Samstag, 23.10.2021
 
Seit 06:10 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteComputer und KommunikationGoogle blockt Blocker23.03.2013

Google blockt Blocker

Diskussion um ausgebremste Werbeblocker bei Google Play

Adblocker sind Programme, die das plötzliche Aufpoppen von Werbung unterdrücken. Auch für Android gibt es solche Adblocker. Doch sie zu finden, ist künftig schwierig, denn Google hat diese Produkte aus seinem App-Store Google Play entfernt – zum Unmut vieler Nutzer.

Von Pia Grund-Ludwig

Werbung anschauen Pflicht? So sieht das offenbar Google für seine Android-Geräte.   (picture alliance / dpa)
Werbung anschauen Pflicht? So sieht das offenbar Google für seine Android-Geräte. (picture alliance / dpa)

Werbetreibende lassen sich im Internet viel einfallen, um aufzufallen: ihre Banner blinken, zappeln oder legen sich gar quer über die Seite. Man muss sie erst wegklicken, um zu dem vorzudringen, was man eigentlich sehen will. Manch ein Nutzer findet das so lästig, dass er Programme verwendet, die verhindern, dass Werbung überhaupt angezeigt wird. Adblocker heißen diese Softwarepakete, die es mittlerweile auch für mobile Endgeräte, für Smartphones oder Tablet-Computer gibt. Einer der wichtigen Player bei diesen mobilen Endgeräten ist Google mit seinem Betriebssystem Android. Auch für Android gibt es Adblocker, aber die zu finden ist für Nutzer künftig schwierig, denn Google hat diese Produkte aus seinem App-Store Google Play entfernt. Das Unternehmen wollte dazu nicht selbst Stellung nehmen. Auf Anfrage des Deutschlandfunks gab es nur eine lapidare Antwort der PR-Agentur "im Namen eines Pressesprechers": Man entferne Apps, die gegen die eigenen Richtlinien verstoßen, um "Google-Play-Nutzern eine positive Nutzererfahrung zu bieten". Zu finden sind die Programme nur noch auf den Seiten der Hersteller selbst. Till Faida, Gründer von Adblock Plus, einem der Unternehmen, die Adblocker anbieten, ist sauer über das Vorgehen des Internet-Riesen:

"Google kontrolliert mittlerweile den Zugang zu Informationen und Produkten. Wenn Geschäftsinteressen dafür sprechen, wird Google nicht davor zurückschrecken, Informationen nicht mehr zugänglich zu machen."

Geschäftsinteressen hat natürlich auch Faida als Softwareanbieter – und die werden durch Googles Entscheidung behindert. Doch auch die Nutzer haben durchaus Vorteile, meint Faida:

"Im Durchschnitt kann man sagen, dass 50 Prozent weniger Datenverbrauch auf einer mobilen Webseite benötigt wird und ungefähr 20 Prozent weniger bei Apps. Es geht aber nicht nur um den Datenverbrauch. Werbung auf Mobilgeräte ist auch ein Einfallstor für Schadsoftware. Es ist wichtig, dass der Benutzer Inhalte kontrollieren kann, auch um seine Privatsphäre zu schützen, wenn er sein Surf-Verhalten nicht mit bestimmten Werbeanbietern teilen möchte."

Ganz so einfach sei das nicht, meint Sebastian Schreiber von der Unternehmensberatung Syss. Er kennt sich mit Sicherheitsfragen im Internet bestens aus und berät Kunden, wie sich ihre IT-Infrastrukturen gegen Angriffe von außen schützen. Er teilt zwar Faidas Meinung, dass Google sich als Hausherr über die Smartphones der Nutzer aufspiele und sieht auch Angriffe auf Endgeräte über Werbung.

"Der Hauptnutzen eines Adblockers ist das Herausfiltern von Werbung. Da die Werbung immer von anderen Servern runtergeladen wird und auf meinen Rechner gelangt, kriege ich, wenn ich solche Werbung unterbinde, auch weniger Kontakt zu fremden Servern und habe auch ein bisschen sichereres System."

Aber, so Schreibers Einwand:

"Das ist meiner Meinung nach aber ein Nebenkriegsschauplatz."

Das sieht auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik so. Rechner würden zwar oft per sogenanntem Drive-by-Download mit Schadsoftware infiziert, die sich auf Web-Seiten oder schadhaften Werbebannern befinden. Da reiche die Einblendung eines manipulierten Banners aus. Der Sicherheitsgewinn bei Adblockern sei aber ein Nebeneffekt. Grundsätzlich wichtig sei vor allem die Verwendung eines modernen Browsers mit Sandbox-Technologie und ein möglichst weitgehender Verzicht auf aktive Inhalte und Plugins wie Java oder Flash. Sicherheitsfachmann Schreiber gibt außerdem zu bedenken, dass dem Internet-Nutzer Informationen ja nicht wirklich kostenlos seien, sondern dass diese Services häufig über Werbung finanziert werden:

"Im Internet gibt es viele Inhalte, die ich kostenlos sehen kann - von Nachrichten bis zu kostenlosen E-Mail-Diensten bis zu sozialen Netzwerken. Das sind alles Dienste, die ich als Nutzer kostenlos bekomme, aber der Betrieb dieser Dienste kostet immer Geld. Das heißt also, als Nutzer bezahle ich mit meinen persönlichen Daten und zum anderen damit, dass ich diese ganze Werbung über mich ergehen lasse. Wenn ich jetzt hergehe und die Werbung durch eine Software ausblenden lasse, dann bin ich ein bisschen ein Spielverderber. Ich will den Nutzen haben, bin aber nicht willens, das zu tun, was ich als Gegenleistung tun müsste, nämlich die Werbung angucken."

Sein Credo deshalb:

"Für mich ist ein Adblocker keine sinnvolle Installation, auch nicht aus Sicherheitsgründen. Mein Webbrowser ist ohnehin auf dem neuesten Stand und ich habe andere Plugins installiert, die meinen Browser sicherer machen."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk