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StartseiteUmwelt und VerbraucherUmweltschutz bestimmt den Wahlkampf in Florida18.07.2018

Gesundheitsgefahr durch AlgenUmweltschutz bestimmt den Wahlkampf in Florida

Leberversagen und Nervenschädigungen: Wegen der Blaualgen wurde in sieben Landkreisen Floridas der Notstand ausgerufen. Die Menschen haben Angst und die Plage ist ein großes Thema im Wahlkampf. Aber gerade der ist dafür verantwortlich, dass sich nichts ändern wird.

Von Torsten Teichmann

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 Blaualge im Chaohu See bei Hefei in der östlichen Anhui Provinz Chinas.  (imago)
Blaualgen sind grün, giftig, gefährlich für den Menschen und vermehren sich schnell bei steigenden Temperaturen. (imago)
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Die Nachbarschaft in Sorge. Algenteppiche in künstlichen Kanälen rund um Fort Myers. Die Bewohner verlangen Abhilfe. In Südwest-Florida haben die Lokalnachrichten derzeit nur ein Thema: Bilder von Blaualgen entlang von Ufern und Brücken.

Die Algen kommen über den Fluss Caloosahatchee. Der Biologe John Cassani sagt, die Belastung sei in diesem Sommer außergewöhnlich hoch:

"Ich habe 40 Jahre am Fluss gearbeitet. Aber so eine Algenblüte zu dieser Jahreszeit habe ich noch nie gesehen. Die Verbreitung und mögliche gesundheitliche Gefahren sind außergewöhnlich. Das ist schon ziemlich schockierend."

Bootsverleiher fürchten, dass die Kundschaft ausbleibt. Erste Immobiliendeals entlang des Wassers seien geplatzt, heißt es. Die Aufregung ist groß. Und sie wird gehört. Denn im Herbst sind in den USA Wahlen. In Florida will Gouverneur Rick Scott als Senator für die Republikaner in den Kongress einziehen.

"Ich verstehe zunächst einmal, dass es frustrierend ist. Ich werde mich weiter für Familien in Florida einsetzen und alles tun, was möglich ist."

Notstand in sieben Landkreisen von Florida

Gouverneur Scott hat in sieben Landkreisen von Florida deshalb den Notstand ausgerufen. Sein Konkurrent, der amtierende Senator, Bill Nelson, von den Demokraten, hat die Gesundheitsbehörde aufgefordert besser zu informieren:

"Ich habe an die Gesundheitsbehörde geschrieben, und darum gebeten, dass sie die Menschen in Florida informieren, über Warnschilder, die unmittelbaren Gefahren fürs Schwimmen oder in der Nähe der Algen und das Einatmen der Luft."

"Die Giftstoffe, die diese Cyanobakterien produzieren, können bis zum Versagen der Leber führen. Es gibt Nervenschädigungen, die mit Blaualgen in Verbindung gebracht werden. Und einige der bakteriellen Stoffe gelangen in den Nahrungskreislauf. Es ist ein widerliches Problem, eine Gefahr für die Gesundheit womöglich auf breiter Basis."

Warum sich trotz Wahlkampf nichts ändern wird

John Cassani sagt, Umweltschutz werde gerade das Wahlkampfthema in Florida. Interessanterweise ist der Wahlkampf aber auch dafür verantwortlich, dass sich nichts ändern wird. Eine Kampagne für den Einzug in den Senat kostet mehrere Millionen US-Dollar. Und große Spender sind in Florida die Landwirtschaft und Immobilienentwickler, die zur Misere beitragen.

Denn das Problem ist verunreinigtes Wasser aus dem nahe gelegeneren See Okeechobee, das in den Fluss geleitet wird. Die Armee versucht den See so zu regulieren, der sonst über die Ufer treten würde, erklärt Biologe Cassani:

"Nördlich des Sees liegt ein riesiges Wassereinzugsgebiet mit Landwirtschaft und Wohngebieten. Vor dort kommt die Wasserbelastung mit Nitraten und Phosphor in den See. Und am Ende bekommen wir davon etwas ab. Wenn sie Wasser ablassen müssen."

Nitrate und Phosphor zusammen mit steigenden Temperaturen sind ideale Voraussetzungen für die Algenblüte. Doch so weit will Gouverneur Scott nicht gehen. Er behauptet, die Gründe für die grün-blaue Verschmutzung müssten erst erforscht werden.

 "Wir versuchen herauszufinden, was die Ursache ist. Mich frustriert immer noch die Zusammenarbeit mit der Bundesregierung Washington. Wenn die Programme anständig finanzieren würden, wäre es vielleicht nicht so gekommen".

Streit über Zuständigkeiten

Das heißt,  der Gouverneur zeigt nach Washington. Er macht die Armee verantwortlich, die Wasser aus dem See ablässt, damit der nicht über die Ufer tritt. Die Verschmutzung des Wassers sei aber Angelegenheit des Bundesstaates Florida, sagt Cassani
 
"Nur über den Wasserlauf entscheidet der Bund. Das heißt, die Verantwortlichen im Staat Florida, wollen die Debatte über Wasserqualität umgehen und beschuldigen stattdessen die Regierung in Washington.

"Weniger Nährstoffe im Wasser, eine Renaturisierung der weltbekannten Florida Everglades im Süden von See Okeechobee und freie Flächen für sommerliche Fluten wären langfristige Lösungen. Und erste Schritte sind gemacht. Schnelle Abhilfe ist nicht möglich. Aber auch das werden Politiker im Wahlkampf kaum sagen.

 

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