Freitag, 14.12.2018
 
Seit 01:10 Uhr Hintergrund
StartseiteVerbrauchertippWenig Transparenz bei Inhaltsstoffen05.12.2018

GlühweinWenig Transparenz bei Inhaltsstoffen

Wie viel Zucker ist drin und welche künstlichen Inhaltsstoffe und Aromen? Der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt schmeckt an jedem Stand etwas anders. Doch was tatsächlich reingemischt ist, das ist gar nicht so leicht herauszufinden. Ein Versuch auf dem Potsdamer Weihnachtsmarkt.

Von Amelie Ernst

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Eine junge Frau schenkt an einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Gendarmenmarkt in Berlin Glühwein für Besucher aus. (picture alliance / Silas Stein )
Auf Weihnachtsmärkten gibt es immer mehr Glühweinstände (picture alliance / Silas Stein )
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Glühwein Kleines Weihnachtsglück für drei Euro

Weingut Andres Glühwein mit Geheimrezept

Weihnachtszeit Glühwein selbst gemacht

An Auswahl mangelt es nicht auf dem Potsdamer Weihnachtsmarkt: Gefühlt jeder zweite Stand in und um die Brandenburger Straße bietet Glühwein an, für im Schnitt drei Euro pro Tasse. Glühwein pur mit Heidelbeere, Rum oder Amaretto. Elke Probst betreibt ihren Stand schon seit über 20 Jahren und ist auf alle Kundenwünsche vorbereitet.

"Der Glühwein kommt aus Bayern. Es ist ja heute so: Die müssen ihr Geld dafür bezahlen, die Gäste. Und dafür können sie auch 'ne gute Qualität erwarten."´

Das sehen offenbar nicht alle Glühweinproduzenten so, vor allem die im Einzelhandel: Nur auf drei der rund 20 untersuchten Supermarkt-Glühwein-Verpackungen fanden Annett Reinke und ihre Kollegen von der Brandenburger Verbraucherzentrale eine Zutatenliste.

"Sie wissen zum Beispiel nicht, was ist denn da sonst so drin: Sind es Aromen, sind es Gewürzmischungen, sind es vielleicht nur künstliche Zusätze? Wieviel Zucker ist da eigentlich drin? Auf den drei Zutatenlisten, die wir gefunden haben, war zum Beispiel auch ein Fructose-Glukose-Sirup noch zusätzlich drin. Das ist alles das, was mir verborgen bleibt, wenn ich keine Zutatenliste drauf habe."

Nur auf dem Weihnachtsmarkt kann der Kunde gezielt nachfragen

Nur Allergene wie Sulfit müssen die Hersteller zwingend angeben. Und die Bezeichnung "Glühwein", die sei auch nur ein grober Anhaltspunkt, sagt die Lebensmittelexpertin.

"Beim Glühwein - da spricht schon das Wort dafür - muss ein Wein drin sein. Das kann ein Rotwein oder ein Weißwein sein. Ist es ein Weißwein, muss darauf auch hingewiesen werden. Und es darf kein Wasser dabei sein, es darf kein Obstsaft dabei sein und keine harten Spirituosen. Und es darf nicht noch zusätzlich ein Alkohol zugegeben werden, wie Rum."

Auf dem Weihnachtsmarkt könne der Kunde - anders als im Supermarkt - zumindest gezielt nach den Inhaltsstoffen fragen. Doch auch dort ist die Antwort nicht immer befriedigend.

"Verschiedene Gewürze mit Orangensaft und bisschen Zitrone."

"Und was für ein Rotwein?"

"Das kann ich Ihnen nicht sagen."

Winzerglühwein: Qualität hat seinen Preis

Etwas genauer erfährt man es meist dort, wo Winzerglühwein angeboten wird. Sandra Nitsche hat ihren Stand vor einer kleinen Weinhandlung aufgebaut. Vier Euro kostet hier eine Tasse weißer, heißer Wein.

"Also ich habe einen Winzerglühwein, der ist aus einem Müller-Thurgau und einer Scheurebe. Wird abgeschmeckt mit einem Traubenmost und Gewürzen. Der ist direkt vom Winzer, und ich finde den einfach geschmacklich perfekt"

"Sehr lecker - auf jeden Fall besser als bei den anderen Weihnachtsmärkten. Ist ein Bioglühwein, der ist nicht so gezuckert. Und hat einen viel feineren Geschmack. Und Du merkst halt: Der da vorne kostet 2,50 Euro und ist halt qualitativ minderwertig."

Qualität nicht für alle das wichtigste Kriterium

Nitsches Kunden sind überzeugt - trotzdem ist drüben an den Ständen in der Fußgängerzone deutlich mehr los. Wissen die Kunden dort Qualität beim Glühwein vielleicht gar nicht zu schätzen?

"Bin nicht für diese ganze Bio-Aktion, bei allem nicht. Sowas Albernes."

"Ich habe auch teure Glühweine probiert, für fünf Euro. Aber der Beste war der 1,99 Euro, der Christkind-Glühwein."

"Ist mein erster Glühwein dieses Jahr! – Nee, der fünfte!"

"Geschmacklich - er schmeckt nach Heidelbeere."

"Man kann das aus dem Tetrapack nehmen – wenn der gut gemacht ist, schmeckt der auch. Und das wird wahrscheinlich viel so sein an den Ständen."

In Glühweinlaune scheinen Qualitätsfragen dann doch gerne mal unter den HüttenTisch zu fallen. Wer es trotzdem genauer wissen will, der muss hartnäckig nachfragen, ein, zwei Euro mehr ausgeben - oder seinen Glühwein doch selbst zusammenrühren.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk