespart werden, so Sabine Baierl-Johna:

"Ein Wechsel könnte sich lohnen, wenn man etwa von einer relativ teuren zur günstigsten, bundesweit geöffneten Krankenkasse wechselt. Wenn man rund 3.000 Euro im Monat brutto verdient, dann kann man rund 200 Euro im Jahr sparen. Wenn man weniger verdient, spart man natürlich auch weniger, weil der Beitragssatz immer abhängig von der Höhe des Einkommens ist."

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