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StartseiteEuropa heuteFinnischer Plan für weniger russische Immobilien21.08.2019

Grenzen der NachbarschaftFinnischer Plan für weniger russische Immobilien

Gut 5.000 Häuser besitzen russische Staatsbürger in Finnland - Tendenz steigend. Die neue finnische Regierung will diese Entwicklung bremsen und hat Beschränkungen für russische Immobilien-Interessenten beschlossen. Eine große Razzia auf einem herrschaftlichen Anwesen spielt dabei eine Rolle.

Von Gunnar Köhne

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Ein Holzhaus an den finnischen Schären vor Turku (dpa/Robert B. Fishman)
Ein Holzhaus an der Küste Finnlands (dpa/Robert B. Fishman)
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Suna Kymäläinen trifft man an einem strahlenden August-Wochenende dort an, wo viele Finnen im Sommer am liebsten ihre Zeit verbringen: in einer einsamen Blockhütte am See. Kymäläinen ist sozialdemokratische Abgeordnete im finnischen Reichstag – und nicht allein wegen des sanften Rauschens der Birken und des Ausblicks auf das silbrig glitzernde Wasser bestens aufgelegt.

Grundstücke nahe Militäranlagen und Funkmasten

Die Politikerin aus dem finnisch-russischen Grenzgebiet kann einen großen politischen Erfolg für sich verbuchen. Die neue gewählte Mitte-Links-Regierung hat Beschränkungen für den Immobilienerwerb von Nicht-EU-Ausländern beschlossen. Das zielt vor allem ab auf russische Interessenten.

Für die Beschränkungen hatte Kymäläinen jahrelang gekämpft: "Die Behörden haben nun festgelegt, dass Käufer aus Nicht-EU-Staaten eine Ausnahmegenehmigung brauchen, wenn Sie ein Haus oder Grundstück in der Nähe von sensiblen Orten wie Militäreinrichtungen oder Funkmasten kaufen möchten. Eine Genehmigung der zuständigen Kommune zum Immobilienerwerb brauchten sie schon immer, aber in Zukunft  werden sie in solchen Gebieten nicht mehr kaufen können."

Razzia auf Privatinsel mit Helikopter-Landeplatz

Etwa 5.000 Ferienhäuser in Finnland gehören russischen Staatsbürgern, jedes Jahr kommen hunderte neue hinzu. Jetzt soll der Verkauf gebremst werden. Denn: Das Unbehagen über die wachsende Zahl von Dauergästen aus dem großen Nachbarland ist in Finnland weit verbreitet.

Nachdem im vergangenen Herbst die finnische Polizei die Privatinsel eines reichen Russen gestürmt hatte, nahm die Debatte noch einmal an Schärfe zu. Offiziell ging es bei dem Einsatz um Steuerhinterziehung. Doch das luxuriöse Anwesen mit seinen vier Häusern, auffällig vielen Bootsstegen und einem Helikopterlandeplatz ließ bei manchen Sicherheitsexperten die Alarmglocken schrillen. Wozu so eine Festung? Noch dazu an der strategisch wichtigen Ostseeroute nach Westen?

Krim-Annexion führt zu Unbehagen in Finnland

Olga Hannonen, selbst gebürtige Russin, hat ihre Doktorarbeit über das russische Ferienhausphänomen geschrieben. Anfangs, sagt sie, seien die Russen abgelehnt worden, weil sie die Preise für Seegrundstücke in die Höhe trieben.

Nun stünden andere Gründe im Vordergrund, sagt Hannonen: "In letzter Zeit ist das Thema zunehmend mit sicherheitspolitischen Fragen verknüpft worden. Besonders seit der Annexion der Krim durch Russland. Man darf nicht vergessen, dass das finnisch-russische Verhältnis durch die Geschichte belastet ist. Nach dem 2. Weltkrieg hat Russland einen Teil Finnlands annektiert."

Trotzdem weiter um gute Nachbarschaft bemüht

Offiziell jedoch ist Finnland darauf bedacht, den mächtigen Nachbarn nicht zu sehr zu reizen. Sollte sich Russlands Präsident Putin bei seinem Besuch in Helsinki über vermeintliche Diskriminierungen seiner Landsleute beim Immobilienerwerb beklagen, dann hätte jedenfalls die Abgeordnete Kymäläinen eine Antwort parat.

"Ich würde ihn auf das Prinzip der Gegenseitigkeit hinweisen. Denn wir Finnen können ja auch keine Immobilien oder Grundstücke am Ladoga-See oder sonst wo in Russland kaufen. Und einen rechtlichen Schutz für unser Eigentum gäbe es auch nicht. Diese Schieflage sollte dann mit Präsident Putin besprochen werden", sagt Kymäläinen.

Ein Mix aus Ablehnung und Anerkennung

Wissenschaftlerin Olga Hannonen hat die Reaktionen russischer Hüttenbesitzer in Finnland auf die jüngsten Entwicklungen verfolgt. Auch wenn die Ablehnung unter finnischen Nachbarn zunehme, empfänden die Russen nach wie vor eine große Wertschätzung für ihr Gastland.

"Diejenigen, die bereits ein Haus in Finnland besitzen, haben keine Angst davor, dass die Behörden ihnen ihren Besitz wegnehmen. Sie haben ein sehr positives Bild von Finnland und den Finnen, und sie sind sich sicher, dass hier am Ende alles nach rechtsstaatlichen Prinzipien vor sich geht", sagt Hannonen.

Finnland versichert: keine Enteignungen

In der Tat hat die finnische Regierung den Russen versichert: Wer bereits ein Grundstück besitzt, der darf es behalten. Selbst neben einem Sendemast.

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