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Startseite@mediasresNur mittelgute Noten für die Quote22.11.2018

Gleichstellung im RundfunkNur mittelgute Noten für die Quote

Der Verein ProQuote fordert mehr Frauen in den Chefetagen des deutschen Rundfunks. Eine aktuelle Studie zeigt: Noch gibt es viel zu tun. Während bei der Deutschen Welle und im RBB die Hälfte der Führungsposten bereits weiblich besetzt ist, hinkt das Deutschlandradio hinterher.

Von Verena Kemna

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Werbe-Ikone Verona Pooth kommt am Freitag (14.10.2011) in Berlin zur Geburtstagsparty von McDonald's, die mit zahlreichen Gästen auf dem Flughafen Tempelhof gefeiert wird. Bei einer Auktion werden außergewöhnliche Geschenke prominenter Gäste zu Gunsten der McDonald's Kinderhilfe Stiftung versteigert. (picture alliance / dpa)
Auch wenn viele Frauen im Journalismus arbeiten, sind sie in den Chefetagen immer noch unterrepräsentiert. (picture alliance / dpa)
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Der Verein ProQuote hat erstmals die weibliche Führungsebene der deutschen Rundfunklandschaft unter die Lupe genommen. Wie viele Frauen haben in Deutschland publizistische Macht, sind Intendantinnen, Hauptabteilungsleiterinnen, oder Korrespondentinnen im In- und Ausland?

Die Deutsche Welle und der Rundfunk Berlin-Brandenburg haben die besten Ergebnisse erzielt. So liegt in beiden Sendeanstalten die Hälfte der redaktionellen Macht in Frauenhand. Eine positive Überraschung, meint Edith Heitkämper vom Vorstand ProQuote Medien. Sie selbst arbeitet als verantwortliche Redakteurin beim NDR.

"Überrascht hat uns alle, dass einige Sender doch schon ziemlich gut abschneiden. Bei mehreren Sendern haben wir in den Führungspositionen gefunden, dass da wirklich 50/50, also pari pari, besteht. Das hätten wir so nicht erwartet, weil wir insgesamt die Stimmung in den öffentlich-rechtlichen und auch in den privaten Rundfunkanstalten noch nicht so wahrnehmen, dass es selbstverständlich ist, dass Frauen ganz oben oder halb oben sind und wirklich auch mit entscheiden."

Studie beruht auf Organigrammen

Auch der WDR mit etwa 45 Prozent sowie NDR und ZDF mit Werten um die 40 Prozent befinden sich laut ProQuote auf einem guten Weg. Das Deutschlandradio bildet mit nur 24 Prozent das Schlusslicht.

Ausgewertet wurden die Organigramme von insgesamt zwölf öffentlich-rechtlichen Sendern. Auch die Programmdirektion von Arte, die Geschäftsführerin der Mediengruppe RTL Deutschland und der Vorstand von ProSiebenSat.1 haben sich an der Studie beteiligt. Ausgewertet wurden Organigramme in den jeweils vier obersten Hierarchieebenen.

Coaching und Stimmbildung speziell für Frauen

Da der private Rundfunk kein Organigramm zur Verfügung gestellt hat, verweist die Studie auf eigene Angaben der ProSiebenSat1. TV Deutschland GmbH – Pressesprecherin Annette Kümmel erklärt, dass auf Ebene des Sendermanagments elf Frauen und zehn Männer beschäftigt seien. Außerdem seien 39 Frauen und 25 Männer in Redaktionsleitungen und Programmanagment beschäftigt.

Frauen würden im Unternehmen auf unterschiedliche Weise gefördert, meint Kümmel: "Im Haus selbst haben wir eine 'ProsiebenSat 1. Academy' und auch in der haben wir spezielle Fortbildungsangebote für weibliche Führungskräfte. Da geht es ganz viel um Business Coaching und Stimmbildung beispielsweise und wir haben ein eigenes Frauenkräftenetzwerk im Konzern wo wir uns sehr regelmäßig untereinander austauschen. Das, was ein Gleichstellungsbeauftragter beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk macht, das machen wir selbst, indem wir unsere Netzwerke haben."

Quoten sind nicht geplant

ProQuote wirbt seit Jahren für das Ziel, 50 Prozent der Stellen in Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Doch obwohl alle Sender die Relevanz von Chancengleichheit betonen, lehnen die meisten Sender eine Quotenregelung nach wie vor ab. So auch die ProSiebenSat.1 TV Deutschland GmbH.  

Auch Teilzeitprogramme sehe man dort nur ein als einen möglicher Weg um Frauen in Führungspositionen zu bringen, so Pressesprecherin Kümmel: "Also definitiv ist das Thema Vereinbarung von Familie und Beruf nach wie vor ein Thema. Das haben wir im Konzern so umgesetzt, dass Teilzeitmöglichkeiten gegeben sind, wir andererseits auch viel mit Homeoffice und mobilen Arbeitsplätzen arbeiten. Wir haben auch eine eigene Kindertagesstätte, die allerdings noch ein bisschen zu klein ist. Das sind die Themen, an die wir zunehmend heranmüssen."

"Da bekommt der Chefredakteur auch von Frauen einen Korb"

Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, dafür macht sich auch ZDF-Chefredakteur Peter Frey stark. 16 Standorte in Deutschland und 17 Auslandsstudios verlangten eine hohe Flexibilität und Mobilität, die nicht nur Frauen, sondern auch deren Partner vor Herausforderungen stellt.

"Karriere wird zum Beispiel auch über die Auslandsstudios gemacht. Und dann stellt sich immer die Frage, für Männer und Frauen, ob die jeweiligen Partner auch bereit sind mitzugehen, wie die Situation für die Familie ist und so weiter. Und da bekommt ein Chefredakteur auch von Frauen mal einen Korb, wenn er sie fragt, ob sie bereit ist, Studioleiter in Moskau oder Rio oder anderen schönen Plätzen dieser Welt zu werden."

Allzu oft noch Lippenbekenntnisse

Chefredakteur Peter Frey ist überzeugt davon, dass in zehn Jahren Parität herrschen könnte. Das Bewusstsein für eine längst überfällige Ausgewogenheit sei längst angekommen: "Dass gemischte Teams besser sind und mehr Anregungen geben, die Welt auch anders betrachten, ich glaube, das ist eine Selbstverständlichkeit, über die man eigentlich nicht mehr reden muss."

Fazit der Studie: Teilzeitprogramme, spezielles Mentoring für Frauen und befristete Führungspositionen sind wichtige Instrumente um die Karrieren von Frauen zu befördern. Doch allzu oft bleibt es in den Sendeanstalten bei Lippenbekenntnissen. Mit Studien wie diesen will ProQuote ein Signal setzen, denn noch immer würden sich zu wenige Sendeanstalten für die Förderung von Frauen engagieren.

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