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StartseiteKalenderblattMiss Piggy, Kermit & Co erobern die Welt16.05.2015

Glorreiche Jahre der MuppetsMiss Piggy, Kermit & Co erobern die Welt

Kermit der Frosch, die Schweine-Diva Miss Piggy und Waldorf und Statler, die beiden nörgelnden Greise auf dem Opern-Balkon: In der "Muppet Show" probten Puppen den Aufstand, die nicht nur putzig waren. Kein Kinderkram, sondern schlaue Lachnummern für Erwachsene. Jim Henson, der Erfinder und Vater der legendären Puppenserie, ist heute vor 25 Jahren gestorben.

Von Jürgen Bräunlein

Die Puppen Miss Piggy und Kermit der Frosch kommen am 28.03.2014 zum Fototermin im Sony Center in Berlin. Anlass ist der Film "Muppets Most Wanted", der am 1. Mai in die Kinos kommt. F (picture-alliance/ dpa / Stephanie Pilick)
Die Puppen Miss Piggy und Kermit der Frosch kommen am 28.03.2014 zum Fototermin im Sony Center in Berlin. Anlass ist der Film "Muppets Most Wanted". (picture-alliance/ dpa / Stephanie Pilick)
Weiterführende Information

Der Mann, der Kermit den Frosch erfand
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 22.07.2011)

Die Beerdigung glich einer Fernsehshow. Hunderte von Menschen waren am 21. Mai 1990 in die New Yorker Kathedrale gekommen, keiner trug Schwarz. Der Organist spielte fröhliche Weisen. Viele tanzten. Höhepunkt war der Auftritt eines fast 2 Meter 50 großen gelben Vogels. Der Mann im zotteligen Schnabelkostüm tapste durch die Kirchenbänke und stimmte vor dem Altar ein Lied an. Das absurde Singspiel war der ausdrückliche Wunsch des Verstorbenen - das Vermächtnis von Jim Henson, dem Erfinder der legendären "Muppet Show".

"Also heute hat es mir wirklich mal gefallen! - Bei den Preisen, wer wird sich da beschweren? (Lachen)"

Handpuppen für Erwachsene

1936 in Greenville am Mississippi geboren, gehörte Jim Henson zur ersten Generation Amerikas, die mit dem Fernsehen aufwuchs. Vor allem begeisterte ihn die Show von Burr Tillstrom. Dessen Slapstick-Sketche mit Handpuppen wurden vor allem von Erwachsenen gesehen, obwohl sie für Kinder gedacht waren. Für den High-School-Schüler Henson Vorbild und Ansporn zugleich. Aus zwei Ping-Pong-Bällen und dem grünen Regenmantel der Mutter bastelte er seine erste Puppe - Kermit, den Frosch. Während des Kunststudiums an der Universität von Maryland erfand er weitere Figuren.

"Nach einer Weile entwickelte ich einen wirklichen Sinn für das Ganze, schließlich wollte ich nach Europa reisen, nach Deutschland, um das traditionelle Puppenspiel kennenzulernen. Ich traf dort Menschen, die sich ihr ganzes Leben lang mit nichts anderem beschäftigt hatten, und ich begriff, dass das eine wirkliche Aufgabe sein konnte, ein echter Beruf."

Hensons Handpuppen aus Gips und Schaumstoff waren viel beweglicher als herkömmliche Marionetten. Damit stieg er in die Werbung ein und bekam eine Fünf-Minuten-TV-Show bei einem Lokalsender, wo Kermit seinen ersten Fernsehauftritt absolvierte. 1969 wurde der Frosch gemeinsam mit Ernie und Bert und dem Krümelmonster zum festen Bewohner der "Sesamstraße".

"Ich habe keine Ohren. Kermit, du hast ja keine Ohren. Ich sagte doch gerade, ich habe keine Ohren. Frösche haben keine Ohren. Ahhh ... Ja, trotzdem."

"Die Sesamstraße", die bald auch in Deutschland lief, gab Wissen weiter, nahm aber auch das Unterhaltungsbedürfnis von Kindern ernst und war so ein Meilenstein der Vorschulpädagogik. Doch Jim Henson hatte andere Ziele: raus aus der pädagogischen Nische und hin zum Puppenspiel für Erwachsene.

"(Fanfare) Und jetzt die Muppet-Show mit unserem heutigen Stargast Monsieur Charles Aznavour (Applaus)."

Rund 235 Millionen Zuschauer

Die "Muppet Show" eroberte den Bildschirm: Miss Piggy, Fozzie Bär, die gehässigen Grantler Statler und Waldorf - eine Chaotengruppe mit fast 400 schrägen Puppenfiguren, die von Frosch Kermit, der den Conférencier gab, kaum zu bändigen war. 1976 bis 1981 waren die glorreichen Jahre der Muppets: Rund 235 Millionen Zuschauer verfolgten jede Woche die Sendung - in mehr als hundert Ländern der Welt. Stars wie Orson Welles oder Sylvester Stallone hatten hier ihre Auftritte, umringt von den Puppen. Hensons Mission war erfüllt: 75 Prozent seiner Zuschauer waren Erwachsene.

"Aber jetzt geht's los, jetzt kommt die sensationellste, fabelhafteste, blödelhafteste, muppetionellste, ja, jetzt kommt die Super- Muppet-Show."

Neue Dimensionen der Fernsehunterhaltung

Nach fünf Staffeln war Schluss, doch Henson kreierte mit den "Fraggles" eine neue Puppenserie und entwickelte für den Film "Der dunkle Kristall" elektronisch gesteuerte Figuren. Über Hensons eigenes Leben wusste man bis zuletzt wenig. Der scheue Herr der Puppen zog am liebsten im Hintergrund die Fäden. Als er am 16. Mai 1990 im Alter von erst 53 Jahren an einer verschleppten Lungenentzündung starb, hieß es, er war nicht früher zum Arzt gegangen, weil er niemandem zur Last fallen wollte. Nicht nur für die vielen Fans der "Muppet Show" war das ein Schock. Als Visionär, Filmemacher und Puppenvater mit subversivem Humor hat der sanftmütige Jim Henson der Fernsehunterhaltung ganz neue Dimensionen hinzugefügt.

"Es ist der Job eines Puppenspielers, die Illusion zu vermitteln, dass alles möglich ist, obwohl die Möglichkeiten natürlich begrenzt sind. Du besitzt nur zwei Hände und du willst den Kopf der Puppe führen, Arme, Beine, mit Sicherheit kannst du das nicht alles gleichzeitig, aber du kannst den Eindruck erwecken, es würde dir gelingen. Den Rest erledigt die Fantasie der Zuschauer."

"Und ihr macht's gut, Leute, bis zu unserer nächsten Muppetshow..!"

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