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StartseiteNachrichten vertieftFinanzmärkte brechen ein28.01.2015

GriechenlandFinanzmärkte brechen ein

Privatisierungen stoppen und Beamtenapparat aufstocken: Die Anleger in Griechenland finden wenig Gefallen an den ersten Plänen der neuen Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras. Die Finanzmärkte des Landes stürzen ab - besonders hart trifft es die Banken.

Alpha Bank-Filiale in Athen (09.03.2011). (dpa / picture-alliance / Orestis Panagiotou)
Der Aktienwert der Alpha Bank sank um 43 Prozent. (dpa / picture-alliance / Orestis Panagiotou)
Weiterführende Informationen

Griechenland - Tsipras beschwert sich in Brüssel

(Deutschlandfunk, Aktuell, 28.01.2015)

Griechenland - Tsipras muss Kompromisse eingehen
(Deutschlandfunk, Kommentar, 27.01.2015)

Griechenland - EU-Finanzminister lehnen Schuldenschnitt ab
(Deutschlandfunk, Informationen am Mittag, 27.01.2015)

Die Banken verloren an der Börse bis zu 30 Prozent an Wert. Der Aktien-Leitindex ASE in Athen brach zeitweise um fast neun Prozent ein. Seit dem Wahlsieg des Linksbündnisses Syriza unter Führung von Alexis Tsipras hat sich der Aktienwert der National Bank of Greece fast halbiert. Die Aktionäre der Piräus Bank müssen seit Wochenbeginn ebenfalls einen dramatischen Kursverfall verkraften. Die Anteile der Alpha Bank und der Eurobank Ergasias sanken um 43 und 41 Prozent im Wert.

Auch der Handel mit griechischen Staatsanleihen war betroffen, viele Anleger stießen ihre Papiere ab. Die starken Verkäufe führten zu fallenden Kursen. Im Gegenzug stiegen die Renditen kräftig. Bei Papieren im freien Handel mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg die Rendite um 0,92 Prozentpunkte auf 10,15 Prozent.

Abkehr vom Sparkurs

Am Mittwoch hatte die neue Tsipras-Regierung eine Abkehr vom bisherigen Sparkurs bekannt gegeben. Demnach sollen Privatisierungen gestoppt und der Beamtenapparat wieder aufgestockt werden. Außerdem hat Tsipras in seinem Kabinett Giannis Varoufakis, einem scharfen Kritiker der Sparpolitik, die Zuständigkeit für Finanzen gegeben.

Tsipras forderte nun Gespräche mit den internationalen Geldgebern über eine Neuregelung des 320 Milliarden Euro großen Schuldenberges. Griechenland wünsche "keinen Bruch" mit den Geldgebern, werde aber auch "keine Unterwerfung" akzeptieren, sagte Tsipras bei der ersten Sitzung seines Ministerrates in Athen.

"Weichere Formen der Zusammenarbeit"

Auch der EU-Währungskommissar Pierre Moscovici sagte gegenüber der französischen Zeitung "Le Parisien", die Kommission wolle es nicht zu einem "Bruch" kommen lassen. "Die EU-Kommission und die EU sind bereit zu einem weniger aufdringlichen Austausch als in der Vergangenheit, zu weicheren Formen der Zusammenarbeit", sagte Moscovici .

Finanzminister Varoufakis bezeichnete die Aufnahme von immer mehr Krediten als aussichtslos. "Dieses Schneeballsystem muss aufhören", sagte er. Die Geldgeber haben Griechenland seiner Meinung nach "zu viel Geld" geliehen. "Wir brauchen einen europäischen New Deal", sagte er weiter. Die Griechen würden künftig "nur das ausgeben, was sie verdienen".

(tzi/bor)

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