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StartseiteEuropa heuteRechte Umtriebe im Schlüßlwald12.10.2018

Gespaltenes Österreich (5/5)Rechte Umtriebe im Schlüßlwald

Welche Verbindungen bestehen zwischen der rechtspopulistischen FPÖ und dem rechten Milieu in Österreich? Diese Frage beschäftigt den pensionierten Polizisten Uwe Sailer seit Jahrzehnten. Und er sammelt Belege, im Netz und vor Ort. Zum Beispiel in einem alten Militärsperrgebiet.

Von Antonia Kreppel

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Reste eines Verwaltungsgebäudes aus der NS-Zeit auf dem ehemaligen Militärgelände Linz-Ebelsberg  (Deutschlandradio/ Antonia Kreppel)
Reste eines Verwaltungsgebäudes aus der NS-Zeit auf dem ehemaligen Militärgelände Linz-Ebelsberg: Anwohner erstatteten Anzeige wegen illegaler Schießereien im Wald (Deutschlandradio/ Antonia Kreppel)
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Normalerweise ist Uwe Sailer im Datendschungel unterwegs. Der pensionierte Kriminalbeamte und Datenforensiker spürt in den sozialen Medien rechtsextreme Umtriebe auf. Vor allem antisemitische und hetzerische Postings von Politikern der Freiheitlichen Partei Österreichs hat er im Visier. Die bringt er zur Anzeige. Und es werden immer mehr.

Dieser Beitrag gehört zur fünfteiligen Reportagereihe "Gespaltene Gesellschaft - Österreich ein Jahr nach der Wahl" in der Sendung "Gesichter Europas".

Heute führen ihn seine Recherchen ins freie Gelände. Der verwilderte Schlüßlwald in Linz-Ebelsberg ist altes Militärsperrgebiet aus der Monarchie und wurde in der NS-Zeit erweitert. 13 Bunker, in denen Munition gelagert wurde, sind noch erhalten. 2012 hat ein Immobilieninvestor aus dem nahen Wels das Areal gekauft. Uwe Sailer hält vor einem zugewachsenen bungalowähnlichen Haus an; hier waren bis vor Kurzem die "Feuerschützen Arbing" gemeldet.

"Das heißt, die haben hier illegal Krieg gespielt, Wehrsportübungen ausgeführt und in diesen Bunkern illegal geschossen. Und aufgrund dieser nicht gesetzeskonformen Haltung ist jetzt diesem Schützenverein der Pachtvertrag gekündigt worden. Gehalten wird dieser Verein von einem Welser Rechtsanwalt."

Von Holocaust-Leugnern und Schützenbrüdern

Uwe Sailer blättert in Papieren. Ihm liegen Dokumente vor, dass dieser Rechtsanwalt den Holocaust geleugnet hat.

"Vor einer Schulklasse hat er behauptet, dass schon überlegt werden müsse, ob es tatsächlich in Mauthausen Krematorien gegeben habe, wo Leute verbrannt worden sind. Das ist eine klassische Holocaust-Leugnung und dafür ist er auch angezeigt worden. Allerdings ist das irgendwie niedergebügelt worden und da hat er dann 10.000 Euro zahlen müssen."

Vereinsmitglieder der Schützen mit Nähe zur FPÖ seien durch ausländerfeindliche Postings im Netz aufgefallen, weiß Uwe Sailer.

Düster wirkt der "Marinewald" mit seinen abgestorbenen Fichten an diesem schwülen, wolkenverhangenen Sommertag. Bislang war das Areal eigentlich als Naherholungsgebiet ausgewiesen. Doch nach einer Anzeige durch Bewohner der nahegelegenen Siedlung wegen der illegalen Schießerei soll es nun offiziell in eine Schießanlage umgewidmet werden.

FPÖ für ein liberaleres Waffenrecht

"Dafür ist der FPÖ-Stadtrat Markus Hein zuständig", erzählt Uwe Sailer, "ein Mitglied der akademischen Burschenschaft Arminia Czernowitz". Ihr gehört auch der FPÖ-Vizebürgermeister von Linz, Detlef Wimmer, an. Experten verorten die schlagende Verbindung im rechtsextremen Milieu.

"Jetzt fahren wir geradeaus weiter und wir sehen, dass da vorne schon ein Auto steht, das Tor ist offen. Und dahinter sind dann die Bunker, ist alles eingezäunt."

Ein junger Mann mit schwarzer Schirmmütze nähert sich mit einem zerrenden Hund an der Leine. Uwe Sailer biegt schnell rechts ab.

"Rechtsextremismus und Waffen, das ist eines, die bewaffnen sich ja teilweise bis auf die Zähne. Die fühlen sich ja so unsicher, die meinen, dass man ständig einer permanenten Bedrohung ausgesetzt ist."

Jährlich lädt die FPÖ zum gemeinsamem "Faustfeuerwaffen-Schießen." Seit Antritt der neuen Regierung wird auch über ein liberaleres Waffenrecht diskutiert.

Detlef Wimmer (FPÖ), Vize-Bürgermeister der österreichischen Stadt Linz (picture alliance/Alexey Malgavko/Sputnik/dpa)Detlef Wimmer (FPÖ), Vize-Bürgermeister der österreichischen Stadt Linz, ist Mitglied der akademischen Burschenschaft Arminia Czernowitz (picture alliance/Alexey Malgavko/Sputnik/dpa)

Prägung durch die eigene Familiengeschichte

Uwe Sailer steuert seinen Wagen jetzt über die Donau, an das andere Ende der Stadt. Dorthin, wo der Keim dafür gelegt wurde, dass er heute hartnäckig sagt: "Ich bin Antifaschist". In das abgelegene Haus seines preußischen Großvaters. Hitler hatte den Offizier mit vielen anderen zur Stärkung des österreichischen Heeres nach Linz geholt. Uwe Sailer mit seinem schlohweißen Haar setzt sich unter das gemalte Porträt des Großvaters und erzählt von seiner stramm deutschen Erziehung:

"Mein Großvater war ja Militarist, fürchterlicher Militarist, hat ja in zwei Weltkriegen gedient, auch noch unter Kaiser Wilhelm. Ein preußischer Militarist ist so ziemlich das Schlimmste. Die Österreicher waren ja Waschlappen, Kamerad Schnürschuh hat man zu denen gesagt. Und da kriegt man auch eine entsprechende Schulung von Jung auf, wie man mentale Stärke gewinnt und aufbauen kann."

Seine mentale Stärke habe ihm geholfen, die eigene Persönlichkeit zu wahren, glaubt er. Vor allem in der Zeit, als er für die Linzer Kriminalpolizei und den Verfassungsschutz gearbeitet habe. Als er die Neonazi-Website "alpen-donau.info" aufdeckte und möglichen Verstrickungen von FPÖ-Politikern auf die Spur kam, zog sich der Verfassungsschutz zurück. Oberinspektor Sailer wurde suspendiert und später in den einfachen Polizeidienst versetzt. Auch ein Galgenstrick wurde ihm ins Haus geschickt.

Verhärtete Fronten vor allem im Netz

Die Fronten haben sich seit Antritt der neuen Regierung vor einem Jahr noch einmal verhärtet, beobachtet Uwe Sailer. Die Fülle von rechtsextremen Äußerungen im Netz sei kaum noch zu bewältigen.

"Ich beobachte die sozialen Medien und ich diskutiere selten mehr. Diese Leute, mit denen man diskutiert, wollen keine Wahrheit, keine Überzeugung mehr. Sie wollen nur ihre Botschaft durchbringen, und das mit Brachialgewalt."

Das Problematische an der Sache sei, erklärt Uwe Sailer, dass die ÖVP, die sich den Begriff christlich-sozial an die Fahne geheftet habe, mit der FPÖ, einer für ihn rechtsextremen Partei, koaliere. Die österreichische Regierung setze auf Angst und der Kanzler schweige dazu.

"Und es gibt Leute, die lassen sich nicht Angst implementieren und es gibt Leute, die lassen sich Angst implementieren. Das ist das Handwerkszeug solcher Populisten. Und dadurch, dass diese Implementierung wirklich Fuß gefasst hat und auf fruchtbare Böden gefallen ist, haben wir eine ganz massive Spaltung. Aber die Spaltung hat schon viel früher angefangen, sie ist jetzt zum Selbstläufer geworden, und das wird jetzt noch viel stärker werden, viel stärker."

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