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StartseiteCampus & KarriereGleichberechtigung für Bachelors03.11.2010

Gleichberechtigung für Bachelors

Wie große sind die Jobchancen der neuen Abschlüsse?

Noch sind sie in der Minderheit - die Hochschulabsolventen, die mit einem Bachelorabschluss auf den Arbeitsmarkt kommen. Doch ihre Zahl nimmt zu. "Bachelor Welcome" heißt eine Initiative von namhaften deutschen Unternehmen, die sich zur Bologna-Reform bekennen und Bachelor-Absolventen attraktive Einstiegschancen versprechen. Die Wahrheit sieht anders aus - das legt zumindest eine Studie der Universität Saarbrücken nahe. Die Autoren der Studie haben Jobbörsen im Internet untersucht und festgestellt: Für Bachelor-Absolventen ohne Berufserfahrung werden zwar Praktika angeboten, aber kaum bezahlte Jobs.

Von Claudia van Laak

Praktikum ja, Job nein? (Stock.XCHNG / Johnny Magnusson)
Praktikum ja, Job nein? (Stock.XCHNG / Johnny Magnusson)

Welche Berufschancen haben Bachelor-Absolventen? Christian Scholz machte im Sommer die Probe aufs Exempel. Der Professor für Personalmanagement an der Uni Saarbrücken gab das Stichwort "Bachelor" in eine große Internet-Jobbörse ein und erhielt mehr als 1000 Treffer. Bei genauerem Hinsehen ergab sich: Fast die Hälfte der Angebote richtete sich an Studienanfänger - es waren duale Studiengänge, für die Unternehmen Teilnehmer suchten. Viele der anderen Angebote waren Praktika und nur sechs Prozent Jobs für Bachelor-Absolventen ohne Berufserfahrung. Auch die Unterzeichnerfirmen der "Bachelor Welcome"-Erklärung hatten diesen Absolventen kaum etwas anzubieten, sagt Christian Scholz.

"Das ist das Erschütternde, dass wir sehen, dass diejenigen auf dem Arbeitsmarkt kaum eine reelle Chance haben als Direkteinstieg. Es wird immer verlangt: Berufserfahrung. Es wird verlangt: Praktika. Und so gesehen haben wir bei den Unternehmen, den Erstunterzeichnern, da haben wir gerade mal 39 Angebote gefunden, die tatsächlich Direkteinstieg ohne Berufserfahrung sind."

Der Bachelor gilt als erster berufsqualifizierender Abschluss, doch die Unternehmen scheinen dies nicht zu akzeptieren - das ist das Fazit von Christian Scholz. Wie sei es sonst zu erklären, dass fast die Hälfte der analysierten Jobangebote für Absolventen Praktika seien.

"Bachelor welcome, ja, als dualer Ausbildungsgang. Bachelor welcome, ja, als Praktikant."

Diese Vorwürfe wollen die Unterzeichner der "Bachelor Welcome"-Initiative nicht auf sich sitzen lassen. Erst vor zwei Wochen hatten sich die Personalvorstände führender Unternehmen in Deutschland erneut zur Bologna-Reform bekannt und versprochen, den neuen Absolventen attraktive Angebote zu unterbreiten.

Markus Lecke, Teamleiter Bildungspolitik bei der Telekom, hält die Studie der Uni Saarbrücken für methodisch fragwürdig und oberflächlich.

"Dass man Jobs nicht findet, wo direkt Bachelor drinsteht, kann ich nachvollziehen. Denn viele Großunternehmen wie auch die Telekom schreiben nicht mehr explizit den Abschluss aus. Denn nicht die Qualifikation zählt in diesem Sinne, sondern die Kompetenz."

Außerdem sei in der Studie nur eine einzige Internet-Jobbörse untersucht, die direkten Angebote der Unternehmen erst gar nicht berücksichtigt worden. Auch IBM wehrt sich gegen den Vorwurf, Bachelor-Absolventen als billige Praktikanten auszunutzen.

"Das gilt zumindest nicht für das Unternehmen IBM. Bei uns stehen auch den Bachelor-Absolventen alle Chancen, Türen, offen."

sagt Matthias Landmesser, Leiter der Hochschulprogramme bei IBM Deutschland. In einem Punkt geben die Unterzeichner der "Bachelor Welcome"-Initiative den Autoren der Studie recht: Immer mehr Firmen versuchen, Abiturienten direkt an ihr Unternehmen zu binden - mit einem dualen Bachelorstudium. "Wir backen uns einen Mitarbeiter" - auch diese Tendenz findet Christian Scholz von der Uni Saarbrücken fatal.

"Das ist im Wesentlichen so eine Ausbildung to go. Kurzfristig, kleine schnelle Häppchen müssen gereicht werden. Und das ist nicht das, was wir brauchen, und das ist auch nicht das, was viele Unternehmer letztlich wollen."

Das sieht die Telekom anders. Das Unternehmen will engagierte junge Leute frühzeitig formen und an sich binden. Das beginnt bereits im Kindesalter - mit einem Schülerprogramm der Telekom.

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