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StartseiteVerbrauchertippErgonomie am Arbeitsplatz26.04.2019

GesundheitErgonomie am Arbeitsplatz

Über 17 Millionen Menschen in Deutschland gehen einer sitzenden Beschäftigung nach. Wer den ganzen Tag im Büro am Schreibtisch und vor dem Bildschirm verbringt, geht häufig mit Verspannungen nach Hause oder hat mit chronischen Schmerzen zu tun. Richtiges Sitzen am Arbeitsplatz kann Erkrankungen vorbeugen oder lindern.

Von Margret Bielenberg

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Leichte Übungen wie den Kopf drehen und neigen, Schultern kreisen und immer wieder die Beine bewegen, sollen helfen im Büroalltag (dpa / picture alliance / Friso Gentsch)
Arbeitgeber müssen für ergonomische Arbeitsplätze in Büros sorgen (dpa / picture alliance / Friso Gentsch)
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Kopfschmerzen, Schulter- und Nackenleiden, das kennen viele Menschen, die abends aus dem Büro kommen. Mitverantwortlich ist oft langes und falsches Sitzen, sagt Andreas Deutsch, Physiotherapeut und Coach in Hamburg.

Ein guter Schreibtischstuhl kann helfen und sollte so aussehen:

"Ein Bürostuhl, der ein freies Sitzen ermöglicht, aber sehr wohl ein Hochlehner bis oben hin, Kopfstütze, gut verstellbare Armstützen, die nach oben, unten und nach vorne, hinten verstellbar sein müssen und an den Schreibtisch anpassbar sind. Das ist sinnvoll. Und: ein Stuhl sollte niemals hart sein, der muss mitschwingen, der muss sich mit bewegen."

Dazu gehören ein höhenverstellbarer Schreibtisch und ein höhenverstellbarer Bildschirmhalter, fügt der Physiotherapeut hinzu.

Headset, um symmetrisch arbeiten zu können

"Beim Bildschirm gibt es so eine grobe, kann man sagen, Richtlinie. 50 Zentimeter Mindestabstand vom Auge. Oberer Bildschirmrand sollte unbedingt auf Augenhöhe sein. Das ist wichtig. Und Tastatur: körpernah, möglichst flach."

Arbeitgeber müssen für ergonomische Arbeitsplätze sorgen. Findet ein Mitarbeiter seinen Bürostuhl unbequem, dann hat er erst dann einen Anspruch auf eine Alternative, wenn er ärztlich belegen kann, dass seine Beschwerden auf den Stuhl zurückzuführen sind, sagt Johannes Wuppermann, Rechtsanwalt für Arbeitsrecht in Hamburg.

"Dann gibt es die Möglichkeit, dass man beispielsweise einen Antrag stellt bei der Rentenversicherung, dass man tatsächlich starke Einschränkungen hat durch diese Beeinträchtigung am Arbeitsplatz. Und dann kann man den Antrag stellen, Kostenvoranschlag sich holen, wie teuer ein Möbel ist und erst anschließend, wenn dann die Rentenversicherung bewilligt hat, einen Zuschuss zu zahlen oder die Kosten zu übernehmen, dann kann man auch den neuen Stuhl kaufen. Aber einen Anspruch gegen den Arbeitgeber gibt es eigentlich nicht."

Gute Bürostühle gibt es ab rund 500 Euro. Nicht zu unterschätzen ist häufiges und langes Telefonieren mit schief gehaltenem Kopf. Deshalb empfiehlt der Physiotherapeut ein Headset, um symmetrisch arbeiten zu können. Allerdings nützt der beste Arbeitsplatz nichts, wenn man sich nicht hin und wieder bewegt und die Haltung ändert, sagt Andreas Deutsch. Zum Beispiel mit leichten Übungen wie den Kopf drehen und neigen, Schultern kreisen und immer wieder die Beine bewegen, damit der Stoffwechsel in Gang kommt.

"Bewegtes Sitzen"

"Ich sag mal, die Faustformel ist: Höre auf deinen Körper und schalte nicht das Gefühl ab, wenn du so fokussiert am Bildschirm bist, sondern spüre in dich hinein, was braucht dein Körper. Also mindestens alle fünf Minuten die Position verlassen und verändern."

Da der Arbeitgeber nur für einen ergonomischen Arbeitsplatz zuständig ist, die Bedürfnisse der Mitarbeiter aber variieren, sollte man immer das Gespräch suchen, sagt der Arbeitsrechtler. Denn Arbeitgeber sind an leistungsstarken Mitarbeitern interessiert. Manche Unternehmen sind da sehr fortschrittlich, hat Andreas Deutsch erfahren.

"Ich war mal in einer kleinen Firma beratend tätig und die haben ihren Arbeitsplatz so eingerichtet: höhenverstellbare Tische, dann haben die mal einen Sitzball gehabt, mal einen guten Bürostuhl zum Anlehnen und mal solche bewegbaren Stühle, wo man drauf sitzt, aber sich nicht anlehnen kann. Wunderbar! Und da haben die, je nachdem wie der Bedarf war, mal gewechselt. Das ist bewegtes Sitzen."

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