Freitag, 10.07.2020
 
Seit 03:05 Uhr Weltzeit
StartseiteInterview"Trotz schöner Worte keine Aktionen"21.01.2020

Greenpeace-Chefin zu Davos"Trotz schöner Worte keine Aktionen"

Im Bereich Klimaschutz passiere immer noch viel zu wenig, kritisierte Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan im Dlf anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos. Vor allem der Finanzsektor und die Banken würden weiterhin massiv in fossile Energien investieren.

Jennifer Morgan im Gespräch mit Philipp May

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Das Foto zeigt Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan. (imago / Bernd Lauter)
Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan: "Es gibt Banken, die seit Paris 1,4 Billionen in Fossile investiert haben" (imago / Bernd Lauter)
Mehr zum Thema

Kommentar zum WEF Davos Aufmerksamkeit allein ist nicht nachhaltig

Hüther (Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln) Die Teeküche der Weltwirtschaft

Von der Verantwortung der Unternehmen Allgemeinwohl vs. Aktionärswohl

Unternehmensberater zu Davos "Man sollte diese Gespräche nicht unterschätzen"

Der Kampf gegen den Klimawandel ist das zentrale Thema beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Davon unbeeindruckt zeigte sich der US-Präsident bei seiner Eröffnungsrede. Klimaaktivistin Greta Thunberg ging er allerdings direkt an - ohne ihren Namen zu nennen: "Wir müssen die ewigen Propheten des Untergangs und ihre Vorhersagen der Apokalypse zurückweisen", sagte Trump. Und: Man dürfe sich nicht von den Schwarzsehern beeinflussen lassen.

Klimaschützer zeigten sich entsetzt und Grünen-Chef Robert Habeck nannte Trumps Rede kontraproduktiv und ein Desaster für die Konferenz. Greenpeace schrieb, der Präsident scheine nicht zu erkennen, dass man auf einem toten Planeten kein Geld verdienen könne.

Die Haltung von Greenpeace International kann deren Chefin, Jennifer Morgan, näher erläutern.

Philipp May: Sind Sie der gleichen Meinung wie Grünen-Chef Robert Habeck, der die Rede von US-Präsident Donald Trump auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos kritisiert und Trump als Gegner bezeichnet hat?

Jennifer Morgan: Ich sehe das auch so. Ich glaube, Donald Trump ist der Gegner. Die USA ist nicht der Gegner; Donald Trump ist der Gegner. Er ist ein Leugner im tiefsten Sinne und er lebt wirklich auf einem anderen Planet. Seine Vision für die USA hat keine Realität, weil das ist, als ob man Geld machen könnte auf einem toten Planet. Das geht nicht.

May: Aber nichtsdestotrotz. Selbst wenn Sie sagen, die USA ist nicht der Gegner, Donald Trump ist nun mal der Präsident der USA, möglicherweise noch für fünf Jahre. Geht Klimarettung ohne Trump?

Morgan: Es muss gehen. Ich glaube, es ist wichtig, dass die Leute verstehen, eine Hälfte der amerikanischen Wirtschaft ist dabei, das Pariser Abkommen umzusetzen. Das ist nicht wenig. Viele Bundesländer in den USA sind dabei, viele Unternehmen sind dabei, und ich glaube, was notwendig wird, wenn er wiedergewählt wird, ist wirklich eine neue Art und Weise von internationaler Zusammenarbeit, wo man engagiert wie Kalifornien verfährt mit allen anderen Ländern und man guckt, wie können wir diese Akteure wie Trump wirklich bestrafen, ökonomisch bestrafen, so dass er eigentlich nicht so viel Einfluss und Macht haben kann.

"Man kann den Klimawandel nicht mehr kleinreden"

May: Sie sind ja gerade in Davos. Das große Thema ist Klimaschutz logischerweise. Welche Signale erhalten Sie denn von den übrigen Teilnehmern der Konferenz? Kann man Donald Trump einfach so bestrafen? Machen die da mit?

Morgan: Ich glaube, eine Gruppe hier würde mitmachen und eine Gruppe hier würde das sehr schwierig finden. Aber ich finde, was wichtig ist, ist zu gucken, was in der natürlichen Welt passiert. Es ist so klar für alle hier, auch wenn sie nicht bereit sind, schnell genug voranzugehen, dass Klimawandel eine Katastrophe ist. Man kann diese Kosten nicht vermeiden und deswegen muss man handeln. Ich glaube, es wird keine Wahl mehr geben. Wenn man nach Australien guckt, wenn man sieht, was in Indonesien mit den Auswirkungen der Flut passiert, das kann man nicht mehr kleinreden. Deswegen glaube ich, dass wir fast keine Wahl mehr haben, weil es so dringend ist.

Morgan: Der Finanzsektor investiert weiter in fossile Energien

May: Schön, dass Sie aufs Handeln angesprochen haben. Der andere vielbeachtete Auftritt zum Auftakt in Davos war der von Klimaaktivistin Greta Thunberg und sie hat genau das gesagt, dass das nicht passiert ist, aller öffentlichen Aufmerksamkeit für das Thema Klimawandel zum Trotz. Es ist eigentlich gar nichts passiert. Sie teilen diesen Fatalismus nicht?

Morgan: Ich glaube, dass viel, viel, viel zu wenig passiert, aber ich glaube, wir sehen die kleinen Schritte in verschiedenen Ecken weltweit. Ich sehe die lokale Ebene immer in verschiedenen Städten, wo sie keinen Verbrennungsmotor zum Beispiel im Zentrum haben möchten. Ich sehe auch teilweise die Green Deals aus der EU, was noch ambitionierter sein muss, aber es gibt Bewegung da, was vor einem Jahr unvorstellbar gewesen wäre. Aber es ist klar, das ist viel zu wenig, und wenn man wie Greta Thunberg auch auf die Finanzsektoren und die Banken guckt - wir haben heute einen Bericht veröffentlicht bei Greenpeace zum Finanzsektor -, dann sieht man, warum sie das so denkt. Es gibt Banken, die 1,4 Billionen in Fossile investiert haben seit Paris.

"BlackRock hat nicht gesagt, wann er nicht mehr in Kohle investieren wird"

May: Wenn ich da mal ganz kurz einhaken darf? Auf der anderen Seite gibt es den großen Investor BlackRock, der größte der Welt, der jetzt angekündigt hat, seine Investitionen genau darauf zu prüfen, auf Nachhaltigkeit. Sind das nicht gute Zeichen, auch jetzt das Weltwirtschaftsforum in Davos, die sich den Klimawandel auf die Fahnen geschrieben haben, dass nicht nur im Kleinen was passiert, sondern dass sich jetzt auch die Großen dieses Thema auf die Fahnen geschrieben haben?

Morgan: Ich glaube, die BlackRock-Rede oder der Brief, den er an sein Unternehmen geschickt hat, ist schon ein kleines Zeichen, dass es in eine gute Richtung geht. Er hat gesagt, sie werden nicht mehr in Kohle investieren, aber er hat noch nicht gesagt, bis wann zum Beispiel. Er hat gesagt, das ist ein sehr wichtiges Finanzthema. Das ist ja klar. Aber das meine ich: Man sieht diese Schritte. Das ist schon ein Fortschritt. Aber wir haben so lange gewartet, Regierungen und Unternehmen, dass das jetzt viel schneller gehen muss. Die Menge, die man in den nächsten zehn Jahren schaffen muss, das ist die Herausforderung. Ich hoffe natürlich, dass wir aus Davos viel mehr Signale bekommen und nicht nur Signale, sondern Aktionen bekommen, dass Unternehmen nicht mehr in Fossile investieren werden, dass sie das verstehen. [...] neue Regulierungen [...]. Wir brauchen Finanzregulierung hier, weil das essentiell für unsere Zukunft ist.

"Trotz schöner Worte sehe ich keine Aktionen"

May: Wie stehen Sie denn eigentlich zum Weltwirtschaftsforum in Davos? Auch in diesem Jahr sind die Proteste gegen das Weltwirtschaftsforum wieder enorm groß, manche sagen, so groß waren sie noch nie. Auf der anderen Seite gibt es das Thema Klimawandel. Ist eine Konferenz wie die in Davos nötig, oder ist sie im Prinzip das Gegenteil davon, ein Symptom des Untergangs der alten Welt?

Morgan: Es ist nicht nötig, das ist klar, und im Moment würde ich eher sagen, es ist ein großer Teil des Problems, weil trotz schöner Worte sehe ich noch nicht wirklich die Aktionen, die das WEF glaubwürdig machen würden. Ich glaube, es hat die Chance, mit allen diesen Akteuren, wenn sie die richtigen Entscheidungen treffen würden, einen riesigen Unterschied zu machen. Aber wenn sie es nicht schaffen dieses Jahr, ich finde, sie werden viel, viel mehr Teil der alten Welt und Relevanz verlieren.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk