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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie optimistische Hoffnung auf mehr Mut in der Klimapolitik 20.08.2020

Greta Thunberg im KanzleramtDie optimistische Hoffnung auf mehr Mut in der Klimapolitik

Die Weichen für eine grundlegende Klimawende habe Deutschland nicht gestellt, kommentiert Georg Ehring. Dennoch setzen Klima-Aktivistinnen Hoffnung in Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Erklärung: In Sachen Klimaschutz sieht es in fast allen anderen Weltregionen noch düsterer aus.

Von Georg Ehring

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (vorne) im Gespräch mit Greta Thunberg (R) und Luisa Neubauer (Steffen Kugler/BUNDESREGIERUNG)
Die Bundeskanzlerin soll bei der Umsetzung des Pariser Abkommens die Führung übernehmen, fordern die Klimaschützerinnen Thunberg und Neubauer - genau diese Rolle schreibe Merkel sich auch selbst zu, kommentiert Georg Ehring (Steffen Kugler/BUNDESREGIERUNG)
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Im Jahr 2007 waren es die schmelzenden Gletscher von Grönland – Angela Merkel präsentierte sich vor arktischer Kulisse als Klimakanzlerin, die nach viel zu langem Zögern die Herausforderung annimmt, die Klimakatastrophe noch abzuwenden. Heute sind es Bilder mit Greta Thunberg, Luisa Neubauer und zwei weiteren Aktivistinnen von "Fridays for Future", auch sie sollen signalisieren:

Die Kanzlerin will den Abschluss ihrer Amtszeit nutzen, um noch etwas für das Klima zu tun – vor allem in der deutschen Ratspräsidentschaft der Europäischen Union bis zum Jahresende. Daher die demonstrative Nähe zu den Klimaschützerinnen, die ihrerseits auf die gewohnten scharfen Töne verzichteten. Ihre Forderung: Die Bundeskanzlerin solle die Führung übernehmen bei der Umsetzung des Pariser Abkommens und genau diese Rolle schreibt sich Angela Merkel auch selbst zu.

Enttäuschende deutsche Klimapolitik

Doch die Harmonie dürfte täuschen und das hat mit den Gletschern auf Grönland zu tun. 13 Jahre ist der Besuch dort jetzt her und die deutsche Klimapolitik danach ist voller Enttäuschungen. Wenn Deutschland in diesem Jahr sein Ziel von minus 40 Prozent beim Treibhausgas-Ausstoß erreicht, dann nur, weil die Corona-Pandemie die Wirtschaft monatelang zum weitgehenden Stillstand zwang.

Wenn sie vorbei ist, werden die Emissionen vermutlich wieder steigen, denn die Weichen für eine grundlegende Klimawende hat die Bundesregierung noch immer nicht gestellt: Die Stromerzeugung aus Braunkohle soll bis weit ins nächste Jahrzehnt weiterlaufen, im Verkehrssektor sinkt der CO2-Ausstoß bisher überhaupt nicht und in anderen Bereichen viel zu langsam. Auch in der Europäischen Union ist Deutschland häufig genug als Bremser aufgetreten, etwa wenn es um Obergrenzen für den Schadstoffausstoß von Autos ging.

Der Maßstab für den Klimaschutz ist das Pariser Abkommen von 2015. Darin hat die Staatengemeinschaft beschlossen, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, wenn möglich sogar unter 1,5 Grad. Doch noch immer gilt: Selbst wenn alle Staaten ihre selbst gesteckten Ziele erreichen, landen wir vermutlich bei katastrophalen drei Grad – um die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu schließen, wäre ein ziemlich drastisches Umsteuern erforderlich.

Große Portion Optimismus seitens Fridays for Future

Auch der im internationalen Vergleich ambitionierte "Green New Deal" der Europäischen Union reicht gemessen am Pariser Abkommen bei weitem nicht aus, dabei ist er von Gesetzeskraft oder einer konkreten Umsetzung noch weit entfernt. Der Umstand, dass es in Bezug auf den Klimaschutz in fast allen anderen Weltregionen noch düsterer aussieht, macht die Lage nicht besser. Aber er ist vielleicht eine Erklärung für die Hoffnung, die die Klima-Aktivistinnen gerade auf Angela Merkel setzen.

Wie schonend Kanzlerin und Aktivistinnen miteinander umgingen, das zeigt die Bilanz von Adelaide Charlier von "Fridays for Future" aus Belgien: "Sie hat uns gesagt, dass sie es in Erwägung ziehen wird, mutiger zu sein". Es gehört eine große Portion Optimismus dazu, darin ein Hoffnungszeichen zu sehen.

Georg Ehring  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring, Jahrgang 1959, hat in Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert, später an der Fernuniversität Hagen Volkswirtschaft. Er arbeitet beim Deutschlandfunk als Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt. Berufliche Stationen zuvor waren die zentrale Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und zuvor in den 1980er Jahren freiberufliche Tätigkeit überwiegend für den WDR in Dortmund.

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