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GriechenlandMöglicherweise Flüchtlingslager auch unter EU-Leitung

Ein Frau geht mit einem Kind auf dem Arm und einem anderen Kind an der Hand auf einem Weg im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos, während ihr ein Mann entgegen kommt.  (dpa)
Flüchtlinge im Lager Moria auf Lesbos. (dpa)

Griechenland und die Europäische Union erwägen die Errichtung eines neuen Flüchtlingslagers auf der Insel Lesbos unter gemeinsamer Leitung. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen sagte in Brüssel, es gebe Überlegungen, dass das Lager sowohl von den griechischen Behörden als auch den Agenturen der Europäischen Union geführt werde. Bundeskanzlerin Merkel sprach von einem möglichen Pilotprojekt, das sie sehr unterstütze.

Merkel strebt nach Angaben der Nachrichtenagentur afp eine Entscheidung bis kommenden Mittwoch über die Aufnahme von zusätzlichen Flüchtlingen aus dem abgebrannten Lager Moria in der Bundesrepublik an. Laut Vizekanzler Scholz, SPD, soll der Beitrag - Zitat - "der Größe Deutschlands in Europa entsprechen". Eine konkrete Zahl nannte er nicht.

Bischof Bätzing: "Ein Skandal"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bätzing, sagte dem Deutschlandfunk, durch die derzeitige EU-Ratspräsidentschaft der Bundesregierung habe Deutschland die Möglichkeit, Bewegung in das Thema zu bringen. Es sei ein Skandal, dass man es so lange zugelassen habe, dass in Moria 20.000 Menschen in unwürdigsten Bedingungen gelebt und überhaupt keine Perspektive für sich gesehen hätten. Bätzing verwies darauf, dass sich viele kirchliche Initiativen und Kommunen für die Aufnahme von Flüchtlingen stark machten. Als realistisch für Deutschland nannte der katholische Bischof die Zahl von rund 5.000 Migranten.

Bislang hatte sich die Bundesregierung zur Aufnahme von bis zu 150 unbegleiteten Minderjährigen in Deutschland bereit erklärt - als Teil eines europäischen Kontingents von etwa 400. Die SPD, Teile der Union sowie die Grünen und die Linke verlangen, dass deutlich mehr Menschen aus Moria aufgenommen werden. Die AfD lehnt eine Aufnahme grundsätzlich ab.

Technisches Hilfswerk vor Ort

Auf Lesbos traf heute eine erste deutsche Hilfslieferung des Technischen Hilfswerks mit 1.400 Feldbetten sowie Iso-Matten, Schlafsäcken und Zelten ein. Sie sollen an die obdachlos gewordenen Migranten verteilt werden.

Diese Nachricht wurde am 14.09.2020 im Programm Deutschlandfunk gesendet.