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StartseiteVerbrauchertippQualifikation von Heilpraktikern03.05.2019

GesundheitQualifikation von Heilpraktikern

Viele Menschen suchen, wenn sie krank sind, einen Heilpraktiker auf. Dieser Beruf wurde in der Vergangenheit immer wieder kontrovers diskutiert. Besonders wenn es darum geht, was sie dürfen. Wer die eigene Gesundheit einem Heilpraktiker anvertrauen will, sollte vorab einige Fragen stellen.

Von Nándor Hulverscheidt

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Sogenannte Globuli Kügelchen, ein homöopathisches Arzneimittel, aufgenommen am 20.01.2017 in Seesen. Foto: Frank May/picture alliance (model released) | Verwendung weltweit (picture alliance / Frank May)
Globuli Kügelchen, ein homöopathisches Arzneimittel (picture alliance / Frank May)
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Unter den medizinischen Berufen in Deutschland gibt es nur zwei Gruppen, die selbstständig Menschen diagnostizieren und behandeln dürfen. Die einen sind die Ärzte und die anderen sind die Heilpraktiker. Annähernd 50.000 von ihnen gibt es nach Angaben von Berufsverbänden in der Bundesrepublik. Und einer davon, der Bund Deutscher Heilpraktiker, schätzt, dass täglich viele Tausend Menschen einen Heilpraktiker-Termin haben. Gründe dafür seien beispielsweise Probleme mit Nebenwirkungen der Schulmedizin, sagt der Präsident des Verbandes, Ulrich Sümper.

"Ein weiterer Grund ist der hohe Zeitdruck in der ärztlichen Praxis oder auch im Klinikalltag, der zur Unzufriedenheit vieler Patienten beiträgt."

Gesetzliche Krankenkassen zahlen für Besuche bei Heilpraktikern in der Regel nicht. Die Mehrheit der Patienten zahlt aus eigener Tasche, einen kleineren Anteil machen private Kranken- und Zusatzversicherungen aus. Und was Patienten für ihr Geld bekommen, ist von Heilpraktiker zu Heilpraktikerin unterschiedlich. Kein Nachteil, finden viele Berufsvertreter, denn ohnehin gehe es den Heilpraktikern darum, Menschen so individuell wie möglich zu behandeln. Das bedeutet aber auch, dass Patienten nicht auf einen Titel vertrauen können, sondern Heilpraktiker einzeln nach ihrer Qualifikation fragen müssen. Das weiß auch die Kölner Heilpraktikerin Bettina Speyer, die diese Frage selbst so beantwortet:

"Ich habe mich für die Chinesische Medizin entschieden, erstmal eine dreijährige Grundausbildung gemacht, danach noch eine zweijährige Ausbildung in chinesischer Pharmakologie und dann habe ich später noch ein dreijähriges Masterstudium gemacht in China."

Kritik an der Freiheit der Heilpraktiker 

Der Aufwand, den Speyer sich mit ihrer Ausbildung gemacht hat, ist jedoch freiwillig. Der Staat macht Heilpraktikern nur wenige Vorschriften. Das sind vor allem einige Hygienebestimmungen für die Praxis und die Leitlinien für die Heilzulassung. Das Gesetz schreibt vor, dass Anwärter über 25 Jahre alt sowie straffrei sein und mindestens einen Hauptschulabschluss haben müssen. Wer das erfüllt, darf sich für eine insgesamt dreistündige schriftliche und praktische Prüfung bei den Gesundheitsämtern anmelden. Ulrich Langenberg von der Ärztekammer Nordrhein sieht die große Freiheit der Heilpraktiker kritisch.

"Diese staatliche Heilpraktikerzulassung, dabei soll lediglich festgestellt werden, ob von dieser Person eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung oder des einzelnen Patienten ausgehen kann. Aber das beinhaltet keine positive Feststellung einer Qualifikation, es gibt keine staatlich geregelte Ausbildung."

Verboten sind Heilpraktikern beispielsweise die Behandlung bestimmter Infektionskrankheiten, die Zahnmedizin oder das Verordnen rezeptpflichtiger Medikamente. Erlaubt sind dagegen Blutabnahme sowie Injektionen – und das würden die Ärztekammern gern ändern.

Manchmal ist Skepsis angebracht

Dabei sei nicht die Hygiene das Problem, so Ärztevertreter Langenberg.

"Gefährlich ist die Tatsache, dass man in ganz kurzer Zeit in großer Menge Substanzen in den Körper einbringt, die unmittelbar über die Blutbahn wirksam werden können. Die Risiken dabei, dem Körper auf diesem direkten Weg fremde Stoffe zuzuführen, sind einfach sehr hoch. Deshalb ist das etwas, was auch im Krankenhaus immer unter der Aufsicht von Ärzten steht."

Wer die eigene Gesundheit einem Heilpraktiker anvertrauen will, sollte vorab einige Fragen stellen: zum Beispiel nach der Ausbildung in Bezug auf eine bestimmte Behandlungsmethode. Vor Eingriffen in den Körper, etwa durch eine Injektion, sollten Patienten mit ihrem Arzt Rücksprache halten. Und nicht zuletzt ist Skepsis angebracht, wenn alternative Methoden im Zusammenhang mit schweren Krankheiten angepriesen werden.

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