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StartseiteKommentare und Themen der WocheBeste Option ist Zukunft als Museumsschiff01.03.2019

Gorch FockBeste Option ist Zukunft als Museumsschiff

Unfassbar blauäugig sei die Marine in die Instandsetzung des Segelschulschiffs Gorch Fock gestolpert, kommentiert Theo Geers. Doch von Verantwortlichkeit fehle jede Spur. Wenn zwischen Emotionen und Kosten abgewägt würde, läge die Zukunft der Gorch Fock dabei nicht im Einsatz zu Wasser.

Von Theo Geers

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21.01.2019, Bremen, Bremerhaven: Der Bugspriet des in Reparatur befindlichen Segelschulschiff der Deutschen Marine, der "Gorch Fock", schaut im Dock unter den Planen hervor. (Mohssen Assanimoghaddam/dpa)
Reparatur an der Gorch Fock, dem Segelschulschiff der Deutschen Marine. (Mohssen Assanimoghaddam/dpa)
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Farbe drüber – fertig. So hat man es jahrelang bei der Gorch Fock gehalten. Seit kurz vor Weihnachten aber hilft alles Übertünchen nicht mehr. Nicht nur Stahl des Rumpfes ist vom Rost zur Hälfte aufgefressen. So dünn wie der Rumpf so morsch sind offenkundig auch die Strukturen, die das Schiff eigentlich über Wasser halten sollen.

Unfassbar blauäugig ist die Marine in die Instandsetzung gestolpert, unglaublich nichtsahnend blieb bis zuletzt die zuständige Ministerin Ursula von der Leyen, weil die bitteren Wahrheiten über die explodierende Kosten gar nicht erst an sie weiter geleitet wurden. 70 Millionen Euro sind schon an die zweifelhafte Werft in Bremerhaven geflossen, 135 Millionen könnten die Reparatur insgesamt kosten – mehr als das zehnfache dessen, was vor vier Jahren einmal kalkuliert worden war.

Doch von Verantwortlichkeit keine Spur. Jedenfalls bis heute nicht. Das Verteidigungsministerium hat heute lediglich die Missstände zugegeben, die Anfang des Jahres schon der Bundesrechnungshof aufgespießt hatte. Und es hat Besserung gelobt. Ein Qualitätskonzept, das intern Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen ermöglichen soll, soll es nun richten.

Vor lauter Wortgeschwurbel gerät dabei fast in Vergessenheit, dass die Öffentlichkeit auch gerne allmählich mal erfahren sollte, wer für dieses Desaster eigentlich verantwortlich ist. Klare Befehlsstrukturen sind doch das A und O einer jeden Armee. Aber das gilt offenkundig nicht, wenn etwas schief gelaufen ist. Dann lassen sich diese Befehlsstrukturen offenbar nicht zurückverfolgen.

Personelle Konsequenzen? Bis heute Fehlanzeige.

Das kann man dieser Bundeswehrführung und dieser Verteidigungsministerin, die schon im Amt war, als die Gorch Fock eingedockt wurde, nicht durchgehen lassen. Personelle Konsequenzen? Bis heute Fehlanzeige. Warum eigentlich? Genau so drückt man sich um eine Entscheidung über die Zukunft der Gorch Fock herum. Die Faktenlage sei noch nicht so, dass darüber entschieden werden könne.

Doch die Marine muss sich endlich ehrlich machen. Verschrotten oder reparieren – und wenn Reparatur, dann entweder in der Variante segelklar oder der Variante Museumsschiff am irgendeinem Kai – das sind die Optionen, um die es geht.

Wer hinhört, bekommt den Eindruck, dass immer noch die Instandsetzung favorisiert wird. Das mag an den 60 Jahren liegen, in denen vielen Deutschen die Gorch Fock ans Herz gewachsen ist, es mag auch an den 70 Millionen Euro liegen, die für die jetzige Reparatur schon geflossen sind und die niemand abschreiben möchte.

Vergessen wird allzu gerne, dass frühere Überholungen auch schon mal über 40 Millionen Euro gekostet haben. Und dass jeder weitere Tag im Dock jetzt 10.000 Euro kostet. Es hilft nichts - eine Entscheidung muss her. Und wenn zwischen Kosten und Emotionen abgewogen werden muss, ist eine Zukunft der Gorch Fock als Museumsschiff die beste Option.

Theo Geers, 1959 in Sögel geboren, Studium der Volkswirtschaft an der Universität Köln, seit 1984 freier Journalist u. a. für DLF, WDR und andere ARD-Anstalten, seit 1991 als Wirtschaftsredakteur beim Deutschlandfunk. 1997 bis 2001 Korrespondent in Brüssel, 2010 bis 2011 Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt, seit 2012 Berliner Korrespondent für die Programme des Deutschlandradio, Themenschwerpunkt Wirtschaft und Finanzen.

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