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Startseite3. Sportkonferenz im DeutschlandfunkGlaubwürdigkeit im Sport von enormer Bedeutung01.10.2013

Glaubwürdigkeit im Sport von enormer Bedeutung

Welchen Sport wollen Fans, Sponsoren und Medien?

Nach den Diskussionen rund um den Kern von Spitzen- und Breitensport ging es im dritten Teil der Diskussionsrunden um die "Peripherie": um Fans, Sponsoren und Medien. Dabei standen auch ethische und moralische Fragen im Mittelpunkt der Diskussion mit Moritz Küpper.

Mit Stephan Althoff, Anno Hecker, Sabine Töpperwien, Thomas Nonte, Andreas Rettig (Deutschlandfunk - Hendrik Maaßen)
Mit Stephan Althoff, Anno Hecker, Sabine Töpperwien, Thomas Nonte, Andreas Rettig (Deutschlandfunk - Hendrik Maaßen)

"Fans sind nicht die Quertreiber, die Miesmacher, die Risikogruppe." Mit diesem Statement von Jan-Henrik Gruszecki, dem Sprecher der Fan-Initiative "12:12" begann Runde 3 bei der DLF-Sportkonferenz 2013. Sein Ziel und das Ziel der Fußball-Fans sei den Fußball und die Fußballkultur mindestens so zu erhalten, wie er aktuell ist. In Deutschland gebe es zwar im Vergleich zu den anderen großen Ligen wie Spanien, Italien oder England "fast paradiesische Zustände" für die Fans. Dennoch: vieles laufe falsch, so Gruszecki. Für ihn ist die "50+1-Regel" wichtig, nach der immer mindestens 51% der Anteile beim Klub bleiben müssen. Gleichzeitig rief er die Journalisten eindringlich auf, sauber zu recherchieren und zu berichten, was die Fan-Szene angehe. Dritte Forderung des organisierten Fans: die Eintrittspreise in den Stadien dürfen nicht weiter steigen, denn: "Der Volkssport Fußball muss erhalten bleiben."

Andreas Rettig, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL) konnte sich mit diesen Aussagen Gruszeckis nicht in vollem Umfang anfreunden, bekräftigte aber auch, dass die Bezahlbarkeit im Fußball weiterhin gewährleistet werden müsse. Zugleich sieht er diese gegenwärtig aber gegeben, "wenn mindestens die Hälfte der Bundesligaklubs Dauerkarten mit weniger als zehn Euro im Schnitt pro Spiel anbietet." Für den Journalisten Anno Hecker, Ressortleiter Sport bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) spielen die Fans nach wie vor "eine große Rolle". Er stellt sogar die Tendenz fest, dass immer mehr in die Stadien kämen. Hecker prophezeit, dass die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesliga noch nicht am Ende sei.

"Die wichtigsten Aussagen der Diskussion noch einmal zum Nachhören. Bastian Rudde berichtet:"
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Neben Anno Hecker saß auch die Sportchefin des WDR-Hörfunks, Sabine Töpperwien, mit in der Diskussionsrunde. Thema des Panels daher auch die Frage: "Wie soll Berichterstattung aussehen?" Für Töpperwien gilt: "Fußball spielt in erster, zweiter und dritter Linie eine Rolle." Dabei stützt sie sich auf Befragungen und Rückmeldungen der Hörer. Andere Sportarten erzielten kaum eine Resonanz, ganz zu schweigen von Breiten- und Schulsport.

Die große Resonanz und Prominenz des Fußballs wird auch in der großen Vermarktung durch Sponsoren deutlich. Stephan Althoff, Leiter Konzernsponsoring bei der Deutschen Telekom ist daher "mit dem Fußball zufrieden". Mit der Frage des Geldes geht auch die Frage nach Ethik und Moral einher. "In Zeiten von Globalisierung sind viele kommerzielle Auswüchse auch nicht aufzuhalten. Wäre es aber dann nicht mal an der Zeit das Thema Gehaltsobergrenze zu diskutieren?" fragte Thomas Nonte. Er ist Sportbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, der "Olympia-Pfarrer."

DFL-Geschäftsführer Rettig entgegnet: "Viele Entscheidungsträger im Fußball wissen, dass sie große Verantwortung haben. Im europäischen Vergleich steht die Bundesliga gerade was wirtschaftliche Verantwortbarkeit angeht 1a da." Gleichzeitig gab er zu bedenken, dass in den deutschen Profiligen auch viele Sozialfälle entstehen. In der Fußballer-Karriere würden häufig Begehrlichkeiten geweckt. "Für einen Großteil der Spieler ist die Zeit nach der Karriere ein Problem."

Aber welchen Sport wollen dann Medien, Fans und Sponsoren? Stephan Althoff sieht von Sponsorenseite keinen Handlungsbedarf im Fußball, aber dennoch gebe es "große Missstände" wie Nachwuchsmangel in olympischen Disziplinen oder Probleme im Breiten- und Schulsport. "Es gibt nicht nur die heile Welt." Der Sport müsse glaubwürdig sein, die Kernwerte des Sports wie Fairness, Toleranz und Wettbewerb seien aber durch "Doping, Gewalt und Wettmanipulation" bedroht.

Olympia-Pfarrer Nonte wünscht sich weniger Druck für die Spitzensportler, stattdessen häufiger "standing ovations der Presse für den Sportler, der jahrelang trainiert" und dann möglicherweise scheitere. Weg vom "winner-takes-it-all"-Prinzip will auch Fußballfunktionär Andreas Rettig.

Die beiden Medienvertreter der Runde, Sabine Töpperwien und Anno Hecker betonten die große Bandbreite des Sports. Die WDR-Hörfunk-Sportchefin sagte: "Wir haben uns nicht nur dem Fußball sondern auch den olympischen Sportarten verschrieben." Einig waren sich alle darin, dass es in der Berichterstattung vor allem um fairen und glaubwürdigen Sport geht.

Impuls-Referat:
Jan-Henrik Gruszecki (Sprecher der Faninitiative "12:12")

Podium
Stephan Althoff (Konzernsponsoring Deutsche Telekom)
Anno Hecker (Ressortleiter Sport bei der FAZ)
Sabine Töpperwien (Sportchefin WDR-Hörfunk)
Thomas Nonte (Sport-Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz)
Andreas Rettig (Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga)

Moderation
Moritz Küpper (DLF)

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