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StartseiteSport AktuellEin Weltverband am Abgrund24.06.2020

GewichthebenEin Weltverband am Abgrund

Korruption, Dopingvertuschung, Wahlbetrug: Ein Untersuchungsbericht belastet den einstigen Präsident des Gewichtheber-Weltverbandes Tamás Aján schwer. Selten wurden so massiv mafiöse Strukturen offengelegt. Welche Rolle spielte dabei das IOC?

Von Bettina Malter und Josef Opfermann

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Der damalig IWF-Präsident, Tamás Aján, während der Olmypischen Spielen in Rio de Janeiro (afp / Goh Chai Hin)
Nach 20 Jahren als IWF-Präsident musst Tamás Aján im April 2020 von seinem Amt zurücktreten (afp / Goh Chai Hin)
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Öffentlich hat sich Thomas Bach zum Skandal im Gewichtheber-Weltverband, der IWF, ganz klar positioniert. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees sagte kürzlich: "Wir sind zutiefst besorgt und schockiert von diesem Bericht, vor allem über das Ausmaß der Aktivitäten dort."

Belege für Dopingvertuschung, Korruption und Wahlbetrug

Gemeint ist der Untersuchungsbericht des kanadischen Sonderermittlers Richard McLaren, der neue Belege für Dopingvertuschung, Korruption und Wahlbetrug in der IWF vorgelegt hat. Viele der skandalösen Vorgänge waren bereits zuvor in einer Dokumentation der ARD-Dopingredaktion aufgedeckt worden.

Die plötzliche Besorgnis von Bach jedoch sieht der Strafrechtler Mark Pieth kritisch. Pieth arbeitet an der Universität Basel und weiß: Bereits 2011 vermissten IWF-Funktionäre einige Millionen Dollar – Gelder, die das IOC dem Gewichtheber-Weltverband gezahlt hatte. Es folgten Beschwerden beim IOC. Erfolglos.  

"Wenn das IOC sich jetzt geschockt gibt, ist das doch sehr erstaunlich, hatte man doch vor zehn Jahren eigentlich Einblick. Man wusste, was gespielt wird, und hat gesagt: Wir sind nicht zuständig. Das ist nicht unser Problem, sondern das Problem dieses Gewichtheber-Verbandes. Also: Es tönt etwas hohl."

Zurückgetretener Präsidenten war geschätztes IOC-Mitglied

Hat die olympische Familie damals die IWF und damit den kürzlich zurückgetretenen Präsidenten Tamás Aján geschützt? Denn der war geschätztes IOC-Mitglied.  Auf Anfrage weist das IOC schriftlich jede Mitverantwortung zurück: 

"Das IOC fördert die besten Good-Governance-Standards innerhalb der Olympischen Bewegung und geht mit gutem Beispiel voran."

November 6, 2019, Lima, Peru: TAMAS AJAN, President of the International Weightlifting Federation gives a press conference to present the Weightlifting competition Grand Prix Lima 2019. Lima Peru PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMA 20191106mdab195664 Copyright: xMarianaxBazox (Imago) (Imago)Umstrittener Präsident tritt zurück
Der umstrittene Tamás Aján ist nach 20 Jahren als Präsident des Gewichtheber-Weltverbandes IWF zurückgetreten. Der 81-Jährige war seit Ende Januar bereits suspendiert, unter anderem wegen Korruptionsvorwürfen.

Ultima Ratio: Olympia-Bann 

Fakt ist: Zahlreiche ehemalige und aktuelle IOC-Größen stehen derzeit weltweit im Fokus von Skandalen. Deren Aufdeckung war Whistleblowern, Journalisten, Staatsanwälten zu verdanken – aber nicht dem IOC.

Was Gewichtheben angeht, droht das IOC mit einem Olympia-Bann – allerdings nur als ultima ratio. Wie auch immer: Die Sportler haben dafür kein Verständnis, so sagt der deutsche Athletensprecher Jürgen Spieß: "Wenn das IOC richtig Interesse hätte, da mal wirklich diesen Doping- und Korruptionssumpf trocken zu legen, dann könnte man, denke ich, da andere Hebel ansetzen."

Auch die Welt-Anti-Dopingagentur schaute weg

Auch die Welt-Anti-Doping-Agentur steht in der Kritik. Der Vorwurf gegen sie: Sie habe die IWF unter Aján nicht zur Rechenschaft gezogen, obwohl diese zahlreiche Doper nicht sanktioniert hatte. In der Sportwelt wird der Ruf nach einer generellen Aufsicht für den Weltsport lauter – einer Anti-Korruptions-Agentur.

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