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StartseiteHintergrundDie Schattenseiten der Fankultur11.04.2015

Gewalt im FußballDie Schattenseiten der Fankultur

Immer wieder kommt es bei Fußballspielen zu Gewalt zwischen Fangruppen oder Fans und Polizisten. Während Vereine und Politik um den richtigen Umgang mit gewalttätigen Fans ringen, reagiert der DFB mit hohen Strafen und dem Ausschluss von Fans aus dem Stadion. Doch das stößt nicht nur bei den Anhängern auf Kritik.

Von Franziska Rattei und Matthias Friebe

Polizisten üben den Umgang mit Fußballfans (dpa / picture alliance / Patrick Seeger)
Ausschreitungen wie diese sind bei Fußballspielen keine Seltenheit. (dpa / picture alliance / Patrick Seeger)
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Samstag, 14. Februar 2015, 17.20 Uhr. In der letzten Minute des rheinischen Derbys zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln fällt das spielentscheidende 1:0. Nach einem umstrittenen Freistoß erzielt der Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka unmittelbar vor dem Abpfiff den Siegtreffer für Mönchengladbach. Nur wenige Minuten später stürmen rund 25 vermummte FC-Fans auf den Rasen und zünden Leuchtraketen. Kein Einzelfall. Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu Ausschreitungen beim 1. FC Köln, der Verein spielte schon häufiger auf Bewährung, wurde mehrfach zu Strafen verurteilt. Bereits beim Hinspiel zwischen Köln und Mönchengladbach im September 2014 waren rund 200 Anhänger beider Vereine mit Flaschen, Ästen und anderen Waffen aufeinander losgegangen, allerdings vor dem Stadion auf den Kölner Jahnwiesen. Insgesamt wurden 93 Menschen festgenommen. Wolfgang Bosbach, der Vorsitzende des Bundetags-Innenausschusses, erinnert sich gut an den Tag. Der FC-Fan war damals selbst im Stadion: "Ich habe selber die Jagdszenen gesehen auf den Jahnwiesen. Das waren erschreckende Bilder. Und da hatte ich schon das Gefühl, beim Rückspiel wird es bestimmt nicht friedlicher zugehen."

Spiel vor vielen leeren Rängen

Bosbach sollte Recht behalten. Wegen dieser Vorgeschichte wurde der 1. FC Köln kürzlich vom DFB-Sportgericht zu einer Geldstrafe von 200.000 Euro verurteilt. Hinzu kommen zahlreiche Auflagen, wie die Ausgabe von personalisierten Einzeltickets und das Bereitstellen von eigenen Ordnern bei Auswärtsspielen. Sichtbarste Strafe ist aber der Teilausschluss der Fans für die kommenden drei Partien. Wenn also an diesem Sonntag der 1. FC Köln gegen TSG Hoffenheim spielt, dann sind 2.800 Fans weniger im Stadion. Auf den Fernsehbildern werden etliche leere Ränge zu sehen sein, ausgerechnet auf der Kölner Südtribüne direkt hinter dem Tor, wo normalerweise die treuesten, lautesten und fanatischsten Anhänger des FC stehen. Einer, der sonst genau hier steht, weil er auch bei den Ultras war, äußert sich dazu. Aber er möchte nicht erkannt werden, seine Stimme ist verfremdet: "Da wird eine gähnende Lücke sein. Es wird auf jeden Fall ein deutlich sichtbares Zeichen sein, dass da Leute fehlen. Man merkt, dass da wirklich ein Motor, als der sich die Ultras auch gerne bezeichnen, fehlt."

Auch der FC-Fan und CDU-Politiker Bosbach hält die Strafe für viel zu hart: "Meines Erachtens hätte es völlig ausgereicht: Geldstrafe, harte Auflagen bei Auswärtsspielen, die ich für richtig halte. Aber drei Teilausschlüsse, alle drei ohne Bewährung halte ich für überzogen. Insbesondere findet jetzt etwas statt, was niemals stattfinden sollte. Nämlich, dass sich der Teil der begeisterten, aber friedlichen Fans, die jetzt auch ausgeschlossen werden, mit denen solidarisieren, die wir gar nicht im Stadion sehen wollen." Der 1. FC Köln hat nach dem Vorfall in Mönchengladbach Konsequenzen gezogen, 45 Fans aus dem Stadion ausgeschlossen und der Ultra-Gruppe "Boyz" den Status Fanclub entzogen. Bei den Ultras sorgte das für Empörung, sie protestieren dagegen, dass sie für die Tat Einzelner kollektiv bestraft wurden. Anerkennung gibt es hingegen vom DFB. Das Sportgericht sprach von "umfangreichen und vorbildlichen Maßnahmen". Ohne sie, sagt Sportrichter Horst E. Lorenz, wäre möglicherweise sogar ein Geisterspiel angeordnet worden. Die Ultras sind empört: "Das ist eine ziemliche Unverschämtheit, die sich Herr Lorenz da erlaubt. Was ist an dem Verhalten vorbildlich? Das hat mit unserer Rechtspraxis nichts zu tun, eine Gruppe kollektiv zu bestrafen. Und das ist ein System, das vom Deutschen Fußball-Bund aktiv vorgelebt wird. Die Leute, die in S3 und S4 stehen in der Südkurve, sind ja auch nicht alles nur schuldige Täter."

Kleine Polizeiaufgebote bei Bundesligaspielen

Die erneute Eskalation in den Fankurven der Bundesliga kommt ausgerechnet in einer Saison, in der in Nordrhein-Westfalen Innenminister Ralf Jäger von der SPD ein Pilotprojekt gestartet hat. Um Kosten zu senken, hält er die Polizeiaufgebote bei den Bundesligaspielen klein. Im Deutschlandfunk begründete er: "Ganz sachlich betrachtet tun wir etwas, was eigentlich normal sein sollte: immer wieder Lage angepasst zu überprüfen, wie viele Polizeibeamte einzusetzen sind. Davon ausgenommen sind Hochrisikospiele. Da, wo wir wissen, dass Gewalttäter und Krawallmacher kommen, da werden wir mit unveränderter Stärke auch präsent sein, um zu gewährleisten, dass wir sichere Spiele haben." Kosten sparen und gleichzeitig deeskalieren. Ein Projekt, das in NRW gut funktioniert. Rund ein Fünftel weniger Beamte und trotzdem bei den harmlos bewerteten Partien keine negativen Überraschungen oder ausufernden Krawalle. Aber ein Patentrezept ist das nicht.

Samstag, der 14. Februar 2015. Am 21. Bundesliga-Spieltag gewinnt Werder Bremen gegen den FC Augsburg 3: 2. Ein sogenanntes Grünspiel - die Beziehung zwischen den Augsburger und den Bremer Fans gilt als neutral bis freundschaftlich. Heinz-Jürgen Pusch, Bremer Polizei-Führer bei Fußballspielen, ist mit einem Minimum an Personal im Einsatz: nur 125 Beamte. Das Spiel ist beendet, die Fans haben sich auf den Heimweg gemacht. Gegen 18 Uhr attackieren rund 60 Vermummte Augsburger Anhänger, Fan-Begleiter, Fan-Betreuer und Polizisten, es fliegen Flaschen, Tische und Stühle. Und es gab gezielte Angriffe auf die Polizei, erinnert sich Heinz-Jürgen Pusch: "Es sind durch Zeugenaussagen Sprüche gefallen wie: Jetzt gehen wir auf die Bullen. Da stehen Zivis. Solche dokumentierten Aussagen, die da gefallen sein sollen. Das geht für uns überhaupt nicht." Betroffenheit auch beim SV Werder und dem Fan-Projekt Bremen. Man ist sich einig: solche Übergriffe dürfen nicht passieren. Dabei war die Polizei bei jenem Spiel am 14. Februar bereits zurückhaltend. Wie im Vorfeld besprochen. Denn das Fan-Projekt hatte sich über die Über-Präsens der Polizei bei vorangegangenen Spielen beschwert. Diese Stimmen sind nach dem gewaltsamen Übergriff am Valentinstag leiser geworden.

Großeinsätze sind keine Lösung

Aber Großeinsätze - rein prophylaktisch - seien trotzdem keine Lösung, sagt Bremens Innensenator Ulrich Mäurer: "Wir werden jetzt nicht so reagieren, dass wir zu jedem Spiel mit drei Wasserwerfern vorfahren. Das löst nicht das Problem. Das ist Sache dann der polizeilichen Taktik, aber das erzähl ich Ihnen nicht vor laufender Kamera." Für Heinz-Jürgen Pusch von der Polizei Bremen ist die Kommunikation zwischen Fans und Polizei das Wichtigste. Nicht jeder seiner Kollegen stimmt ihm da zu, aber Pusch hält an diesem Ansatz fest, trotz des Rückschlags im Februar: "Also wenn ich mit jemandem spreche: dem hau ich dann nicht so leicht auf die Nase. Wenn ich einen nicht kenne, dann ist es einfacher, einem auf die Nase zu hauen. Und die eine Seite hat die Kapuze auf und den Schal bis zur Nase hochgezogen, und die andere Seite hat einen Helm auf. Da wird dann nur noch geschlagen. Und das ist eben schlecht. Es wäre besser: Der eine steht ohne Helm, der andere ohne Kapuze und Helm, und sie reden miteinander."

Nur: mit Ultras ins Gespräch zu kommen, ist kompliziert. So wenig Kommunikation wie möglich gehört zur Gruppenphilosophie und hat Tradition. Es geht ums Zusammenhalten, um "einer für alle" und "alle für einen". Wer mit der Polizei spricht, wird in der Ultra-Szene schnell als Verräter abgestempelt. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Ultras und der Polizei. Ultras beklagen sich über unverhältnismäßig harte Polizeieinsätze, bis hin zu gewalttätigen Angriffen. Innenpolitiker Bosbach hält dem entgegen: "Dass Polizisten völlig grundlos ohne jeden wirklich triftigen Grund zu Einsatzmitteln greifen und Gewalt üben gegen friedliche Fußballfans, also ich mache dahinter drei dicke Fragezeichen!"

Ultras wollen keine passiven Zuschauer sein

Doch was treibt die Ultras an? Der Köln-Fan, der früher einer Gruppe angehörte und nicht erkannt werden möchte, erklärt: "Ich bin ungern einfach ein passiver Zuschauer. Das kann ich sehr gut in der Oper machen. Aber ich finde, gerade beim Fußball kann man auf das Spiel einen gewissen Einfluss ausüben und das macht man eben mit Gesängen, Schlachtrufen et cetera." Er ist sich sicher: Gewalttätige Auseinandersetzungen in oder um die Stadien sind nicht nur ein Konflikt zwischen Fans und Polizei: "Es ist einfach Teil unserer Gesellschaft, dass es gewalttätige Menschen gibt und gerade junge Männer suchen gerne die körperliche Auseinandersetzung."

Ultras sind ein Phänomen der Fankultur, das sich in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren in vielen Stadien etabliert hat. Jonas Gabler ist Politologe und untersucht am Institut für Sportwissenschaft der Universität Hannover die Ultrakultur in Deutschland. Er hat auch in Köln den Dialog zwischen Fans und Verein, die so genannte "AG Fankultur" beraten: "Ich sehe da tatsächlich auch viele Fortschritte, im Gegensatz zur Fankultur, die zum Beispiel in den 1980er- und 1990er Jahren die Fankurven sehr geprägt hat, die Hooligans." Während bei Hooligans die Gewalt Selbstzweck ist, gibt es bei den Ultras auch viele friedliche Fans. Bei ihnen steht der Verein, die Unterstützung im Mittelpunkt: "Die Ultras stehen immerhin auch für viele andere positive Dinge: für Stimmung, für Choreographien, im Übrigen auch für ein sehr starkes Engagement im Verein, aber auch für ein gesellschaftliches Engagement, Sammlungen für soziale und caritative Zwecke, soziales Engagement, anti-rassistisches Engagement, Engagement gegen Diskriminierung. Das gilt sicher nicht für alle Gruppierungen, aber für einige." Gleichzeitig gebe es aber nach wie vor auch bei den Ultras problematisches und strafbares Verhalten, beobachtet Forscher Gabler: "Früher hat man darüber einfach nur die Schultern gezuckt und ignoriert, solche devianten und delinquenten Verhaltensweisen. Heute ist die gesellschaftliche Aufregung viel größer und das Bemühen der Vereine, Verbände, der Politik und der Polizei, teilweise auch Öffentlichkeit und der Medien, solches Verhalten komplett auszuschließen."

Dialog gesucht

Ähnlich wie in Bremen sucht der 1. FC Köln seit 2012 den Dialog mit den Ultra-Gruppen. Das Ergebnis ist die AG Fankultur, der Vereins- und Fanvertreter angehören, und die von der Uni Hannover wissenschaftlich beraten wird. Ein Dialog, den zunächst alle Seiten begrüßten. Doch dann kippte die Stimmung: "Was mich ein bisschen gestört hat, dass es sich immer wieder um die Kernprobleme gedreht hat. Anstatt Gemeinsamkeiten zu suchen und zu finden, zusammen etwas aufzubauen, hat man sich immer sehr stark an dem abgearbeitet, was einen trennt", sagt ein Fan. Beispiel Pyrotechnik: Für die Ultras sind Fackeln und Leuchtraketen unverzichtbarer Teil ihrer Fankultur und der Unterstützung ihres Vereins. In der Bundesliga ist dies aber aus Sicherheitsgründen verboten. In diesem Punkt fand man nicht zusammen, die Ultras sagen, sie wollen nicht nur Stimmungsdienstleister oder Jubelkasper im Stadion sein. Einige verließen die AG Fankultur. Dennoch: Der Dialog sei unabdingbar, sagt Fan-Forscher Gabler: "Alle Seiten sind gut beraten, in diesem Dialog zu bleiben oder Bedingungen zu schaffen, die einen Dialog wieder ermöglichen. Ich glaube nicht, dass sich die Situation dadurch verbessert, dass man keinen Dialog mehr hat."

In Bremen versucht die Polizei daher immer wieder, den Ultras die Hand zu reichen Der Bremer Polizei-Präsident Lutz Müller fasst die künftige Taktik mit 4 D's zusammen: Dialog, Deeskalation, Differenzierung, Durchsetzung. Für die Einsatz-Planung des Bremer Polizeiführers Heinz Jürgen Pusch bedeutet das in der Praxis: Fan-Begleiter statt behelmte Beamte, Kommunikation statt Druck, Abstand, aber erhöhte Aufmerksamkeit, Verfolgung einzelner identifizierter Straftäter. Pusch: "Das heißt: wir sind nicht weg, wir sind nur vielleicht etwas unsichtbarer geworden."

Ultras wollen Druck abbauen

Dabei geht es auch um ein grundsätzliches Problem: In der Fußballszene herrscht die Auffassung, dass vieles, was im Umfeld der Spiele passiere, nicht mit anderen Straftaten zu vergleichen sei. Wer Markus Behler kennenlernt - sein wirklicher Name ist ein anderer - bekommt eine Ahnung davon, was die jungen Männer antreibt: "Ja, das war halt wie eine Befreiung halt so, ne? Weil in der Woche hat man halt die ganze Zeit gearbeitet und stand mächtig unter Druck, und das war wie ein Rauslassen, ne? Da konnte man sich frei austoben. Am Wochenende mal einfach da hingehen, bisschen Theater machen und so - pjiu - und der Druck ist weg so, ne."

Markus Behler war lange in der Kölner Ultra-Szene aktiv, später auch bei den Hooligans. Fußball-Fan ist er immer noch, aber er hat erkannt, dass die sogenannten Schlachten zwischen rivalisierenden Fan-Gruppen oder mit der Polizei kein Ventil für seine Probleme sein können. Inzwischen spielt der 33-Jährige bei der "Wilden Bühne Bremen". Das Theater-Projekt hat ein Stück über die Ultra-Szene erarbeitet, in dem es um die Werder-Ultra-Gruppe "Green Madness" (grüner Wahnsinn) geht. Es geht um die Anziehungskraft einer starken Gruppe, um den Taumel zwischen Engagement für den Verein und den Reaktionen von Polizei und Öffentlichkeit: "Ihr wollt den angepassten Fan, der brav applaudiert, wenn es für die Hintergrund-Einstellung der Scheiß-Medien notwendig ist, der sich Eure Schals, Fahnen und Trikots kauft, der die Fresse hält und zahlt. Ich sag Euch was: Wir sind Fans, die das Maul aufmachen, wenn uns was nicht passt. Ihr versteht nicht, dass Fußball unser Leben ist. Wir geben uns ganz und gar. Wir geben jetzt schon unser ganzes Geld für die Tickets, die Auswärtsfahrten aus. Jede freie Minute verbringen wir zusammen, um unseren Verein angemessen zu unterstützen. Wir lassen es sogar zu, dass unsere Arbeitsplätze, unsere Beziehungen darunter leiden. Und was macht Ihr? Mit den Ticketpreis-Erhöhungen, den Stadionverboten und der ganzen negativen Presse? Ihr spuckt uns ins Gesicht!", heißt es im Theaterstück.

Zusatzkosten in Höhe von 300.000 Euro

Aber wer steht für die zusätzlichen Kosten und Strafen gerade, die durch solche Ausschreitungen immer wieder verursacht werden? Wenn am kommenden Wochenende Werder Bremen gegen den Hamburger SV spielt, dann gilt das als Risikospiel, rund 1.000 Polizeibeamte werden im Einsatz sein, das sind Zusatzkosten in Höhe von rund 300.000 Euro. Die will der Bremer Senat nun der Deutschen Fußball-Liga DFL in Rechnung stellen. Das hat er in dieser Woche bekannt gegeben, es wäre das erste Mal in der deutschen Fußballgeschichte. Diese Maßnahme stößt auf breite Kritik, auch aus anderen Bundesländern. Die DFL hat juristische Schritte angekündigt. In Köln muss der FC nach dem jüngsten Urteil des DFB 200.000 Euro Strafe für die Ausschreitungen bei dem Spiel gegen Mönchengladbach zahlen. Die würde man sich gerne von den Verursachern zurückholen, wenn sie denn identifizierbar wären, sagt Vereinssprecher Tobias Kaufmann: "Es ist gegenüber den Mitgliedern und Fans des 1. FC Köln überhaupt nicht zu vermitteln, warum der Verein dann finanziell gerade stehen soll. Es ist schon klar, dass wir uns von den Verursachern die Strafen zurückholen wollen und auch müssen."

Das ist aber rechtlich umstritten. Der Fan-Forscher Jonas Gabler erklärt: "Aus meiner Perspektive gibt es Gründe, weshalb das unbotmäßig ist, weil der Schaden, der da entstanden ist durch ein Verhalten, ja kein objektiver Schaden ist, wie eine kaputte Sache, sondern ein Schaden, den der Verein durch die Strafzahlung an einen Verband zahlen muss." Die Verbandsstrafen des DFB sind objektiv nicht vergleichbar. Für ein gleiches oder ähnliches Vergehen muss ein Verein aus der Bundesliga häufig eine höhere Strafe zahlen als ein kleiner, unbedeutender - und in der Regel auch finanzschwacher - Verein. Außerdem werden Vereine, wie der 1. FC Köln, die schon häufiger aufgefallen sind, härter bestraft, sie gelten sozusagen als "Wiederholungstäter". Dennoch hat erst vergangenen Mittwoch das Landgericht in Köln die Position des Vereins unterstützt und einen Fan dazu verurteilt, dem 1. FC Köln 30.000 Euro der vom DFB verhängten Strafe nach einem Böllerwurf zu erstatten. Gerichtssprecherin Christina Harpering zur Begründung des Urteils: "Der Beklagte war im Besitz einer Eintrittskarte. Damit bestand zwischen ihm und dem Verein ein Vertrag. Im Rahmen des Vertrages muss sich der Vertragspartner so verhalten, dass er auf die Interessen des Vertragspartners Rücksicht nimmt." Und dagegen habe der Verurteilte durch den Böllerwurf verstoßen. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, der Gang durch weitere Instanzen wahrscheinlich.

"Ist das noch mein Fußball?"

Nicht nur in Bremen und Köln werden sich in den kommenden Monaten und Jahren Verbände, Vereine und die Politik intensiv mit den Vorgängen in den Stadien auseinandersetzen. Nicht alle Ultras werden dann noch an Bord sein: "Ist das noch der Fußball, den ich als Kind mochte? Wird es mir nicht zu kommerziell? Ist das Produkt Fußball, wie es sich immer mehr entwickelt, überhaupt noch mein Ding? Vielleicht ist irgendwann die Zeit der Ultras, die sich gegen Kommerzialisierung und gegen den modernen Fußball stellen auch vorbei und die Zeit auch der Klatschpappen schwenkenden Fans gekommen, die mit der ganzen Familie ins Stadion gehen und Spaß haben", sagt ein Fan.

Aber egal, was die Polizei, Fan-Projekte oder die Politik leisten: eines werde sicher nicht passieren, sagt Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald. "Eine Befriedung, dass wir uns irgendwann mal ein Fußballspiel vorstellen können, dass nur mit zwei Streifenwagen von der Polizei begleitet wird. Das wird's bei aller Liebe wohl nicht geben."

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