Kommentare und Themen der Woche 11.02.2020

Gewinneinbruch bei DaimlerDer Glanz verblasstVon Brigitte Scholtes

Beitrag hören Der Mercedes-Stern gilt als eines der bekanntesten Markenzeichen der Welt. Der dreizackige Mercedes-Stern symbolisiert die Motorisierung zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Aufnahme an der Konzernzentrale am 01.02.2020 (imago images / Arnulf Hettrich)Nicht nur Daimler, die gesamte deutsche Autoindustrie steht vor großen Herausforderungen, kommentiert Brigitte Scholtes (imago images / Arnulf Hettrich)

Die massiven Gewinneinbußen zeugen davon, dass Daimler den Anschluss an die Zukunft verpasst hat, meint Brigitte Scholtes. Das Management habe viel zu langsam auf die von der Politik verordneten Abgasgrenzwerte reagiert. Anders als VW habe man den Dieselskandal zudem nicht zur Neuausrichtung genutzt.

Der Stern verblasst. Zwei Drittel weniger Gewinn – das ist ein schlechter Start für Ola Källenius, der seit neun Monaten an der Spitze von Daimler steht. Zu hohe Kosten sind der Hauptgrund, und die hat der Stuttgarter Autobauer selbst verschuldet. Denn ein großer Teil davon entfällt auf die Aufarbeitung des Dieselskandals, und das Schlimme ist: Dieses Thema ist noch nicht durch.

Denn die Einigung mit den Behörden in den USA steht noch aus. Und die Erfahrung von VW zeigt: Das kann teuer werden.

Düstere Aussichten

Hohe Kosten verschlingt aber auch das Personal. Die müssen runter, sagt Daimler, da könnten mittelfristig womöglich 15.000 Stellen abgebaut werden. Die Konjunkturaussichten sind eher mau – kurzfristig wegen der Auswirkungen des Corona-Virus: Werden dadurch die Lieferketten für Daimler gestört?

Außerdem werden die Käufer in China sich in diesen Wochen mit dem Autokauf zurückhalten. China aber ist ein wichtiger Markt für Daimler. Und mittelfristig droht der amerikanische Präsident Donald Trump weiter mit höheren Zöllen gegen die europäischen Autobauer. Die aber würden vor allem die deutschen Hersteller treffen.

In dieser Gemengelage nun soll Daimler umsteuern auf Elektromobilität. Der Konzern also, der schon einmal am amerikanischen Konkurrenten Tesla beteiligt war, aber sein Aktienpaket mit hohem Gewinn verkauft hatte. Für Elektroautos waren die deutschen und europäischen Autokäufer lange nicht zu begeistern, wofür nicht allein die deutsche Autoindustrie verantwortlich gemacht werden kann.

Und auch im Ausland bevorzugte man lange die Luxuslimousinen mit Verbrennungsmotor. Das Geschäft lief hervorragend. Doch Elektrofahrzeuge passten da schlecht in die Modellpalette. Dass aber die Politik, die EU, nun ernstgemacht hat mit niedrigeren Abgasgrenzwerten, das hatte das Management von Daimler nicht so schnell erwartet. Ein großer Fehler.

Källenius muss das Steuer herumreißen

Aber einer, den der neue Konzernchef nicht auf seinen Vorgänger abschieben kann, weil Källenius selbst seit langen Jahren im Konzern arbeitet und zuletzt für die Entwicklung zuständig war. Nun muss Schluss sein mit Halbherzigkeit – Källenius muss zeigen, dass er wirklich umsteuert.

VW hat da früher reagiert und den Dieselskandal zur Neuausrichtung genutzt. BMW ist ebenfalls auf besserem Weg. Aber klar ist: Die deutsche Autoindustrie steht vor großen Herausforderungen.

Die Transformation führt nicht nur zu einem starken Personalabbau. Die Hersteller müssen auch beweisen, dass sie nicht nur Verbrennungsmotoren, sondern auch Elektroautos bauen können. Dabei aber müssen sie auch noch offen sein für andere Technologien wie die der Brennstoffzelle. Die ist zumindest für Pkw noch zu teuer.

Und schließlich muss auch die Politik die Rahmenbedingungen setzen, damit neue Technologien am Markt erfolgreich sein können. Nur dann nämlich sind auch die Verbraucher bereit umzusatteln.

Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes, Jahrgang 1958, studierte Wirtschaftsgeschichte und Anglistik in Aachen und Bonn mit dem Abschluss Lehramt für Gymnasien. Sie arbeitete zunächst für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die damals auch Hörfunksendungen für das Privatradio RPR produzierte, wechselte dann zur Nachrichtenagentur Bloomberg Business News. Seit 1992 Partnerin im Redaktionsbüro Business Report, das 1998 die Wirtschaftskorrespondenz aus Frankfurt für Deutschlandradio übernommen hat. 

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